Nachrichten
über
deutsche Alterthumsfunde
Rudolf Ludwig Karl Virchow,
A. V-
Gesellschaft für Anthropologie, E
Nachrichten über
deutsehe Alterthumsfunde.
1897.
Mit Unterstützung
des Königlich Preussischen Ministeriums der geistlichen,
Unterrichts-
und Medicinal- Angelegenheiten
herausgegeben von der
Berliner Gesellschaft
für Anthropologie, Ethnologie
und Urgeschichte
unter Redactiou von R. Virchow un d A. Voss.
Ergänzungsblätter
zur Zeitschrift für Ethnologie.
BERLIN.
Verlag von A. Asher&Co.
1898.
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Inhalts -Verzeichnis.
Seite
1) Brandgräber der
Völkerwanderungs-Zeit von Messdorf, Kr. Osterburg
1
2) Germanische Begrabnissstätten
am Niederrhein:
I. Ausgrabungen in Henmar
2
II. bei Duisburg
6
3) Bronze-Depotfund von
Clempenow, Pommern (5 Zinkogr.) 7
4) Ein römischer
Meierhof bei Ungstein in der Pfalz 11
5) Neue Fundo von der
Feuerstein- Werkstatte bei Guschter-Hollander, Kr. Friedeberg
11
6) Halbfertige Steinh&mmer
von der Bremsdorfer Mühle, Kr. Guben 12
7) Otterfallen von Gross-Lichterfelde,
Kr. Teltow 12
8) Steingeräthe auf
Kögen 13
o) Thongefäss der
Völkerwanderungs-Zeit von Behle, Posen (3 Zinkogr.)
15
10) Merovingische Emailperlen
von Dollgen, Kr. Prenzlau (2 Zinkogr.) 16
11) Hügelgräber
auf dem Brommbarge, Wessenstedt, Kr. Uelzen (3 Situationsskizzen,
2 Autotypien und 1 Holzschnitt)
17
12) Hügelgräber
bei Schlagenthin, Kr. Tuchel (4 Situationsskizzen) 33
13) Steinkiste bei Kl.
Kensau, Kr. Tuchel (1 Autogr.) 35
14) Vorgeschichtliche
Funde aus der Umgegend von Graudenz (l Autogr.) 36
15) Märkische Alterthümer
(8 Zinkogr.) 36
16) Kupferne Doppelaxt
von Börssum (1 Zinkogr.) 41
117) Bronzefund von Lekow,
Kr. Schivelbein, Pommern 42
118) Fundstelle bei Bornim,
Kr. Ost-Havelland 44
*19) Zwei Bronzefunde
aus Pommern (Rügen und Usedom) (12 Zinkogr.) ....
44. 96
20) Römische Fingerringe
von Hammelstall bei Brüssow, Uckermark (1 Zinkogr.)
. . 48
: B1) Bericht über
das Provincialmuseum in Bonn 1896/97 69
J22) Bericht über
das Provincialmuseum in Trier 1896/97 73
4*8) Langobardisch-sächsischer
Friedhof bei Nienbüttel, Kr. Uelzen (9 Abbild.) ....
77
M) Neue Funde von S. Lucia
bei Tolraein ,. 80
15) Hügelgräber
am Losenmeere bei Haarstorf, Kreis Uelzen (1 Situationsskizze
und
13 Abbild.) 81
16) Urnenfeld bei Schlopzig,
Kr. Lübben, Niederlausitz (6 Abbild.) 88
ft^ Ein Küstenfund
bei Lietzow, Rügen 94
28) Bronzeschwert von
Felchow, Kr. Angermündo 95
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Ein Urnenfeld bei Schlepzig,
Kr. LUbben, in der Niederlausitz.
(Vorgelegt in der Sitzung
der Berliner Anthropologischen Gesellschaft vom 16. Oct.
1897.)
Schlepzig, ein ansehnliches
Dorf, liegt 12 km nördlich von Lübben am Rande
des Unterspreewaldes, auf einer in den alten See nach
NO. vorspringenden Halb-
insel, mithin an einer Stelle, die für eine auf Fischfang
und Viehzucht gegründete Ansiedlung in der Vorzeit
sehr günstig war und dieser guten Schutz gewährte.
Und so giebt denn von einer solchen auch das ausgedehnte
Urnenfeld Zeugniss, das der Lehrer Hr. Seiling im letzten
Frühjahr aufgedeckt und ausgenommen hat.
