Die Jugend von heute liebt den Luxus, hat schlechte Manieren und verachtet die Autorität. Sie widersprechen ihren Eltern, legen die Beine übereinander und tyrannisieren ihre Lehrer.

(Sokrates ca. 470 - 399 v. Chr.)

Aktuelles

 

 

Lausitzer Rundschau 08.01.2010

In Schlepzig gibt es 2010 viel zu erleben


Schlepzig: Am alten Spruch „In Schlepzig schleppt sich's so hin“ ist schon lange nichts mehr dran. Das können Neugierige bei Spaziergängen im Ort und auch beim Besuch vieler Veranstaltungen im Jahr 2010 nachprüfen.

Musiker Ron Spielman ist regelmäßiger Gast im Schlepziger Brauhaus. Neben Rock-Klängen gibt es aber auch Jazz und Klassik am Anfang des neuen Jahres zu hören.

Archivfoto: PR
Das große Dorf ist mehrfach als „Schönstes Dorf Brandenburgs“ ausgezeichnet worden. Dies hat viele gute Gründe.

Führungen mit Rangern

Gleich am Ortsausgang nach Krausnick durchfließen Quas-Spree, das Zerniasfließ und viele weitere Spreearme eine weite Baumlandschaft, die mitten im Biosphärenreservat Spreewald liegt. Wanderwege sind für einen Spaziergang reizvoll. Die Ranger von der Schlepziger Außenstelle der Biosphärenreservats-Verwaltung bieten ab Ostern regelmäßige Führungen an. Im Februar machen sie eine winterliche Ausnahme und laden schon für den 14. Februar um 10 Uhr zu einer zweieinhalb Stunden dauernden Tour durch den Buchenhain ein. Treffpunkt dafür ist an der Alten Mühle direkt am Spreewehr.
Wo auf Befehl des Preußenkönigs Friedrich Wilhelm III. im 19. Jahrhundert der Schlepziger Dorfschulze zu leben, zu verwalten und zu wohnen hatte, ist seit 1985 das schmucke Schlepziger Bauernmuseum unweit der ebenfalls sehenswerten Dorfkirche mitten im Ort zu finden. Noch bis Ende März hat es von Dienstag bis Freitag, danach bis Ende Oktober rund um die Woche jeweils zwischen 10 und 16 Uhr geöffnet. Dieser von Grund auf rekonstruierte Spreewälder Bauernhof bietet auf 5000 Quadratmetern Fläche alles von der Scheune mit Maschinen und landwirtschaftlichem Gerät über Kräutergarten, Backhaus mit intaktem Lehmbackofen bis hin zur bäuerlichen Stube, Schlafstube und Küche aus längst vergangener Zeit. Unter der großen Linde stehen in der wärmeren Jahreszeit Tische und Stühle, wo Kuchen aus dem Lehmbackofen sowie frisch gebrühter Kaffee dem Gast auf Wunsch und Voranmeldung genau wie zu den vielen Festen im Bauernmuseum serviert werden kann.
Musik bei einem guten Tropfen

Fahrten mit dem Spreewaldkahn von Schlepzig aus nach Lübben, an den Fischteichen mit vielen Wasservögeln vorbei, oder durch den Unterspreewald nach Groß Wasserburg sind reizvoll und werden so lange angeboten, wie kein Eis auf den Fließen ist. Fährleute gibt es direkt in Schlepzig, und sie werden auch von Wirtsleuten vermittelt. Wer dann noch einen guten Tropfen und Musik mag, für den hat der Landgasthof „Zum grünen Strand der Spree“ mit eigenem Hafen, dem wachsenden Weidendom im Hof und seinen Reihen „Klassik und Schlemmen“ sowie „Jazz und Buffet“ auch in jedem der Wintermonate viel zu bieten.

Bei „Jazz und Buffet“ im Brauhaus des Gasthofes spielen demnächst Ron Spielman und Freunde Rockiges (9. Januar, 20 Uhr). Dixieland mit der Berliner „Sir Gusche Band“ gibt es am 30. Januar und Jazz mit „Mo Blow“ am 6. Februar, jeweils um 20 Uhr. Freunde der Musik aus der klassischen oder romantischen Ecke können am 16. Januar schon ab 18 Uhr brasilianische Klänge des „Quarteto Ideal“ im Saal des Landgasthofes genießen. Am 20. Februar entführt Professor Rainer Feldmann per Gitarre und Flötentönen seine Hörer in die Zeit des Barock. -ds
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04.01.2010 Lausitzer Rundschau

Schlepzig rockt ins neue Jahr
Schlepzig: Fans von Ron Spielmann, Jan Eckelmann und Björn Werra kommen am kommenden Samstag in Schlepzig auf ihre Kosten: Das Trio macht dort – wie schon im gerade vergangenen Jahr – den Auftakt der Reihe „Jazz und Buffet“ in 2010.


Ron Spielmann tritt mit Jan Eckelmann und Björn Werra in Schlepzig auf. Archivfoto: jgk


Beginn ist um 20 Uhr im Brauhaus des Landgasthofes „Zum grünen Strand der Spree“ in Schlepzig. Sänger und Komponist Ron Spielmann aus Berlin fügt Bluesrock-, Soul-, Funk- und Jazzrhythmen zu einer ganz eigenen, sehr tanzbaren Mischung zusammen. Blues von Motown bis zum Mississippi-Delta, das Gitarrenspiel von Jimi Hendrix sowie der Jazz von Miles Davis und John Coltrane fließen in seine Stücke mit ein. Kleine, Jamsession-artige Ausflüge in den von Spielmann komponierten Stücken bieten Einblicke in die verschiedenen Musikstile.

Das "offene Brandweinlager"

Wir buddeln wieder.

Der Brennereihof.

Lausitzer Rundschau 27.07.2009

Alles doppelt gesehen beim Zwillingstreffen in Schlepzig


Schlepzig Zweimal 52 Gäste sind am Wochenende in Schlepzig zu Gast gewesen. Beim Gruppenfoto sahen die Fotografen trotz perfekter Optik dennoch doppelt – der Zwillingsclub Werdau hatte zum Treffen in den Unterspreewald eingeladen.


„Seid ihr etwa alle Zwillinge?“, riefen Passanten und Kahngäste erstaunt und zückten die Fotoapparate. Im Landgasthof „Zum grünen Strand der Spree“, wo die Gruppe logierte und feierte, hatte die Bedienung es nicht einfach, die Bestellungen zuzuordnen.

Aus der Spreewälder Region waren vier Pärchen gekommen. „Es ist richtig schön, ein Wochenende mit anderen Zwillingen zu verbringen“, sagte Regina Winter. Sie nahm zum ersten Mal an solch einem Treffen teil. „Herrlich, auch mal doppelt zu sehen“, ergänzte ihre Zwillingsschwester Christina Kaiser aus Luckau. Sonst würden sie oft angeguckt und gemustert. „Heute sehen wir das mal aus einer anderen Perspektive“, sagte Regina Winter. „Die Geschwister sind fast alle gleich schlank oder mollig, sehen in Bezug auf die Frisuren gleich aus.“

„Bei den Zwillingen gibt es einen ganz anderen Zusammenhalt als sonst Menschen, die sich eigentlich einander fremd sind. Das ist schön, und wir sind beim nächsten Mal bestimmt wieder dabei“, versprach Christina Kaiser.

Birgit Kuntzag und Elke Bohne aus Lübben ließen es sich nicht nehmen, sich mit anderen Zwillingen gegenseitig zu fotografieren. „Wir sind seit mehr als 20 Jahren bei den Treffen dabei. Wir waren so froh, dass die anderen nun mal zu uns gekommen sind“, so Birgit Kuntzag. „Wir sind wie eine große Familie“, fügte ihre Zwillingsschwester Elke Bohne an. „Man entwickelt sich mit den anderen mit. Und wenn bei manchen die Haare weniger werden oder andere Veränderungen eintreten, kann man die auch noch mit dem jeweiligen Zwilling vergleichen.“

Jedes Jahr kämen neue Mitglieder dazu. „Mit anderen Zwillingen ist man immer gleich per du“, erzählte Birgit Kuntzag. Nadine und Gwendolin Scheibe aus Radeburg sind die Präsidentinnen des Deutschen Zwillingsclub Werdau. Seit dem Jahr 1988 sind sie im Deutschen Zwillingsclub aktiv. Im vergangenen Jahr übernahmen die beiden 29-Jährigen die Leitung.

Die jüngsten Zwillinge des Clubs sind zwei Jahre jung, die ältesten 79. „Von den etwa 120 im Club organisierten Zwillingspaaren waren über 50 der Einladung zum Zwillingstreffen in den Spreewald gefolgt“, so Nadine Scheibe. Kahnfahrt sowie Besuche in einer Gurkeneinlegerei und einem Museum sowie eine Wanderung mit dem Nachtwächter hatten auf dem Programm gestanden. „Für das Wetter können wir nichts. Aber der Rest hat super geklappt, und wie immer hat es richtig Spaß gemacht.“

Gwendolin Scheibe fügte an: „Unser Club ist einer der größten Zwillingsvereine Deutschlands. Wir freuen uns sehr, dass jedes Jahr mehr und mehr Zwillinge den Weg zu uns finden und die Treffen als Höhepunkte im Zwillingsalltag schätzen.“ Das nächste werde es zum 25-jährigen Vereinsbestehen in der Gründungsstadt Werdau geben.
Von Jens Golombek

Gurken im Weißweinfass!

 

Zwillingstreffen 24-26.07.2009 in Schlepzig

 

Acht 10000 Liter Eichenfässer enddeckt in Dänemark,
shipping by Peter.
Ein Heim für Schneewittchen und die sieben Zwerge

 

Die Kahnabfahrt am Weidendom ist eröffnet. Fährmann Mike Böttcher erwartet Sie.

Die Brennscheune im Juli 2009

Es geht ein Häuschen auf Reisen...

6.5.2009 Lausitzer Rundschau

Sybille Grunert zeigt ältere und neue Bilder in Schlepzig


Schlepzig Eine Ausstellung der Lübbener Malerin und Grafikerin Sybille Grunert ist in der Schlepziger Wassermühle eröffnet worden. Während im Erdgeschoss Motive aus der heimischen Natur, Landschaften und Tiere, die sehr realitätsnah wiedergegeben werden, zu sehen sind, zeigt die Künstlerin in der oberen Etage Abstraktes.


Sybille Grunert (l.) während der Eröffnung ihrer Ausstellung mit Cordula Roy. Foto: J. Golombek

Für eine Vernissage ungewöhnlich, erschienen einige Gäste in Radlerhosen. Sie waren Urlauber, die ihre Radtour spontan für den Kunstgenuss unterbrochen hatten.

„Wir wollen dieses Haus mit Leben füllen, und solch eine Ausstellung ist eine wunderbare Möglichkeit“, sagte der Pächter der Mühle, Dr. Torsten Römer. Seit dem Jahr 1992 seien Werke von Sybille Grunert im benachbarten Brauhaus und dem Landgasthof „Zum grünen Strand der Spree“ zu bewundern gewesen. „Unser Herr Tschersich hatte schließlich vor eineinhalb Wochen die Idee, die bewährte, kreative und fleißige Künstlerin einzuladen.“ Begeistert habe sie zugestimmt. „Nun hoffen wir auf gutes Gelingen und viele verkaufte Bilder.“

„Die Künstlerin hat sich auf unser Drängen hin bereit erklärt, sich von einigen ihrer Werke zu trennen“, sagte Uwe Neumann, dessen Verein in der Mühle ein Büro nutzt. Auch Motivkarten und Poster seien erhältlich.

„Einige Arbeiten sind ganz neu, andere etwas älter“, sagte Sybille Grunert. „In der Kürze der Zeit solch eine Ausstellung zusammenzustellen, ist sicher nicht leicht. Aber mit der Zeit hat sich im Atelier ein gewisser Vorrat angesammelt, den ich durch neue Ideen ergänzt habe.“

Cordula Roy war zur Vernissage aus Teupitz angereist. „Ich beobachte die Entwicklung der Werke von Anfang an. Hier in der eher dunklen Mühle gefallen mir die Blumenmotive mit ihren kräftigen Farben am besten. Auch die vielen Entchen sind toll.“

Die Ausstellung ist an allen Maiwochenende jeweils von 10 bis 16 Uhr geöffnet.

Wer sich zum Besuch mit Sybille Grunert verabreden möchte, erreicht sie unter der Telefonnummer 03546 8483. jgk

5.4.2009 Lausitzer Rundschau

Die Kahnfährsaison in Schlepzig ist offiziell eröffnet


Schlepzig Die Kahnfahrsaison im Unterspreewald ist feierlich eröffnet worden. An der Kahnabfahrtsstelle am Weidendom in Schlepzig überreichte Amtsdirektor Jens-Hermann Kleine (CDU) symbolisch ein Rudel an Fährmann Mike Böttcher.
Stephanie Gallus hatte es mit Blumen geschmückt.

 

„Trotz der vielen nicht so guten Wirtschaftsnachrichten hoffe ich, dass Ihnen allen eine gute touristische Saison bevorsteht“, sagte der Amtsdirektor. Mit Bier der Spreewälder Privatbrauerei in Schlepzig wurde auf die notwendige Handbreit Wasser unter dem Kiel angestoßen. Anschließend machten sich die beiden ersten Kähne auf die erste Dorfumfahrungsrunde des Jahres.

Bei Musik und Gesang warfen die Fahrgäste durch Sträucher, Hecken, Büsche und Bäume, an deren Zweigen das erste Grün schimmerte, ausgiebige Blicke auf die malerischen Wirtschaften und Hinterhöfe der Schlepziger.

„Als plötzlich jemand anfing, mit einer Glocke zu läuten, war ich mehr als verwundert“, sagte Stephan Kolbe. „Aber als freudestrahlend herübergerufen wurde, dass wir der erste Kahn des Jahres seien, war mir alles klar“, so der Dresdener Besucher. Er sei begeistert gewesen, „gerade weil die Natur kurz vor ihrer grünen Explosion steht.“
J. Golombek

Die Brennscheune am 17.3.2009

von der Milch unserer Charolaiskühe haben wir Schnittkäse gemacht.

Jetzt müssen wir warten und pflegen.

 

16.3.2009 Lausitzer Rundschau

Schlepziger Veranstaltungsreihe soll erweitert werden
Schlepzig „In der Reihe Klassik und Schlemmen wollen wir kommendes Jahr noch mehr Konzerte veranstalten.“ Das ist das Ergebnis der Bilanz, die Anja Römer nach der letzten Veranstaltung dieser Reihe für die Wintersaison zieht.


Mit Tangomelodien gastierte das Duo Amortal im Landgasthof „Zum grünen Strand der Spree“ in Schlepzig beim letzten Teil der Veranstaltungsreihe „Klassik und Schlemmen“ in dieser Saison.

Foto: Harald Friedrich
„Wir haben fast bei jedem Konzert noch Stühle dazustellen müssen und saßen schon dicht an dicht“, beschreibt Anja Römer vom veranstaltenden Landgasthof „Zum grünen Strand der Spree“ in Schlepzig das vorläufige Ergebnis. „Extrem gut besucht“ seien nicht nur die Klassik-Konzerte gewesen, sondern auch die der Reihe „Jazz und Buffet“, die immer abwechselnd miteinander stattfinden. Mit der Tango-Veranstaltung, bei der am Samstag klassische Werke von Astor Piazolla zu hören waren, ging „Klassik und Schlemmen“ in die Sommerpause.

„Ganz toll“ sei der Wilhelm-Busch-Abend gewesen, zählt Anja Römer Höhepunkte auf. Genossen hätten viele Gäste ebenso den Chansonabend mit Rainer Roos im Dezember oder die Duette von Sopranistin Konstanze Löwe, Mezzosopranistin Maria-Elisabeth Weiler und deren Begleiter am Flügel Robert Heimann.

Schon jetzt habe sie zahlreiche Signale von Künstlern, die im kommenden Jahr sehr gern wieder in Schlepzig auftreten würden. Aufgrund der guten Resonanz von beiden Seiten werde man in der kommenden Wintersaison vielleicht sogar jede Woche ein Konzert anbieten.

Sie selbst finde es „schön, bei uns zu Hause zu sein und Kultur zu haben“, sagt sie lachend. „Das ist was ganz Tolles.“ Über die Jahre, in denen die Konzertreihen „Klassik und Schlemmen“ und „Jazz und Buffet“ nun angeboten würden, sei sie in die Musik hineingewachsen. „Ich habe viele Einblicke gewonnen“, so Anja Römer. Dass so viele Besucher kämen und auch die Künstler begeistert seien, „spornt mich noch mehr an“. Ingvil Schirling

4.3.2009 Lausitzer Rundschau

Schlepziger entdecken brasilianischen Choro


Schlepzig Ungewöhnlich flotte klassische Melodien sind bei „Klassik und Schlemmen“ im Schlepziger Landgasthof zu hören gewesen. „Wir nehmen heute den meteorologischen Frühlingsanfang etwas vorweg“, stimmte Veranstalterin Anja Römer auf den Abend ein. „Und ich denke, mit brasilianischem Sommer wird uns das auch gut gelingen.“


Foto:
„Quarteto Ideal“ mit „De Ipanema a Copacabana“ – Musik vom Strand und den Kneipen Rios. Was sich zunächst nach einem Arrangement für die Schwesterveranstaltungsreihe „Jazz und Buffet“ anhörte, war doch eine klassische Offerte.

Das Musikerquartett bot brasilianischen Choro, wörtlich übersetzt „das Weinen“. Er ist eine der höchst entwickelten Gattungen der instrumentalen populären Musik Brasiliens. In den 1920er Jahren erreichte der Choro seinen ersten Höhepunkt und Ernesto Nazareth (1863–1934) war bestimmt der originellste Komponist dieser Zeit.

Die modischen Tänze dieser Zeit wie Polka, Walzer, Tango, Habanera oder Schottisch werden dabei mit einem eigenen brasilianischen Akzent interpretiert. „Choro ist weniger für die Massen konzipiert, als kammermusikalisch geprägt“, verriet Flötist Marcos Mesquita. „Seine Markenzeichen sind das hohe technische Können sowie die Virtuosität und heitere Gelassenheit der Musiker, die sich spontan zu einer zwanglosen Choro-Runde auf öffentlichen Plätzen oder in Lokalen zusammenfinden.“

Erhard Schwartz überraschte das Publikum im Landgasthof „Zum grünen Strand der Spree“ mit einer Ophicleide, ein aus Saxophon und Horn kombiniertes Holzblasinstrument. Katja Höllein rückte die Percussion deutlich stärker in den Vordergrund, als von europäischen Kompositionen gewöhnt.

André Bayer spielte auf einer siebensaitigen Gitarre. „In Brasilien sind die recht normal. Bei uns eine zu finden, ist nahezu unmöglich“, berichtete er. „Aber ich konnte in Bayern einen Instrumentenbauer aufspüren, der diese hier für mich angefertigt hat.“

Nach der eineinhalbstündigen musikalischen Reise, von der „Der Spatz im Maismehl“ allen Zuhörern unvergessen bleiben dürfte, knüpfte die Landgasthof-Chefköchin mit ihrem Menü an das brasilianische Reiseziel an.

„Ich wurde nicht nur von der Musik, sondern auch von diesem wunderbaren, angemessenen Ambiente überrascht“, staunte Dorothea Wolf. „Damit hatte ich hier auf den Dörfern nicht gerechnet, das überragt die ein oder andere Lübbener Lokalität bei Weitem.“

„Man hat gesehen und gehört, dass auch die Musiker an den Stücken trotz ihres Anspruchs großen Spaß hatten“, sagte Dr. Bernhard Lauge. „Da es mir auch beim Schlemmen ähnlich ging, bin ich bestimmt beim nächsten Mal wieder dabei.“
Von Jens Golombek

Spreewälder Schlittschuh-Paradies

Über zehntausend Besucher auf den Fließen und der Spree am Wochenende unterwegs

Von Frank Selbitz

Spreewald. Weit über 10 000 Schlittschuhläufer und Fußgänger waren an beiden Tagen des Wochenendes auf den zugefroren Fließen der Spree in Schlepzig (Unterspreewald) und der Kreisstadt Lübben, sowie zwischen Lübbenau, Lehde und Leipe (Oberspreewald) unterwegs. Hochbetrieb herrschte an den zahlreichen Glühwein- und Bratwurstständen, die oftmals direkt auf dem zugefrorenen Eis standen.

Von einer „zusätzlichen touristischen Wintersaison, die uns das eiskalte Wetter der letzten Tage beschert hat“, sprach der Schlepziger Gastronom Torsten Römer vom Hotel „Zum grünen Strand der Spree“. Hier, wie überall im Spreewald, waren die Gastronomen auf den Besucheransturm, der aus Brandenburg, Berlin und Sachsen kam, bestens vorbereitet. „Wir haben extra drei Tage Urlaub genommen, um die einmalige Lagunenlandschaft im Winter zu genießen“, so Ines und Peter Kremtz aus Wilthen (Sachsen). „Ein wahres Spreewälder Schlittschuh-Paradies“ betonten beide, die bereits seit Mitte der letzten Woche die Stille und Einsamkeit erlebten.

Damit war es aber seit Samstagvormittag vorbei. Wie in der „Rushhour“ in den Großstädten kam es zwischen dem Lübbenauer Hafen und dem Spreewalddorf Lehde zu einem „Schlittschuhläufer-Stau“. Ob mit Schlittschuhen oder nur zu Fuß, mit Kinderwagen oder mit Opa auf dem traditionellen Stossschlitten, „Teile des Spreewaldes glichen einer belebten großstädtischen Einkaufsmeile“, so Frank Krüger vom „Cafe Venedig“ in Lehde. Der Strom der Menschen wollte weder am Samstag, als noch Hochnebel über dem Spreewald lag, noch am Sonntag, bei strahlendem Sonnenschein, abreißen.

„Wer Schlittschuhlaufen wollte, musste ein Stück weiter fahren“, so der gebürtige Streganzer (Landkreis Dahme-Spreewald) Uwe Schwede, der mit Ehefrau Marita und Sohn Paul, sowie Freunden unterwegs war. Blickfang der lustigen Truppe war jedoch Opa Harald, der im Stossschlitten saß und so zum beliebten Fotomotiv wurde. „Sogar für den Rundfunk Berlin-Brandenburg (RBB) musste Opa lächeln und winken“, freute sich Enkel Paul. „Die Eisverhältnisse sind für eine Natureisbahn ideal“, zeigte sich Uwe Schwede nach der Sechs-Stunden-Tour zufrieden.

„Trotzdem müssen wir immer wieder zur Vorsicht mahnen“, betonte Hauptwachmeister Reinhard Biela von der Wasserschutzpolizei in Lübbenau, der mit seinen Kollegen am Wochenende verstärkt auf Patrouille, natürlich auf Schlittschuhen, war. „Viele Besucher waren sehr vernünftig“, so Biela, der den wenigen Übermütigen mit der Spreewälder „Pieke“ die Eisdicke zeigte. 25 Zentimeter betrug diese im Spreewalddorf Leipe, wo Willi Rogatz „wie in früheren Zeiten das Eisloch zum Wasser holen oder im Ernstfall für die Feuerwehr“ offen hielt. „Auch die kleinen Traditionen müssen bewahrt werden“, betonte der Rentner, während die Jugend nur wenige Häuser weiter die des „Zampern“ pflegte. Mit Kapelle zog sie von Haus zu Haus, „um Eier, Speck und einige Taler für die `Pinke` zu sammeln und sich mit einem Tänzchen zu bedanken“, erklärte die Spreewälderin Gisela Christl den neugierigen Gästen, die einen zusätzlichen Stopp einlegten.

„Dass der Spreewald auch im Winter so schön sein kann, war uns bisher noch nicht bewusst.“ Sebastian, Robert und Stefan aus der Gruppe Jugendlicher riefen es im Vorbeigleiten zu und verschwanden im Pulk des Besucherstroms. „Das Pflänzchen Tourismus im Winter im Spreewald war zu voller Pracht am Wochenende erblüht“ freute sich nicht nur der Schlepziger Torsten Römer als der Nachtwächter im Unterspreewalddorf im Vollmondschein wie einst die nächtlichen Stunden ausrief.

Als über dem Spreewald 10 000 Sterne zusätzlich strahlten

Schlepzig startet mit großem Silvesterfeuerwerk in den Neujahrsmorgen

Von Frank Selbitz

Schlepzig. Sternenklarer Himmel, von dem tausende Sterne blinken, herrscht über dem Spreewald. Die Sektgläser stehen gefüllt neben dem wärmenden Feuer des Feuerkorbs am Schlepziger Brauhaus. In der Wärme werden die letzten Sekunden bis zum Start ins Neue Jahr gezählt und dann erstrahlen 10 000 Sterne zusätzlich beim großen Silvesterfeuerwerk des Gasthauses „Zum grünen Strand der Spree“.

Im Schlepziger Brauhaus kochten die Sudkessel voller Stimmung über. Nicht weil Braumeister Uwe Zech, der diesmal für das große „Neujahrs-Begrüßungsfeuerwerk“ verantwortlich zeichnete, den Silvestertrunk angesetzt hatte, sondern weil in beiden Etagen der Schlepziger Storch den Schlepziger Hammer schlug. Kein Platz war mehr auf der Tanzfläche, wo DJ „Zimpelsong“ jeden Musikwunsch in der Silvesternacht erfüllte.

Zeit zum Luftholen, gab es kaum, als die „ultimativ letzten Minuten des Jahres 2008“ ausgezählt wurden.

Alle Hände voll zu tun hatte jetzt Paul Görs, der für die große Sekttafel im Freien verantwortlich war. Nicht nur die Sektkartons mussten aus dem Weinkeller geholt, sondern auch die Flaschen geöffnet und die Gläser gefüllt werden.

„Der Countdown läuft“, das galt auch im Saal und Gastraum „Zum grünen Strand der Spree“, wo in gediegener Atmosphäre bei Foxtrott und langsamen Walzer, saubere Schrittkombinationen auf dem Parkett gezeigt werden. „Die stürmischen Jahre sind vorbei“ war da zu hören, „die Jugend ist im Brauhaus“. Doch dort tobte diese und sang „Wir sind alle über 40“ aus vollen Kehlen mit.

Zwei Partys, zwei (Alters)welten und überall tolle, ausgelassene Stimmung, die um Mitternacht beim Feuerwerk im Freien verschmolz, als 10 000 Sterne zusätzlich über dem Unterspreewald strahlten.

Pauline und Mutter, Tanten.

 
alte englische Landschweinrasse, mit Biozertifikat
"work in progress and preliminary results": unsere Antwort auf Tütenschinken

Schlachtebuffet im Brauhaus am Wochenende

Unter dem Motto: "Nie wieder Wasserschwein" schlachten wir ein Bioschwein und essen es auf.

 

 

 

Brando

 

 

Ein Tag mit den Schlepziger Brau- und Brennmeistern / RUNDSCHAU-Serie Teil IV

Per Zufall auf den Whisky gekommen

Eichenfass auf Eichenfass stapelt sich in einem Lagerraum in Schlepzig (Dahme-Spreewald). Dort ruht er, der Spreewälder Whisky namens Sloupisti. Doch bevor der Hochprozentige so manche trockene Kehle netzen darf, braucht es vor allem eins: Zeit. Mindestens drei Jahre muss er in den Fässern reifen. Geduld und Zeit brauchen auch Brennmeister Jens Richter und Brauer Uwe Zech, die den Sloupisti im Landgasthof «Zum grünen Strand der Spree» herstellen. Dabei sind beide eher zufällig in dieses Handwerk hineingerutscht.

Foto: D. Schülbe
Prüfender Blick: Brauer Uwe Zech (l.) und Brennmeister Jens Richter begutachten im Schlepziger Gasthof das frisch gewonnene Destillat.
«Ich musste damals ab und zu die Kessel reparieren und lernte so automatisch etwas darüber.»«Ich bin wahrlich kein Experte. Ich kann die vielen Sorten nicht an ihrem Geschmack unterscheiden.»
Uwe Zech, Braumeister Jens Richter, Brennmeister

Es ist früh am Morgen im Schlepziger Gasthof. Whisky-Braumeister Uwe Zech schlurft zu seinem Arbeitsplatz. Vorbei an dem noch kalten steinernen Backofen für frisches Brot, vorbei an der unbesetzten hölzernen Theke mit den vielen Flaschen Selbstgebranntem erklimmt er eine kleine steile Stiege im Restaurant. Sie führt zur Galerie. Dort steht der 46-Jährige die Hälfte des Tages an der Maischepfanne. Ein Kessel, indem Wasser und Malz gemischt werden. Der Mann mit der grünen Latzhose ist zuständig für die Basis des Whiskys – die Maische, die anschließend zu Alkohol vergoren wird.
In Schlepzig stellen Uwe Zech und sein Kollege Jens Richter einen Single-Malt her. So heißt ein Whisky, der in einer einzigen Destillerie gebrannt wird. Im Dezember 2007 verkosteten Zech und Richter den ersten Schluck des Schlepziger Whiskys, der seither auf der Getränkekarte des Restaurants steht.
An diesem Sommertag hat die Sonne das Gebälk des Gasthofes noch nicht erwärmt. Heiß wird es trotzdem gleich. Uwe Zech drückt ein paar grüne und rote Knöpfe auf einem Schaltpult. Während die Temperatur in den trichterförmigen Kupferpfannen kontinuierlich steigt, wie die digitale Anzeige am Schaltpult verrät, befüllt er eine der beiden mit Wasser. 900 Liter werden es insgesamt sein, wenn die Pfanne voll ist. Am oberen Ende des Bottichs ist ein langes Rohr befestigt. Bis unter die Decke des Gasthofes führt dieses. Es ist jedoch nur eine Attrappe, wie Uwe Zech sagt, die dem Raum mehr Flair geben soll. In großen Brauereien, erklärt der 46-Jährige mit den grau-melierten Haaren, werde über solche Rohre das Malz in die Maischepfanne gefüllt. Aber in Schlepzig sei noch alles Handarbeit, sagt Zech und schnappt sich einen der weißen Malz-Säcke.
Der Brauprozess scheint etwas für Mathematiker zu sein. Die Temperatur: genau 62 Grad Celsius. Die Malzmenge: exakt 275 Kilogramm. Und die Ruhezeit: keine Sekunde weniger als 20 Minuten. Die erste Rast nennt der Braumeister diesen Ruheprozess. Die zweite Rast bei 72 Grad dauert noch einmal 45 Minuten. Währenddessen wird die Masse in ihre Bestandteile getrennt. Es entsteht eine Zuckerlösung, die Vorderwürze.
Dass er einmal Vorderwürze herstellen würde, hätte Uwe Zech nie gedacht. Der gelernte Schlosser kam vor zehn Jahren an den Schlepziger Gasthof – als Hausmeister. «Ich musste damals ab und zu die Kessel reparieren» , sagt er und poliert dabei einen der kupfernen Behälter auf Hochglanz, «und lernte so automatisch etwas darüber.» Als der alte Braumeister in Rente ging, übernahm Zech den Job. «Ich habe eine Menge von ihm gelernt und mir zudem sehr viel angelesen.» Trotzdem sei die Anfangsphase schwierig, manch anderer Braumeister skeptisch gewesen. Inzwischen sind Zech und seine Arbeit aber längst anerkannt.
Derweil macht sich der Brennmeister Jens Richter ans Werk. Richter, größer und 24 Jahre jünger als Zech, ist der Ruhigere von beiden. Er ist für die Destille zuständig. Im Vergleich zu den riesigen Maischepfannen wirkt sie fast ein wenig unscheinbar. Samt Kessel, Auffangvorrichtung und den vielen Rohren steht die Destille auf einem Backsteinsockel im oberen Gästeraum des Restaurants. Dort verbrennt Richter die vergorene Maische. Und dort ist fein säuberlich Holz gestapelt. Jens Richter nimmt einige Holzscheite. «Davon geht beim Brennen eine Menge drauf» , sagt er und wirft das Holz ins lodernde Feuer unter dem bauchigen Bottich der Destille. Das Wasser darin sprudelt bereits. Zeit für die Maische. Der 22-Jährige rollt eine blaue Tonne zu dem Apparat. Darin wurde Uwe Zechs Maische eine Woche lang gelagert. Bei diesem Prozess wird der Malzzucker zu Alkohol und Kohlendioxid (CO 2 ) vergoren. Durch ein Gärröhrchen, das am Deckel der Tonne angebracht ist, kann das CO 2 entweichen. Sauerstoff kann in die luftdicht abgeschlossen Behälter aber nicht eindringen.
Mit einer überdimensionalen Kelle, über die sich jeder Märchenriese freuen würde, schöpft Richter die gelbliche Brühe in den Kessel. Es riecht süßlich und nach abgestandenem Bier. Die Luft ist warm und feucht. Der Brennmeister nimmt sein Basecap ab und wischt sich den Schweiß von der Stirn.
Obwohl er tagtäglich damit zu tun hat, ist Jens Richter kein Whisky-Fan. Ab und zu probieren, das ist schon drin. «Aber ich bin wahrlich kein Experte. Ich kann die vielen Sorten nicht an ihrem Geschmack unterscheiden.» Auch wenn er privat noch nicht auf den Geschmack gekommen ist, möchte er einmal nach Irland fahren und von Destillerie zu Destillerie reisen. Einfach aus Neugier. Schon weil dort der Whisky nicht über Holz, sondern über Torf gebrannt wird. Irland gilt neben Schottland als Ursprung der Whiskyherstellung.
Im Gegensatz zu seinem jüngeren Kollegen war Uwe Zech bereits mehrmals in Irland, hat dort auch Verwandte und nahm schon an einer Verkostung in Bushmills, einer der ältesten Brennereien des Landes teil. «So viele Whiskyfässer wie dort habe ich noch nie gesehen. Die haben sogar eine eigene Böttcherei, die diese herstellt» , ruft er seinem jüngeren Kollegen Richter zu. Der Braumeister öffnet die Luke der Maischepfanne. Der Brei darin ist inzwischen dickflüssig geworden. Jetzt geht es ans Filtern der Masse, dem Läutern. «Zudem wird die Vorderwürze durch zwei Aufgüsse verdünnt. So erhalten wir die Stammwürze mit einem Zuckergehalt von bis zu 13 Prozent.»
Dazu füllt Uwe Zech auch in den zweiten Bottich Wasser. Wieder betätigt er einige Knöpfe an dem Schaltpult, und automatisch wird die Masse von dem einen in den anderen Bottich gepumpt. Im unteren Teil des Behälters ist eine Art Sieb angebracht. Dort setzt sich nach und nach das Malz ab, während die flüssige Zuckerlösung nach unten läuft. Wieder heißt es warten, zehn Minuten ganz genau. «Es gibt Phasen, da ist das einfach so» , sagt Zech und wendet sich erneut dem Polieren der Kessel zu.
In der Maischepfanne beginnt unterdessen der Umwälzprozess. Immer wieder wird die flüssige Masse vom unteren Rand des Bottichs nach oben gepumpt, um auch noch die kleinsten Malzbestandteile herauszufiltern. Wie weit der Prozess ist, überprüft Zech mit einem Kontrollröhrchen, das außen am Bottich angebracht ist. Dann nimmt er eine Probe und misst den Zuckergehalt. Wenn der stimmt, pumpt er die Maische nach unten in den Keller, wo sie abkühlt und schließlich in die blauen Gärtonnen verfrachtet wird.
Jens Richter hat es sich inzwischen bequem gemacht. Rücklings sitzt er auf einem Stuhl, das Kinn auf seine Hand gestützt, das Basecap tief ins Gesicht gezogen. Er starrt gebannt auf die Destille. «Wenn unsere Gäste mich manchmal hier sitzen sehen, müssen die auch denken, ich habe einen Knall» , sagt er und lacht. Der 22-Jährige hat genau wie Uwe Zech sein Handwerk nicht von der Pike auf gelernt. Als Kochlehrling kam er an den Schlepziger Gasthof und von dort zum Brennen. Vom Essen zu den Getränken. Manchmal, sagt er, vermisse er das Kochen schon. «Aber das kann ich ja auch zu Hause.»
Allmählich löst sich der Alkohol von der kochenden Masse im Bottich der Destille und steigt gasförmig in einem Rohr nach oben. Bei exakt 78,3 Grad steigt dann der genießbare, reine Alkohol, das Ethanol, auf. Bis zu anderthalb Stunden können bis dahin vergehen. Genau auf diesen Moment wartet Jens Richter auf seinem Stuhl.
Sobald der Dampf über ein weiteres waagerechtes Rohr in den linken Teil der Destille geströmt ist, schaltet der Brennmeister den Kühler an. So wird der Alkohol wieder verflüssigt. Tropfen für Tropfen sammelt er sich in einem kleinen Kännchen. Minuten verstreichen, bis aus den kleinen Tröpfchen ein ergiebiger Strahl wird. Dann geht alles ganz schnell. Mit einem lauten Poltern kündigt sich die erste Ladung an. Jens Richter nimmt einen Kolben, hält ihn unter das Ausflussrohr. Plätschernd ergießt sich die Flüssigkeit in den Kolben. Richter schüttelt das Gefäß, riecht an der Flüssigkeit – ein stechender Geruch. Ein klares Zeichen für das gesundheitsschädigende Methanol, das bei Genuss sogar zur Erblindung führen kann. «Das nennen wir Vorlauf. Meist sind das drei bis vier Kolben, bevor der Mittellauf, das Ethanol kommt.» Und tatsächlich: Nach vier Kolben ist der stechende Geruch verschwunden, die Flüssigkeit schmeckt weich und ein wenig nach Malz. Richter und Zech haben es geschafft, für Brenn- und Braumeister ist die Arbeit beendet. Für den Whisky allerdings ist das erst der Anfang. Denn der lagert jetzt in den Eichenfässern – für drei lange Jahre.

von Dana Schülbe



25.4.2008 Lausitzer Rundschau

Brauerei macht auf Tag des Bieres aufmerksam

Schlepziger Bier wird beim Gurkentag ausgeschenkt

Schlepzig. Die Schlepziger Brauerei wird das „10. Gurkentagsbier“ für die sommerliche Großveranstaltung in Golßen brauen. Das erfuhren Braumeister Uwe Zech und Torsten Römer von der Spreewälder Privatbrauerei vorgestern am Tag des Bieres.

Foto: Jens Golombek
Gelernt ist gelernt: Wo so mancher Würdenträger den Gerstensaft in großen Fontänen vergeudet, brauchte Braumeister Uwe Zech mit dem Holzhammer genau zwei sichere Schläge, um das Weißbierfass ohne einen einzigen Tropfen Verlust anzustechen.


„Das ist für uns natürlich eine große Ehre“, sagte Römer erfreut.
Den Tag des Bieres nutzte die kleine Brauerei, um ihre Sorten vorzustellen, über die Herstellung zu informieren und mit ihren Gästen den Beginn der Biergartensaison zu feiern. „Wie das Bier gelungen ist, müssen natürlich die Leute entscheiden, aber ich bin mit meiner Arbeit sehr zufrieden“, sagte Braumeister Uwe Zech, auch wenn es etwas dunkler geworden sei als von den Experten gefordert.
Die Hefe für das Spreewälder Weißbier komme aus der Wieninger Brauerei in Berchtesgaden. „Dieser Hefestamm ist einfach grandios“, lobt Uwe Zech die Bayrische Importware. „Dazu das Schlepziger Wasser und nur wenig Hopfen, das ist im Grunde schon fast das Erfolgsrezept. Aber das Allerwichtigste war und ist eine große Portion Liebe.“ Die Gärführung sei wunderbar verlaufen, weswegen man sie recht früh abgebrochen habe, um Süße und Fruchtigkeit zu erhalten.
Von dieser Hopfensorte würden bereits kleinste Mengen reichen, wohinter nicht allein der Spargedanke stecke: „Wir wollen ja auch nicht, dass der Hopfen unsere Spreewaldgäste müde macht“, so Torsten Römer von der Brauerei. Gattin Anja Römer fügte sofort an: „Mein Mann spricht da von zahlreichen Selbstversuchen.“
15 Hektoliter Weißbier werden über den Sommer verteilt gebraut. „Dieses Weizen schmeckt einfach richtig gut“, sagte René Zoeke. „Ich trinke so etwas eigentlich sehr selten, aber vielleicht könnte sich das in dieser Saison nachhaltig ändern.“
„Es schmeckt nach Sommer“, so Jeannine Falk, von den ersten Mücken des Sommers umschwärmt. „Mein Kompliment an den Künstler. Leider müssen wir mit unserer Radlergruppe schon bald weiter, aber die nächste Tour wird um diesen Stopp hier auch nicht herumkommen.“ (jgk)
# Am Tag des Deutschen Bieres wird seit 1994 von den deutschen Bierbrauern der Erlass des bayerischen Reinheitsgebots im Jahre 1516 gefeiert. Die damaligen Brauer nahmen so ziemlich alles zu Hilfe, was ihren Tränken Farbe, Haltbarkeit und berauschende Wirkung verlieh. Kräuter waren ebenso zu finden wie Ruß zur Färbung des Dunkelbiers. Kreidemehl sollte sauer gewordenes Bier wieder trinkbar machen. Stechäpfel und Fliegenpilze sorgten für interessante „Nebenwirkungen“.

Jens Golombek

 

 

 

9.4.2008 Lausitzer Rundschau

Künstler kommen gern wieder / Saisonabschluss für Jazz und Klassik

Warteliste für Auftritte in Schlepzig

Schlepzig. „Es ist einfach eine tolle Saison gewesen mit just good music“, schätzt Veranstalter Dr. Torsten Römer die neunte Auflage der Veranstaltungsreihe von „Jazz & Buffet“ ein, die nun im Schlepziger Brauhaus beendet wurde.

Foto: Jens Golombek
Gute handgemachte Musik, etwas zum Anfeuchten der Kehle, familiäre Atmosphäre – das ist es, was Musiker wie die von der Band «Jazz-Family» und das Publikum an den Veranstaltungen in Schlepzig schätzen.
Eine Woche vorher hatte es zum letzten Mal „Klassik & Schlemmen“ 2007/08 im benachbarten Landgasthof gegeben.
Ganz bewusst habe man sich den Winter als Spielzeit ausgesucht. „Kulturelle und gastronomische Ereignisse sind sehr selten, fast überall sind die Schotten dicht für Einheimische und Wintergäste“, so Torsten Römer. Was die Veranstaltungsreihen in Schlepzig betrifft, „hat sich alles schön entwickelt“, fügte Anja Römer an. „Es ist schön, wenn die Künstler wiederkommen, wie in einer großen Familie. Wir wachsen, wie die Musiker auch. Obwohl sie stets besser werden, finden sie immer den Weg in den Spreewald.“
Als besondere Höhepunkte der jüngsten Saison seien Römers die Entdeckung von Schlagzeuger Christian Lillinger mit seiner Band Spoom und die Auftritte von Lily Dahab und Ron Spielman in Erinnerung. Insgesamt seien alle Erwartungen an die Künstler von diesen erfüllt worden. Vor allem sie, aber auch die Gäste würden sich über die gute Luft im Brauhaus freuen, das seit dem Jahreswechsel frei von Tabakrauch ist. „Das klappte sang- und klanglos“, berichtete Torsten Römer. Rund 150 Plätze stehen zur Verfügung, es bleibe also immer intim, um die Musik zu genießen.
„Wir würden am liebsten viel mehr machen, aber auf jeden Fall wie bisher unplugged und elektronikfrei“, sagte Torsten Römer. „Vielleicht machen wir das ja auch“, fügte schmunzelnd Gattin Anja an. „Dann sind aber auch die Leute wieder am Zug zu kommen.“ Man müsse zudem sehen, dass die Kosten wieder hereinkommen. Das Eintrittsgeld gehe in voller Höhe an die Musiker. „Das ist aber eher eine kleine Aufwandsentschädigung, denn eine echte Gage könnten wir gar nicht zahlen.“
Auf alle Fälle wollen Römers weitermachen „mit guter Musik und guter Stimmung“. Das Programm für nächste Saison sei fertig, mittlerweile gebe es sogar schon eine Warteliste. Neben Garanten für gute Konzerte würden die Veranstalter erneut «viel frisches Blut» wagen wollen.
„Um die lange Wartezeit bis zum Start der Jubiläumssaison am 25. Oktober zu überbrücken, wird ein All-Star-Treffen Anfang Juli die Abstinenz lindern“, verspricht Torsten Römer. „Wir wollen unsere Musiker auch mal braungebrannt sehen und haben wirklich viele runde Sachen zu zelebrieren. Die Brennerei wird fünf Jahre, die Brauerei zehn. Der Landgasthof sowie ,Klassik und Schlemmen’ feiern ihr 15-jähriges Bestehen. Und 220 Jahre Brenn-, Brau- und Schankrecht in Schlepzig wollen auch gewürdigt werden“, zählt Römer die Jubiläen auf. (jgk)

Jens Golombek

 


Osterfeuer locken trotz Sprühregen allerorts ins Freie

Von Frank Selbitz

Region. Glutrot erleuchtet war der Himmel über dem Spreewald, als am Gründonnerstag und Samstag vor Ostern in vielen Spreewalddörfern die Osterfeuer loderten. Von Neuendorf bis Schlepzig, von der Lübbener „Three Oak Ranch“ bis Caminchen, zog es trotz langanhaltenden Sprühregens die Spreewälder und ihre Gäste an die Osterfeuer.

„Petrus scheint es mit uns nicht gut zu meinen“, stöhnte Lübbens stellvertretender Stadtbrandmeister am Samstagabend, als die Kameraden der Lübbener Wehr ihr traditionelles Osterfeuer entzündeten. Im letzten Jahr mussten wir das Osterfeuer wegen Trockenheit und der damit verbundenen Waldbrandgefahr kurzfristig absagen und diesmal versinken wir fast im aufgeweichten Boden.

Doch trotz des den gesamten Tag anhaltenden Sprühregens lockte das diesjährige Osterfeuer auf der Lübbener „Three Oak Ranch“ wieder über tausend Lübbener. „Zeit zum Quatschen“, nannte Annett Meier die Freude auf das Feuer und viele andere, die in diesem Jahr aufgrund des ungemütlichen Wetters näher an die Flammen gerückt waren, sahen es ähnlich.

Schon beim freien Blick auf Schlepzig hinter dem Börnichener Forst sah man die dicken Rauchschwaden des Osterfeuers in der Unterspreewaldgemeinde in den Himmel steigen, während das Rot der Flammen zu den Wolken züngelte. Der Weidendom „Arena Salix“ gab die mystische Kulisse für das Osterfeuer hinter der Spreewälder Brauerei. Über einhundert Hotelgäste und Schlepziger hatten sich auf die aufgeweichte Wiese gewagt und genossen das Lodern der Flammen bei Live-Musik von „Ecki & Bertianern“. Der zweijährige Simon, der erstmals mit Mutti gemeinsam am Feuer stand, war ganz aufgergt und rief lauthals: „Mutti, es brennt“. Schmunzelnd nahmen es Anja und Torsten Römer zur Kenntnis und freuten sich über die lobenden Worte betreffs der lockeren und ungezwungenen Atmosphäre bei Glühwein und Osterwasser.

Passend gekleidet waren auch in Schlepzig die Besucher des Osterfeuers in wetterfester Kleidung, mit Schlapphut und Gummistiefeln, wobei Burkhard Henschelchen mit der Bemerkung, „ob hier die Vorbereitungen für einen nächtlichen Angelausflug laufen“ die Lacher auf seiner Seite hatte. Doch nicht zum Angelausflug, sondern ins Brauhaus zog schließlich die Schar der Zuschauer unter den Klängen von „Go matching in“ in einer Polonaise hinter den Musikern ins Trockene.

Glücklicher schätzten sich die Veranstalter der Osterfeuer am Gründonnerstag. Obwohl auch ihr Blick stets zum Himmel ging, hielt Petrus die Himmelstüren geschlossen und sogar der Vollmond blinzelte manchmal verstohlen durch die Wolkenlücken hindurch. In Steinkirchen an der alten Jägerbadeanstalt traf man sich um bis in die frühen Morgenstunden zusammen zu sitzen. Aber auch am Lübbener Ortsausgang der verlängerten Feldstraße loderte das Osterfeuer. „Eigentlich ist es immer angenehm, wenn man zu Ostern erstmals nach den langen Winterabenden gemeinsam mit den Nachbarn am Feuer sitzt“, meinte Sandy Miras, „doch diesmal war der Winter kein Winter und dafür muss man sich zum Osterfeuer warm anziehen“. Doch die Lübbener Boutique-Besitzerin und ihren Ehemann Heiko hielt das Wetter, wie auch viele andere Gäste, nicht davon ab, bis in die Morgenstunden am Osterfeuer zu sitzen.

„Klein, aber fein“, so Neuendorfs Ortsbürgermeister Hartmut Wedekind. „Schließlich haben wir nur 191 Einwohner und entsprechend muss das Osterfeuer auch kleiner ausfallen“, ist Wedekind überzeugt. Dass dies aber nichts mit der Gemütlichkeit zu tun hat, ergänzt seine Ehefrau. „Wir feiern in Neuendorf etwas anders als in Lübben“, ergänzt sie, während sie die Wärme des Feuers an der Lübbener „Three Oak Ranch“ auch am Samstag vor Ostern genießt und mit Bekannten und Freunden bei einem Becher Glühewein die Vorosterzeit ausklingen läßt.

 

 

12.01.2008 Lausitzer Rundschau

Eselskarren wird in Schlepzig aufgebaut

 

Foto: I. Schirling
Franz Jähne und Hubert Michlbauen den Eselskarren auf, der den Ortseingang von Schlepzig aus Richtung Lübben ziert. Seit Donnerstag steht die Spielskulptur, die Jürgen Bergmann von der Firma «Künstlerische Holzgestaltung» entworfen hat. Diese ist vor allem für den Freizeitpark Einsiedel bei Niesky tätig. Der Eselskarren, den sich die Schlepziger mit Hilfe von Fördermitteln leisten, ist begeh- und bespielbar, die Mehlsäcke, die auf ihm liegen, können von Kindern erklettert werden. Die Idee ist Teil eines Konzepts, nach dem in Schlepzig viele solcher interessanter Anlaufpunkte vorgesehen wären. Ob es umgesetzt wird, ist noch offen.

 

 

 

7.01.2008 Lausitzer Rundschau

Argentinierin verwöhnt mit Gesang und Ausstrahlung Konzertgäste und -veranstalter

Lily Dahab begeistert Schlepziger Publikum

Schlepzig. Während im Erdgeschoss des Schlepziger Brauhauses das Buffet die Gaumen erfreute, verwöhnte direkt darüber Lily Dahab im Rahmen der winterlichen „Jazz & Buffet“-Reihe Ohren und Seele zahlreicher Musikfreunde.

 

Foto: Jens Golombek
Das Konzert von Lily Dahab empfand Veranstalterin Anja Römer «wie zwei Stunden Urlaub» . Ihre Begeisterung über die Sängerin teilte sie mit dem Schlepziger Publikum im Brauhaus.
Die Jazzmusikerin spielte schon gemeinsam mit Yvonne Catterfeld, Phil Collins, Freundeskreis, Udo Lindenberg. Am Sonnabend ließ sie im Schlepziger Brauhaus, unterstützt von ihrer neuen eigenen Band, ihre Stimme strahlen.
Lily Dahab wurde in Argentinien in Buenos Aires geboren. Neben Jazz und Pop hat sie spätestens nach dem Studium von Musik und Gesang auch noch Bossa Nova, Bolero und Tango im künstlerischen Repertoire. An der Seite von Madonna fand Lily Dahab mit dem Kinofilm «Evita» den Weg aus Südamerika heraus. Hauptrollen in Broadway-Musicals brachten sie ebenso wie Engagements auf Kreuzfahrtschiffen nach Europa.
Seit November lebt die Südamerikanerin in Berlin. Obwohl ihr Sprachkurs erst im Februar beginnt, klappt die Verständigung mit dem Pianisten Bene Aperdannier, Bassist Andreas Henze und Topo Gioia (Percussion) offensichtlich hervorragend. Stücke mit veränderter Tempi sorgten wie Instrumentalsoli für im Schlepziger Brauhaus ungewöhnlich kräftigen Applaus.
Inhaber Dr. Torsten Römer schwärmte von Stimmorgan und Ausstrahlung der Sängerin. „Und das vor allem nahezu unplugged, wir sind ja schließlich kein Elektroschuppen“, war er begeistert.
„Ich bin wunschlos glücklich“, sagte strahlend Ernst Lamping. „Erst anständig und geschmackvoll satt geworden, jetzt diese unglaubliche Vorstellung.“ Obwohl dann für die Kulturreihe ein Stammgast verloren ginge, könne er sich durchaus vorstellen, „mit Lily Dahab bis nach Südamerika zu tanzen“.
„Ich bin sehr stolz, diese phantastischen Musiker zu haben“, bedankte sich Lily Dahab bei ihren Künstlern. „Wir haben gestern zum allerersten Mal geprobt. Dass es heute schon so gut geklappt hat, ist ein göttliches Zeichen.“
„Die Anfahrt aus Lübben hat sich auf jeden Fall gelohnt“, sagte Simone Reusch. „Früher sind die Leute ja immer für die Kultur in die Stadt gekommen. Aber diese Klassik- und Jazz-Geschichten hier in Schlepzig dürften dies langsam aber sicher umkehren.“ „Das war wie zwei Stunden Urlaub“, fügte Anja Römer schwärmend an.
Den Höhepunkt der Saison sehen die Römers im Abend mit New Orleans und Dixieland von der „Jazz Family“ am 16. Februar. „Da kommen 400 Jahre geballte Jazz-Kompetenz auf uns zu“, freut sich Gastwirt Römer schon seit langem. „Aber auch die 20 Dudelsackspieler und Trommler von ,Pipes & Drums’ sind Anfang März auf jeden Fall einen Besuch wert.“ Bereits am 19. Januar wartet erstklassiger Jazz von und mit Björn Missal auf die Spreewälder. (jgk)

Jens Golombek

 

 

 

Nicht verpassen:

Das Erste | Sonntag, 13.01.2008 | 13:45 Uhr
Bilderbuch: Der Spreewald
RBB (Stern.) | Länge: 45 Minuten

StereoBreitbild
Film von Maren Niemeyer

100 Kilometer südöstlich von Berlin erstreckt sich auf etwa 480 Quadratkilometern eine in Mitteleuropa einmalige Kulturlandschaft. Fast 1.000 Kilometer Fließe mit Feldern und Wiesen formen ein harmonisches Binnendelta. Weil dem Teufel die Ochsen durchgingen und sie tiefe Furchen zogen, sei dieses dichte Wassernetz entstanden. Tatsächlich ist der Spreewald das Ergebnis der letzten Eiszeit, die die Spree in viele dünne Wasserläufe teilte. Die beliebteste Brandenburger Region wird jährlich von 2,5 Millionen Touristen heimgesucht, die sich in randvollen Kähnen durch die Kanäle staken lassen, Gurken kosten und sorbische Bräuche bewundern. Nobelherbergen wie die mehrfach ausgezeichnete „Bleiche" sind entstanden, um dem Ansturm auch in oberen Preisklassen gerecht zu werden.
Doch das „ländliche Venedig" Brandenburgs ist eine fragile Idylle. Die intensive Landwirtschaft zurückliegender Jahrzehnte hat ein schwieriges Erbe hinterlassen. Das Wiederauffüllen der Grundwasserreserven der Kohletagebaue droht den Wasserzufluss zum Spreewald zu gefährden. Das Wegbrechen großer Wirtschaftszweige wie Kohle- und Textilindustrie hatten eine hohe Arbeitslosigkeit zur Folge, die die private Landwirtschaft und der Tourismusboom nicht auffangen konnten. So kehrten viele junge Leute der Region den Rücken. Aber es siedeln sich - wie im kleinen Dorf Groß Leuthen - auch wieder junge Familien an.
Der Film erzählt von alteingesessenen Familien wie den Grafen zu Lynar, die vor einigen Jahren von Portugal nach Lübbenau umzogen, um das Schloss wieder auf Vordermann zu bringen, Existenzgründern und Ideengebern, wie dem Umwelttechniker Frank Hildebrand, der 2004 für die ökologisch behutsame Wiederherstellung traditioneller Holzhäuser den Brandenburgischen Umweltpreis bekam, oder wie Arvid Boellert, dem Kurator des Kunstfestivals Rohkunstbau.
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29.12.2007 Lausitzer Rundschau

Landgasthof verzeichnet keinen wirtschaftlichen Nachteil

Gute Erfahrungen mit rauchfreier "Zone" in Schlepzig

Schlepzig. Am 1. Januar tritt auch in den gastronomischen Einrichtungen des Spreewalds das Nichtraucherschutzgesetz in Kraft.

Während viele Wirte gravierende Umsatzeinbrüche befürchten, hat ein Schlepziger Unternehmer einen einjährigen Erfahrungs- und Informationsvorsprung: Am Eingang zum Hotel und Restaurant «Zum grünen Strand der Spree» verkündet seit Jahresbeginn 2007 ein kleines Hinweisschild: «Wir sind rauchfreie Zone» .
Inhaber Torsten Römer, ehemaliger Mediziner und seit dem Jahr 2000 kein Raucher mehr, erklärt diese Entscheidung: «Wenn es der Allgemeinheit dienlich ist, warum nicht? Der Aufenthalt bei uns kann dadurch von allen Gästen wirklich genossen werden.» Ihm hätten die Beispiele von Irland und England imponiert. «Dort hat das Verbot so sang- und klanglos geklappt. Die Gemütlichkeit hat nicht gelitten, auch nicht bei uns im Hause.»
Der prognostizierte wirtschaftliche Nachteil sei nicht eingetreten, im Gegenteil: «Was ohne Aschenbecherpflege allein an Arbeitszeit sinnvoll eingesetzt werden kann, ist beachtlich» , so Römer. Der Aufwand beim Waschen der Vorhänge sei geringer geworden, Renovierungszyklen würden sich spürbar verlängern.
Große Probleme habe man wegen des Rauchverbots noch nicht gehabt. «Gelegentlich finden wir ein paar Kippen vor der Tür. Selten kommen leichte blaue Dämpfe aus der Toilette, die hoffentlich den heimlichen Zigaretten zuzuschreiben sind» , berichtet Torsten Römer. Nur zwei Absagen von Rauchern habe der Hotelbetrieb während dieses Jahres verzeichnet. «Die Anderen haben uns in dieser Entscheidung bestärkt.»
«Ich weiß nicht, wie die Einheimischen das sehen. Aber für mich als Erholungssuchender ist das eine prima Sache» , sagt Horst Kahla. «Schon im Frühjahr war ich hier zu Gast, damals stand ich diesem kleinen Schildchen skeptisch gegenüber. Aber beide Kurzurlaube waren auch für mich als Raucher phantastisch.» Das freiwillige Verbot des Gastwirtes habe ihn sogar angespornt, auch außerhalb der Räumlichkeiten der Sucht zu widerstehen – «leider noch ohne nachhaltigen Erfolg» , räumt der Stuttgarter ein. (jgk)

 

 

 

 

Jens Golombek: Lausitzer Rundschau 8.12.2007

Schlepziger Whisky begeistert auch Nichtfachleute bei Präsentation

Nach mehr als drei Jahren Wartezeit wurde "Sloupisti" am Nikolaustag erstmals der breiten Öffentlichkeit vorgestellt. Schnittchen mit Gänseleberpastete, Wildschweinschmalz und Hirschschinken unterbrachen das Schwärmen von kräftigen Fruchtaromen, Rauch- und Torffreiheit oder angenehmen Abgängen
"Wir haben nicht versucht, schottischen Whisky nachzumachen, sondern einen Eigenen zu kreieren. Dass uns das so gut gelungen ist, macht mich stolz auf die Urteile der Fachleute wie Clemens Dillmann", läutete Sloupisti's Vater Dr. Torsten Römer die Erlebnistour "voller luzider Momente" ein.
Schnell begann am frühen Abend das Philosophieren und Fachsimpeln über den optimalen Herstellungsprozess und sein aktuelles Ergebnis.
"Oi-oi, der reicht mir", reagierte einer der Whisky-Entdecker auf den Hinweis, eine auf 40 Vol.% verdünnte und kältefiltrierte Variante zu genießen, die die Aromen aufspreizt und erfahrbar macht. Mit über 63 Vol.% kommt der erste ostdeutsche Whisky aus den großen Weißweinfässern und konnte auch in dieser Konzentration überzeugen.
Bei der Vorführung der Brennanlage während des Rundganges konnten die Gäste, zur geschmacklichen Abwechslung, ihren Finger auch einmal in einen Eimer voller frisch gebrannten Birnendestillat stecken. Bei dieser Gelegenheit zeigte Römer den Whiskeyfreunden auch den "kleinen eingesperrten Zollbeamten, der dafür sorgt, dass wir wirklich für jeden einzelnen Liter gebrannten Alkohols über 13 Euro Steuern zahlen".
"Da gehört aus meiner Sicht vor allem viel Mut dazu, sich an ein so langfristiges Unternehmen wie der Whiskeyproduktion zu wagen", lobte Ernst Lamping aus Schlepzig dessen Ergebnis. "Und sich dann auch noch mit dem Ergebnis der Öffentlichkeit zu stellen. Mir persönlich, da bilde ich keine Ausnahme hier am Tisch, schmeckt er in beiden Stärken einfach Spitze. Ich trinke ihn, bestimmt ab jetzt regelmäßig, sehr sehr gerne." Bei all den schönen Veranstaltungen, Bieren und Obstbränden hätte er von den Römers auch nichts Anderes erwartet.
Der Ragower Hartmut Scherz ließ sich bei der ausgiebigen Verkostung zu einer spontanen Einlage Schlepziger Mundart hinreißen und die edlen Tropfen in beinahe ausgestorbenem Dialekt zu loben. "Da gibt es zwischen Ragow, Neu Zauche oder Schlepzig nur minimale Unterschiede, die kaum auffallen", begründete der "auswärtige" seine von den Eltern erlernten Fähigkeiten.
Die Führung schloss auch, angeführt von einem schottischen Dudelsackspieler, Römers neues Bauprojekt unweit des Brauhauses ein. Dort konnte der als Spirituosenlager und zukünftiger Gastraum umgebaute Stall bewundert werden. "Die angrenzende Scheune ist noch eine Baustelle. Aber dort soll bald ein ´Warehouse´ entstehen, das aber je nach Saison auch einen Spreewaldmarkt und eine Obstverarbeitung überdachen soll." Nicht nur Arbeitnehmer sondern auch die Gebäude müssten heutzutage flexibel sein. Die Zahl der bis zu 30 Arbeitsplätze werde sich zwar nur geringfügig erhöhen, deren Saisonarbeitszeiten jedoch spürbar verlängern. "Auch ein Mehrfamilienhaus mit zwei Läden sollen neben der geplanten Flussbadestelle auf diesem Areal entstehen", fügte Unternehmergattin Anja Römer an die aktuellen Pläne an.

 

Foto: Jens Golombek
Viele Geruchs- und Geschmacksproben musste der Schlepziger Whisky bei seiner Präsentation bestehen. Der «Sloupisti» kam bei allen an.

Fotos: Patrick Pleul

 

 

01.12.2007 Lausitzer Rundschau

Sloupisti – der erste Whisky Ostdeutschlands kommt aus Schlepzig

Hochprozentiges für Genießer aus dem Spreewald

Wenn es für Schotten einen Grund gegeben hat, ihre Insel und damit den dortigen Whisky nicht zu verlassen, zählt dieser nicht mehr. «Der erste Whisky Ostdeutschlands kommt aus dem Spreewald» , sagt Torsten Römer, Inhaber vom «Landgasthof zum grünen Strand der Spree» in Schlepzig. Dort wird der «Sloupisti» gebrannt. Drei Jahre musste er im Verborgenen warten. Nun darf er ins Glas und damit ans Licht. Noch ganz jung wird er heute schon vor der eigentlichen Präsentation am Nikolaustag den Mitgliedern des Lübbener Whiskyclubs und einem Whiskytester vorgeführt.

 

Foto: Daniela Kühn

Mit zwei Flaschen Sloupisti in der Hand steht Torsten Römer (v.) vor dem Destillator. Im Hintergrund kontrolliert Destillateur Jens Richter die Qualität des Brandes.


«Sloupisti» ist die wendische Bezeichnung für Schlepzig und bedeutet Pfahl. Diesen Namen trägt nun auch der erste Whisky aus der Region. Die ersten Behausungen des Spreewalddorfes wurden auf Pfählen errichtet.
Vergessen hat Torsten Römer den Malzbrand wohl nie, den er 2004 in Eichenfässer gelegt hat. Nun ist die nötige Frist für den Hochprozentigen verstrichen, der mindestens drei Jahre in den Holzbehältern reifen muss, bevor er sich Whisky nennen darf. Die sechs mal 225 Liter sind offenbar gelungen. «Ich bin kein Whisky-Trinker, deshalb freue ich mich um so mehr, dass er einigen Kennern zu schmecken scheint» , sagt Torsten Römer. Eine Whisky-Probe hatte er nach Hannover geschickt zu Dr. Clemens Dillmann, der weiß, was einen guten Tropfen ausmacht. «Er muss schmecken und ein angenehmes Mundgefühl machen. Allerdings kann sich der persönliche Geschmack jeden Tag ändern» , erzählt Dillmann, der sich selbst nicht als Spezialist sieht. «Ich will kein Krönchen, ich bin ein Whisky-Liebhaber.» Trotzdem zählt seine Meinung, deshalb hat Torsten Römer Kontakt zu ihm aufgenommen.
Dillmann, der im Jahr 1994 die Internetseite www.whisky.de ins Leben gerufen hat, ließ den Whisky verkosten. Die Probanden wussten nicht, welche Art Whisky sie tranken. «Der Sloupisti kam bei ihnen richtig gut an» , berichtet Dillmann.
Heute wird er sich selbst einen Eindruck über die Brennerei verschaffen. Mit ihm werden sich auch die Mitglieder des Whisky-Clubs Lübben von der Qualität des Tropfens überzeugen. Römer begründet: «Wir wollen vor der eigentlichen Präsentation am 6. Dezember einfach auch die Meinung von Kennern einholen.» Die bestätigen schon vorab, dass der Hochprozentige aus dem Spreewald eine absolute Neuheit über die brandenburgischen Grenzen hinaus ist. «Das ist der erste Whisky in Ostdeutschland» , sagt Thomas Lehmann, Mitglied im Whisky-Club Lübben. Auf Rügen soll vermutlich im Jahr 2009 ein Whisky abgefüllt werden. Lehmann klärt auch gleich über die unterschiedliche Schreibweise auf: «Schottischer Whisky wird nur mit y geschrieben, der aus Irland und Amerika mit e, also Whiskey.» Nun jedenfalls wird der Feinschmecker den Schlepziger probieren. Die Qualität des «Sloupisti» wird auch durch die Holzfässer beeinflusst, die sowohl die Farbe des Getränks als auch das Aroma beeinflussen. Die Fässer für den Spreewälder Whisky stammen von einem fränkischen Winzer und haben schon Wein in ihrem Inneren beherbergt. «Auch das wirkt sich auf das Aroma aus» , weiß Römer, dessen Leidenschaft für das Hochprozentige immerhin auch 70 Sorten Brände zur Folge hat.
Obstbrände und Bier gehören zu seinem Geschäft. Wie aber kam die Idee zum Whisky? «Das ist eigentlich ganz logisch. Wir haben die Technik – Brauerei und Brennerei. Diese glückliche Verbindung ist die Voraussetzung dafür, Whisky zu brennen» , erklärt Torsten Römer. Zwischen Kupferkesseln, Destillationsanlage und Holzfässern werden die Kenner den Spreewälder Whisky probieren. Ob der «Sloupisti» mundet, zeigt sich heute.

# Ab 11 Uhr können Interessierte beim Schaubrennen Einblicke in die Brennerei Schlepzig erhalten. Neben Schnaps gibt es auch frisches Brot aus dem Backofen im Brauhaus. Informationen zu Whisky und Veranstaltung gibt es telefonisch unter 035472/6620.
Wissenswert Was ist Whisky?
Das ist ein aus vergorener Getreidemaische hergestelltes Destillat, das mindestens 40% Vol. Alkohol enthält und drei Jahre gelagert wurde.
Single Malt Whisky darf sich der nennen, der aus gemälzter (gekeimter) Gerste in einem speziellen Brennverfahren destilliert wurde, und aus einer einzigen Brennerei stammt. Der Sloupisti ist ein Single Malt Whisky.
Mehr Informationen unter: www.whisky.de oder www.whiskyfanpage.de

 

 

27.11.2007 Lausitzer Rundschau

Auch nach Feierabend bei Ausstellerparty der Messe «Touristik & Caravaning» in Leipzig gepunktet

Spreewälder präsentieren sich erfolgreich

Die Reise-, Erholungs- und Wohlfühlregion Spreewald präsentierte sich fünf Tage lang auf 1000 Quadratmetern Ausstellungsfläche bei der 18. Touristik & Caravaning (TC) in Leipzig in der imposanten Glashalle als Partnerregion der Messe. Kurz bevor sich die Tore der Neuen Messe endgültig schlossen, zogen Aussteller und Organisatoren erste Bilanz. Hatte die Region, an deren touristische Erschließung vor 125 Jahren eine historische Litfaßsäule erinnerte, den Partner-Vorsprung erfolgreich genutzt?

 

Foto: J. Golombek
Die Spreewälderin Martina Riedel als Kinderfrau zusammen mit ihrem Mann Frank in schwarzer Kirchgangstracht und Peter Lehmann in wendischer Männertracht auf der TC.


«Die vergangene Woche war richtig gut» , sagte der Schlepziger Braumeister Uwe Zech. „Wir hatten einen Wahnsinnsstart.“ Die Sachsen seien freundlich und zuvorkommend gewesen. „Rund um unsere historische Bierkutsche war die Stimmung viel besser als auf der Grünen Woche in Berlin. Viele Leute waren schon im Spreewald, kannten Schlepzig und unsere Brauerei. Das macht uns stolz.“
Zech und zwei weitere Mitarbeiter seien jetzt erschöpft. „Die Messe war eine gute Nummer. Ich kann nicht für die kleinen Einzelhändler sprechen, aber wir haben hier mehr als eine Wochenproduktion ausgeschenkt. Der Spreewaldverein hat uns beim gesamten Messeauftritt tatkräftig unterstützt.“
Einen beachtlichen Teil des überdachten Minispreewalds nahm ein liebevoll gestalteter Campingplatz ein. „Wir haben hier mit dem Federballplatz und all den Details phantastisches Campingplatzflair in die Messehalle gezaubert“, meinte Roland Exler, Geschäftsführer des „Eurocamp am Spreewaldtor“ Groß Leuthen. Zusammen mit weiteren „Campingprofis“ repräsentierte er die zwölf Plätze des Spreewaldes.
„Wir traten hier spürbar nicht nur als einzelne Orte oder Unternehmen auf“, sagte Ilka Paulick, „sondern als gesamter Spreewald.“ Erfolgreich sei die Vielfalt vermittelt worden. „Man erkennt immer mehr, dass viele überlegen, in Deutschland Urlaub zu machen.“ Oft seien auch „Wiederholungstäter“ auszumachen oder Kurzurlauber, die den Spreewald im Blick hätten. „Die meisten wissen schon, wo wir liegen. In Sachsen gibt es ein besonderes Interesse an Kajak- und Paddelboottouren. Die Möglichkeiten sind im Freistaat sehr begrenzt.“
Den gelungenen Feiertagsstart am Mittwoch hob Peter Stephan, Geschäftsführer des Tourismusverbandes Spreewald, hervor. „65 Unternehmen sind bei uns vertreten und haben ab dem ersten Tag für eine wunderbare Mischung aus Tourismus, Naturschutz und Ernährung gesorgt.“ Dieses Drei-Säulen-Modell funktioniere und werde stark nachgefragt. „Es war wichtig und richtig, dass unsere recht kleine Region selbst einmal sieht, wie stark sie ist.“ Die Messeleitung habe sich bereits beim Verband für die gelungene wunschgemäße Vorstellung bedankt. Das ohne Personalkosten rund 60 000 Euro schwere Konzept, vom Brandenburgischen Infrastrukturministerium maßgeblich gefördert, sei voll aufgegangen. Neben der exklusiven Vorstellung brächten kostenlose Medienbeachtung und spreewaldlastige Messeplakate unschätzbare Vorteile.
„Wir haben gemäß unserem Hauptziel vermitteln können, dass der Spreewald außerhalb des Kahnklischees noch viele andere Angebote für Urlaub und Erholung hat“, sagte Peter Stephan. Der Spreewald sei von Schlepzig bis Burg ganzjährig geöffnet.
Ein Höhepunkt war die Ausstellerparty am Freitag. „Diese Feier mit etwa 2000 Gästen aus 50 Ländern war uns sehr wichtig. All die Medienvertreter und Touristikfachleute mussten sich einen ganzen Abend sozusagen gezwungenermaßen mit uns auseinandersetzen“, so Stephan.
Nicht nur die von Spreewälder Betrieben gestifteten kulinarischen Spezialitäten sorgten für ausgelassene Atmosphäre. «Uns wurden 17 Bierfässer zur Kalkulation genannt. Fast doppelt so viele konnten wir ausschenken. Sogar Torgauer Paul-Gerhardt-Flaschenbier mussten wir noch organisieren. Denn selbst die Leerflaschen wurden als Souvenir mitgenommen» , freute sich Peter Stephan.
Während das Land der Fließe und Gurken Partnerregion war, war Kuba als Land der Traumstrände und Zigarren Partnerland der TC. „Wir waren schon sehr stolz, wenn wir bei den Pressekonferenzen mit Kuba in einem Satz genannt wurden“, so Stephan. Auch auf der Kulturbühne wechselte sich Günni, der singende Spreewaldwirt, mit kubanischer Salsa ab. Die Kubanerin Rose Pedersoli-Fuhrmann erzählte: „Was wir bei der Ausstellerparty vom Spreewald sehen konnten, hat uns sehr gefallen. Leider ist es von Kuba mit neun Flugstunden doch ein bisschen weit weg.“
Für die Spreewälder jedenfalls ist klar, dass sie im kommenden Jahr wieder in Sachsen bei «Tourismus & Caravaning» dabei sein wollen.

Von Jens Golombek

 

 

10.11.2007 Lausitzer Rundschau

Sonderstellung auf 1000 Quadratmetern als Partnerregion in Leipzig

Spreewald fiebert größtem Messeauftritt entgegen

Seinen voraussichtlich bisher größten Messeauftritt erlebt der Spreewald vom 21. bis 25. November auf der Leipziger Ausstellung «Touristik und Caravaning» . Seit Monaten wird er vorbereitet. Peter Stephan vom Tourismusverband in Raddusch sieht dort vor allem die Chance, ein internationales Publikum zu erreichen und damit den Spreewald «auch im Ausland bekannter zu machen» .

In fünf Bereichen wollen die Verantwortlichen darstellen, was der Spreewald zu bieten hat, und Fördermittelgebern zeigen, wie sich die ländliche Region weiterentwickelt hat. Besonders verpflichtet fühlen sich die Spreewälder Organisatoren der Messe auch deshalb, weil die Fließlandschaft zur Partnerregion der Ausstellung erhoben ist. Daraus leiten sich Vorteile ab wie «eine hervorragende Präsentation in allen PR-Mitteln» , so Andreas Traube vom Spreewaldverein, aber auch besondere Verpflichtungen, zum Beispiel während des Ausstellerabends, der derzeit fieberhaft organisiert wird.

Den Spreewald schmackhaft machen
Zunächst soll ein Spreewaldmarkt den Gästen die Fließlandschaft schmackhaft im wahren Sinne des Wortes machen. «Spreewald schmeckt» heißt das Motto, unter dem sich die Schlepziger Privatbrauerei mit Bier, Obstbränden und Likören ebenso präsentieren wird wie die Kochakademie des Werbeners Peter Franke, die Langengrassauer Imkerei Neiße, die Kümmritzer Landfleischerei und Vetschauer Wurstwaren. Andreas Traube vom Spreewaldverein hat den Hut auf und sitzt gerade an der Vorbereitung eines der Höhepunkte, des Ausstellerabends. «Da wollen wir gerade beweisen, dass der Spreewald schmeckt» , so Traube. «Wir erwarten rund 650 Gäste aus 50 Nationen» , ergänzt Peter Stephan.

Schwerpunkt Camping
Daneben soll erstmals dem Camping im Spreewald ein Schwerpunkt eingeräumt werden. Extra dafür sei der «Campingführer Spreewald» aufgelegt worden, so Ilka Paulick von der Gemeinde Märkische Heide, die diesen Teil unter ihre Fittiche genommen hat. 13 Platzbetreiber aus dem Spreewald, davon acht aus dem Altkreis Lübben, sind darin vertreten. Animateure stellen mit Sport und Spiel für die Messebesucher den Campingalltag dar.
125 Jahre Spreewaldtourismus werden die übergreifende Klammer für eine Präsentation von Kultur, Handwerk und Tradition sein, die die Tourismus, Kultur und Stadtmarketing GmbH Lübben (TKS) vorbereitet. Alte Trachten sollen gezeigt werden, eine historische Spreewaldküche wird aufgebaut, Ostereierverzierer, Böttcher Waldemar Zech aus Schlepzig, Korbmacherin Julia Löwenberg aus Lieberose, Leierkastenmann Volkmar Baier aus Alt Zauche und viele andere gestalten die Schau.
Das Thema «Gesund und aktiv» werde ein weiteres wichtiges sein, so Peter Stephan. Die Lübbenauer Spreewelten werden eine Sauna aufbauen, die Burger Therme Anwendungen und Behandlungen demonstrieren. Schließlich ist dem Naturschutz mit dem Biosphärenreservat ein weiterer Schwerpunkt gewidmet. Auch die Partner aus Holland und Polen sowie das Dahme-Seen-, das Oder-Spree-Gebiet und die Samerberger aus Bayern werden eine Rolle spielen.
83 000 Besucher zählte die Messe im vergangenen Jahr, und auch diesmal werde mit mindestens 80 000 gerechnet, so Andreas Traube. Um möglichst viele davon inhaltlich zu erreichen, «haben wir unsere Imagebroschüre jetzt auch auf Englisch aufgelegt» , so Peter Stephan. «Unser Auftritt soll in hoher Qualität durchgeführt werden, und alle ziehen bisher sehr gut mit.»
Zum Thema Viel Prestige und Kosten
Die Chance für den Spreewald, ein internationales Publikum auf der Leipziger Messe zu erreichen, kostet Geld. Mindestens 50 000 Euro schätzt Tourismusverbands-Chef Peter Stephan. Für die knapp 1000 Quadratmeter Präsentationsfläche wird eine Pauschale in Höhe 10 000 Euro gezahlt. Unterstützt wird die Spreewaldpräsenz laut Stephan vom Land Brandenburg, von den Landkreisen, von Kommunen und Unternehmen.

Von Ingvil Schirling

 

 

09.11.2007 Lausitzer Rundschau

Hervorhebung als Ort im ursprünglichen Spreewald

Schlepzig nimmt Hürde für das Prädikat Erholungsort

Schlepzig. Schlepzig erfüllt die Anforderungen für die Anerkennung als Erholungsort im Land Brandenburg. Das geht aus einer Tourismusentwicklungsstudie hervor, die die Freizeit- und Tourismusberatung GmbH erstellt hat. Der Gemeinderat stimmte der Studie während seiner jüngsten Sitzung zu.

Sie ist Voraussetzung, um das Prädikat «Staatlich anerkannter Erholungsort» zu beantragen. Die Gemeinde im Unterspreewald strebt dieses Prädikat an.
Die nun vorliegende Studie beinhaltet Analysen, Leitlinien und Handlungsempfehlungen, um zentrale Ziele für die Gemeinde zu erreichen. Das Kurzkonzept basiert auf der Auswertung vorhandener Statistiken und Daten, auf Expertengesprächen vor Ort sowie auf der Bewertung der aktuellen Infrastruktur und vorhandener Angebote. «Die Studie ist ein Leitfaden für unsere künftige Ausrichtung» , erklärt Bürgermeisterin Heike Noah.
Schlepzig will sich auf Schwerpunktthemen konzentrieren. Dazu zählen etwa die Positionierung als Standort im Herzen des natürlichen und ursprünglichen Spreewalds und die Sicherung der Wasserlandschaft Spreewald. Außerdem will sich Schlepzig auf die naturorientierten Aktivitäten wie Radfahren, Kanuwandern, Wandern und Kahnfahrten konzentrieren und Angebote für Kinder entwickeln, beispielsweise Spielplätze. Eine Badestelle soll ausgebaut und ein Wohnmobilstellplatz errichtet werden. Schlepzig soll sich klar als Spreewald-Ort positionieren, um von dem hohen überregionalen Bekanntheitsgrad des Spreewalds zu profitieren.
Zudem sollen der dörfliche Charakter und die Ursprünglichkeit herausgestellt werden, um sich von größeren Orten wie Burg, Lübben und Lübbenau abzugrenzen. Die zentrale Botschaft bei der Vermarktung soll lauten: «Schlepzig – wo der Spreewald am ursprünglichsten ist» . Der Landesfachbeirat hat Schlepzig im vergangenen Jahr besucht und mit Blick auf das Prädikatsverfahren Handlungsbedarf in folgenden Bereichen ausgemacht: Wellness-Angebote, familiengerechte Angebote, Erhöhung der Bettenkapazität und Klassifizierung der Unterkünfte.
Vom Landgasthof «Zum grünen Strand der Spree» lägen Pläne vor, die vorhandene Bettenkapazität deutlich aufzustocken. Zudem will die Gemeinde finanzielle Mittel zur Verfügung stellen, um in einem ersten Schritt Spielgeräte für Kinder anzuschaffen. Der Ausbau der Badestelle soll insbesondere für Familien mit Kindern attraktiv sein.
Experten einer Arbeitsgruppe Tourismus vor Ort bezeichnen die touristische Entwicklung in Schlepzig laut Studie als überwiegend positiv. Die Zukunftsaussichten seien gut. Das Potenzial werde in erster Linie im Erhalt des Dorfcharakters, der Tradition des Ortes sowie der Sicherung der ursprünglichen Wasserlandschaft gesehen. Um wettbewerbsfähig zu bleiben, müsse jedoch das Marketing noch weiter intensiviert, die Organisationsstruktur den wachsenden Anforderungen angepasst und die interne Zusammenarbeit verbessert werden.

Andreas Staindl

 

 

06.11.2007 Lausitzer Rundschau

Amt will mit Brücke vor dem Winter fertig sein

Kahnfahrt-Bau in Schlepzig geht voran

Schlepzig. Die Arbeiten an der Kleinen Kahnfahrt in Schlepzig sollen noch vor dem Winter soweit fertig sein, dass die Autofahrer die Umfahrung nicht mehr benutzen müssen.

Ob dieses Ziel zu schaffen ist, hänge allerdings sehr stark vom Wetter ab, schränkt Michaela Schudek ein, Bauamtsleiterin im Amt Unterspreewald.

Schleuse fast fertig
Von der Bauberatung berichtete sie, dass die Schleuse «Poßlings Eckchen» in rund drei Wochen, also noch im November fertiggestellt werden soll. Am Donnerstag sei sie trocken und mit Wasser gefüllt baulich abgenommen worden. In der Dammstraße seien «die Schleuse und die Brücke in ihrer Grundform da» , so Michaela Schudek. Als nächstes sollen die Einbauten hergestellt und montiert werden.
Die Kleine Kahnfahrt, die eine Tour durch das Dorf per Kahn ermöglichen soll, bringt einige Veränderungen mit sich: Zahlreiche Leitungen und Kabel wurden verlegt und Bäume gefällt. Das Freifließ wird an die Hauptspree angeschlossen für den rund drei Kilometer langen Rundkurs. Das Großprojekt soll knapp 900 000 Euro kosten, von denen ein Teil gefördert wird, und ist in zwei Bauabschnitte unterteilt.

Rentabilität nicht belegt
Am Vorhaben hatte es auch Kritik gegeben: Unter anderem wurde die bisher nicht belegte Rentabilität bemängelt. Die soll sich erst zeigen, wenn die «Kleine Kahnfahrt» zu Beginn der nächsten Saison von den Spreewaldbesuchern genutzt werden kann.

22.10.2007 Lausitzer Rundschau

Auftakt zur Serie «Jazz und Buffet»

Im Schlepziger Brauhaus ein Sound wie in der Beale Street

Der Ruf von New Orleans ist im Schlepziger Brauhaus erklungen – und viele Besucher haben ihn vernommen. Der «Call of New Orleans» bildete den Auftakt der Serie «Jazz und Buffet» , die bis zum April in regelmäßigem Turnus fortgesetzt werden soll. Zur traditionellen Musik aus den Südstaaten durfte im Erdgeschoss des Brauhauses nach Herzenslust geschlemmt werden: Das Buffet mit gebackenem Wildschwein verwöhnte die Gaumen.

 

Foto: Jens Golombek
Auch Jazzmusiker brauchen mal 'ne Stärkung: Im Schlepziger Brauhaus ist die Reihe «Jazz und Buffet» mit großem Publikumszuspruch gestartet.
Die Herren gaben ihre Stücke „unplugged“ zum besten. „Der Pianist Roland Schifter war mein Neurologie-Lehrer in meiner Zeit im Berliner Klinikum“, verriet Brauereibesitzer Torsten Römer. Zu jedem der rund 70-jährigen Hobbymusiker aus ganz Deutschland bestehe eine akademische Bindung. Man biete im Brauhaus leichte, unaufdringliche Musik, für die man kein philharmonisches Gehör brauche. „Das ist hier aber kein Dixieland“, machte der Veranstalter energisch deutlich, „das wäre dann die Kommerzialisierung dieses New-Orleans-Styles.“
„Diese Musik stammt aus den 1920er Jahren“, ergänzte Anja Römer. „Man sieht durch sie quasi die Alltagsszenen aus New Orleans vor sich.“ Mit Blick auf das gut gefüllte Brauhaus zeigte sie sich erfreut: „Ich glaube, dass die Leute viel zu lange Entzug hatten. Die sind wie wir froh, dass es wieder losgeht. So etwas ist eben eher für die Wintermonate, für drinnen geeignet.“ Ab jetzt gehe es in Brauerei und Landgasthof Schlag auf Schlag. „Zuerst starten wir mit drei Jazzabenden durch, dann folgt die Klassik. Unser mittlerweile sehr erfolgreiches Konzept wird einfach durch die Leute getragen und bestätigt, die immer wieder nach Schlepzig kommen“, freute sich Römer.
„Auch die Musiker bekunden immer den großen Wunsch, wieder hier aufzutreten. Das ist der Grund, warum wir heute ein Zusatzkonzert vorneweg packen mussten. Denn alle anderen Termine waren schon voll“, informierte Torsten Römer.
Das Repertoire sei keinesfalls festgefahren. „Besonders im Klassik-Sektor haben wir durch Empfehlungen immer wieder wechselnde Besetzungen“, berichtete Anja Römer. Die Klassik bildete einst die Grundlage der Veranstaltungsreihe. „Aber in das Brauhaus hat die Klassik einfach nicht gepasst. Da bot sich einfach ehrlicher, guter Jazz an.“
Den Höhepunkt der Saison sehen die Römers in der Veranstaltung mit der „Jazz Family“ am 16. Februar. „Da kommen 400 Jahre geballte Jazz-Kompetenz auf uns zu“, freut sich Gastwirt Römer schon fünf Monate vorher.
Im November steht erstmalig der Bockbieranstich im Kalender von Braumeister Uwe Zech. „Ein wundervoller Bock reift hier seit acht Wochen“, schwärmte Torsten Römer, der jüngst noch einer heimlichen Leidenschaft Leben einhauchte: Vor drei Jahren abgefüllt und „weggelegt“, reife an der Spree Whisky in sechs Eichenfässern. „63,3 Prozent hat der erste Brandenburger Whisky. „Sloupisti“, Schlepzigs uralten Namen, soll der einmalige Single-Malt demnächst tragen“, verriet Römer.
„Ich bin heute durch Zufall hier vorbei gekommen“, berichtete Marko Fischer. „Und wenn ich mir die Musiker und das Programmheft so anhöre und -sehe, bestimmt nicht zum letzten Mal.“
„Unabhängig von der außergewöhnlichen Musik und der klasse Stimmung hier im Brauhaus gab es bei uns am Tisch heute unerwarteten Verdruss“, verriet Brigitte Jahnke, „eigentlich hatten die Kraftfahrer festgestanden. Dann jedoch haben wir die vielen leckeren Brände von Aprikose bis Holunder entdeckt und probiert. Aber in Form von Fläschchen zum Mitnehmen haben wir einen wirklich guten Kompromiss gefunden.“
Service: Der nächste Termin
Am Samstag, 27.Oktober, werden um 20 Uhr Waldi Weiz & Band im Schlepziger Brauhaus in der Reihe Jazz und Buffet zu hören sein.

Von Jens Golombek

Es ist Herbst geworden, prima!

 

Kleinehäuser.de

Baumhaus *18.10.2007

Spreewaldkiosk demnächst auf Pfählen *5.12.2007

 

Weitere nicht mehr ganz so aktuelle Nachrichten

Das Kobe-Rind
Zu Besuch bei einem sagenhaften Tier

Von Berthold Kohler

Dieses Tier hat kein schönes Euter, aber angeblich das beste Rindfleisch der Welt

 

29. Juni 2009 Kobe. Der Weg ist das Ziel, daran lässt sich auch auf diesem nicht zweifeln. In Serpentinen geht es die Flanken des Bergs Rokkesan hinauf und wieder hinunter, an Reisfeldern vorbei und an einem kleinen Shinto-Schrein. Selbst das plötzlich auftauchende Schild "Rotary Golf Club" scheint noch irgendwie in dieses japanische Idyll zu passen, gilt der Besuch doch ebenfalls einer exklusiven Gesellschaft, wenn auch einer mit einem noch ausgeprägteren Herdentrieb. Die Liebe zu kurzgeschnittenem Gras teilt aber auch diese.

Eine Kurve noch, und da stehen sie: schwarze Rinder mit dunklen Augen, deren Name Feinschmecker auf der ganzen Welt in Ekstase zu versetzen vermag. Es sind Kobe-Rinder, die der Menschheit, allerdings nur einem sehr kleinen Teil davon, das angeblich beste und gesündeste, in jedem Fall aber teuerste Steak der Welt schenken, wenn auch kaum willentlich. Doch ranken sich schon so viele Legenden um Aufzucht und Wesen dieses japanischen Wundertiers, dass es auf eine mehr oder weniger, sagen wir über seine Opferbereitschaft, auch nicht mehr ankäme.

Kein Pfund des Kobe-Fleisches geht in den Export

Wer (seinem Koch) weiter glauben will, dass sein sündhaft teures Filet in dessen früherem Leben von Koto-Tönen beschallt, mit Bier getränkt und täglich von einer Geisha oder wenigstens einem zärtlichen Bauern massiert worden ist, sollte ab hier besser nicht weiterlesen. Das, was in Deutschland oft als "Kobe-Beef" angepriesen wird, stammt ohnehin nicht von den Tajima-Rindern aus Kobe, sondern allenfalls von japanischem Schwarzvieh aus anderen Teilen des Landes oder von Nachzüchtungen und Kreuzungen im Ausland. Selbst in Oberbayern werden schon Wagyu-Rinder gehalten. Doch kamen sie nicht in Kobe zur Welt. Das Ausführen von lebenden Tajima-Rindern ist streng verboten. Und auch kein Pfund des streng geprüften Kobe-Fleisches geht in den Export: Alles landet in den vermögenden Mägen Japans.

Selbst dafür aber ist es zu Lebzeiten nicht mit Sake massiert worden, jedenfalls nicht auf Mastbetrieben wie diesem, auf denen die meisten Kobe-Rinder erzeugt werden. Da hätten seine sechs Angestellten viel zu tun, sagt der Betriebsleiter Ishida. Er trägt weiße Gummistiefel. 600 Stück Mastvieh stehen in seinen Ställen aus Stahlträgern, auf mit Sägespänen bestreutem Beton, nicht auf Tatamis. Dazu kommen vierzig Mutterkühe. Ja, in Matsusaka, in der Nachbarpräfektur Mie, sagt Herr Ishida, da machten sie so etwas mit den Rindern, für die Touristen. Mythen haben ihren Preis.

Nicht jedes Rind darf sich Kobe-Beef nennen

Die wenigsten Touristen aber dürften wissen, dass das gestreichelte Fleisch von dort gar nicht die immerhin in Japan gesetzlich geschützte Bezeichnung "Kobe-Beef" tragen darf. Die ist allein den Steaks und Filets von Tajima-Rindern aus der Präfektur Hyogo vorbehalten, in der Kobe liegt - wenn sie denn den höchsten Qualitätskriterien entsprechen. Zuletzt sind 3066 Tiere im Jahr post mortem mit diesem Titel geadelt worden. 770 000 japanische Bullen, Kühe und Kälber hatten nicht das Glück.

Gestriegelt hat auch Ishida-san schmutzige Rinder schon. Die Behauptung, erst die Massage führe zur typischen Marmorierung des Kobe-Fleisches mit einem überaus geschmacksstoffreichen Muskelfett, verweist er jedoch in das Reich der Fabel. Dafür sind in erster Linie die Gene der Rasse verantwortlich, über die in Kobe streng gewacht wird. Der Samen für die Zuchtbetriebe stammt von zwölf sorgsam ausgewählten Bullen, die sich in der Obhut der Präfektur befinden. Für den Fall, dass einer dieser Samurai-Stiere ermattet oder gar das Zeitliche segnet, stehen ebenfalls genau geprüfte Kandidaten bereit, in die Bresche zu springen. Während man in Europa und Amerika über Jahrzehnte den Rindern das Fett und damit die Geschmacksstoffe züchterisch austrieb, durften die Kobe-Rinder es behalten. Zur Fetteinlagerung trägt bei den Bullenkälbern die Kastration bei, die den gerühmten konfuzianischen Sanftmut der Tiere in einem etwas anderen Licht erscheinen lässt. Vor allem aber führt die Fütterung dazu, dass das Fleisch zart ist und das Verhältnis von ungesättigten zu gesättigten Fettsäuren günstig.

Nur ausgewähltes Heu für die Jungtiere

Bis zum Alter von fünfzehn Monaten bekommen die speziellen Zuchtbetrieben abgekauften Jungtiere Vitamin-A-reiches Heu aus Oregon und Kanada zu fressen, das in Containern über den Pazifik gelangt. Dann wird auf Heu und Weizenstroh aus der Nachbarschaft (Australien) umgestellt, ergänzt durch geschroteten Mais und Weizenkleie. Immerhin diese Zutaten stammen aus Japan. Keinen Scheffel davon baut diese Farm, die einer Aktiengesellschaft gehört, selbst an. Der Betrieb hat keine Felder, daher geht auch der Dung der Tiere wieder vom Hof - nach sieben Wochen Lufttrocknung und Kompostierung, als Dünger an Gemüsebauern. Zweimal wird den Tieren Blut abgenommen und untersucht. Doch eigentlich wissen erfahrene Mäster wie Ishida schon nach einem tiefen Blick ins Auge ihrer Rinder, ob ihnen etwas fehlt. Kreidemarkierungen an den Boxen der nach allen Seiten offenen Ställe dokumentieren, wann Vitamine dem Wasser für die Tiere zugesetzt worden sind. Sake, so sagt Herr Ishida, käme ohnehin nicht über den ersten Magen des Rinds hinaus. Man müsse es nur in Ruhe fressen und schlafen lassen, dann werde schon alles gut.
Es ranken sich viele Legenden um Aufzucht und Wesen dieses japanischen Wundertiers

Etwa zweieinhalb Jahre dauert dieses alkohol-, aber auch weitgehend stressfreie Leben. Dann sind die Färsen 600 bis 650, die Ochsen 700 Kilogramm schwer und somit schlachtreif. Gut 300 Stück wirft Ishidas Betrieb im Jahr auf den Markt. Eine gute Million Yen (rund 8000 Euro) bringt ein schönes Tier ein. Im Großhandel steigt der Preis für das geschlachtete Kilo auf derzeit gut 2300 Yen (etwa 17 Euro). Das ist jedoch noch lange nicht das Ende der Nahrungs- und schon gar nicht der Wertschöpfungskette.

5000 Yen für ein Filet

Der japanische Gourmet muss beim Metzger bis zu 5000 Yen auf den Tresen legen, wenn er das schönste Stück Filet erwerben will - je hundert Gramm, versteht sich. Auf der nach oben offenen Restaurantskala sind natürlich noch andere Preise möglich. Doch selbst sehr Betuchte müssen erst schauen, wie und wo sie an das Marmorfleisch kommen. Kobe-Beef wird in einer Art geschlossener Gesellschaft aus Züchtern, Händlern, Metzgern und Restaurants vertrieben. Wer Zugang zu diesem exklusiven Kreis erhält, kann aber auch sicher sein, das Original auf dem Teller zu haben.
Etwa zweieinhalb Jahre dauert das alkohol-, aber auch weitgehend stressfreie Leben eines Kobe-Rindes

An dieser Gewissheit ist auch in Zeiten der Krise noch so vielen Japanern gelegen, dass der Kobe-Beef-Kurs nicht so in die Tiefe rauschte wie der Nikkei. Den Zeitpunkt der Lehman-Pleite kann aber auch der stellvertretende Abteilungsleiter für Rindfleisch aus der Präfektur Hyogo mühelos auf seiner Preiskurve identifizieren. Die wachsende Arbeitslosigkeit habe allerdings das Interesse an der Zucht der teuren Tiere neu belebt, das in den vergangenen Jahren nachgelassen hatte. Hatten vielleicht auch die Japaner geglaubt, Kobe-Rinder müssten täglich zwei Stunden lang massiert werden?

Gestohlen worden ist übrigens noch keines der Rinder des Herrn Ishida - in Japan neige man nicht zur Hausschlachtung, sagt er. Nicht einmal auf der Farm selbst gibt es ein Schlachtfest. Immerhin bekommt der Betriebsleiter sehr gelegentlich "zu Testzwecken" ein Stück des erzeugten Fleisches vorgesetzt. Der zuständige Beamte dagegen hatte nach eigener Auskunft noch nie das Vergnügen. Legenden sind schließlich und eigentlich nicht zum Verspeisen da. Auch an diesem Tag verlassen die Besucher hungrig die Stätte der Ställe. Einer schielt auf dem Rückweg nach dem nächsten McDonald's-Schild. Irgendwie lässt der Mythos des Kobe-Rindes sogar noch einen einfachen Hamburger zur Verheißung werden.

Text: F.A.S.