- 89
Es liegt etwa 200 Schritt
nordöstlich von der Kirche am Rande der sumpfigen
Niederung. Seine Ausdehnung lässt sich nicht mehr
feststellen, da es grossentheils schon zerstört war,
wohl gelegentlich bei der Beackerung; denn von einer früheren
Ausgrabung ist nichts bekannt, doch sollen einige Thongefässe
und wohl auch Bronzesachen im Dorfe noch vorhanden sein.
Was ich gehört und zum Theil gesehen habe, ist Folgendes.
Lückenlos bei einander
lagen noch 6 Gräber, 4 5 m von einander, vom
Mittel-
punkt aus gemessen, und zwar waren dies die jüngsten.
Auf welchem Theile des
ausgedehnten Urnenfeldes diese aber lagen, kann ich nicht
sagen. Von diesen lag
das nächste Grab wohl 30 m weit entfernt und das
letzte noch aufgefundene wieder
20 m weiter, so dass dazwischen ohn fraglich viele schon
zerstört waren.
Die Grüfte lagen
V 2 1 m unter dem jetzigen Ackerboden und waren
mi
Steinen nur spärlich umsetzt, namentlich fehlte gänzlich
eine Steindecke; doch kann gerade diese sehr wohl beim
Beackern weggeschafft sein.
Indem zuletzt bezeichneten,
weit abliegenden Grabe war die Leichen-
urne, so weit sich aus den Bruchstücken erkennen
lässt, ein von unten weit aus-
gebauchter, dann aber ziemlich gerade aufsteigender Topf
von etwa 40 cm Höhe
und 30 cm Oeffnung, der am Boden jenes räthselhafte
Loch hatte für die Seele?
oder zu wirtschaftlichen Zwecken, etwa zum Ablaufen
des Molkens? Aus
dem Grabe ist früher schon ein diesem ganz ähnliches
Beigeföss herausgekommen,
aussen rauh und oben noch mit leistenartigen Ansätzen
versehen. An weiteren
Beigefässen enthielt das Grab die Bruchstücke
zweier (oder nur einer?) Buckelurne mit wenig hervorstehenden
Buckeln, einen kleinen, massig ausgebauchten henkellosen
Topf mit breit umgeklapptem Bande und einen nach oben
eingezogenen Pokal auf hohem, stark verengtem Standfuss,
über dem, wie wahrscheinlich auch an dem fehlenden
oberen Theile, er mit reifenartigen Parallelfurchen umzogen
war;
also mit der Leichenurne 6 (oder 5) Gefässe, die
durch die Form und die sehr
spärliche Verzierung in die ältere Zeit des
Lausitzer Typus verweisen, aber, da
die Buckelurnen nur als Beigefässe und nur klein
und mit niedrigen Buckeln er-
scheinen, an das Ende dieser Zeit, mithin ganz an den
Ausgang des 7. oder eher
in den Anfang des 6. Jahrhunderts v. Chr., zumal da die
Metall beigaben kein
böheres Alter verrathen.
Auf dem Leichenbrande
lag nehmlich von Bronze eine leider nur zerbrochen
herausgebrachte Spirale von sehr dünnem, an beiden
Enden zurückgebogenem
Draht, etwa 1 cm hoch und 2 cm weit, und eine im Feuer
des Leichenbrandes am
Kopfende entstellte, etwas abgeschmolzene kleine Nadel,
nur 7,7cm lang und 3 mm dick.
Muthmaasslich war das Kopfende von gleichem Durchmesser,
wie die übrige Nadel,
kaum merklich abgeschnürt und lief vielleicht in
eine (abgebrochene) kleine Spitze aus, eine bei uns nicht
gerade seltene, in der Hallstattzeit in Deutschland und
im Norden ziemlich verbreitete Art, bei der Sophus Müller
auf ursprünglichen Import aus dem Süden schliesst.
Auf den Urnenfeldern bei Reichersdorf, wo sie häufig
und zwar mit kugelrundem Knopfe vorkommt, bei Starzeddei
und Guben-Chöne ist sie bereits mit Eisen zusammen
(Vcrhandl. d. Berl. Ges. f. Anthr., 1890, S. 358;
Niederl. Mitthlg., II, S. 396). Da somit diese Nadeln
erst in späterer Zeit recht verbreitet waren, so
ist die unsere in dieser älteren Zeit ein seltenes
und kostbares Stück gewesen, und wir haben hier gewiss
das Grab einer vornehmen Frau. Auf das höhere Alter
mag auch die mürbe Beschaffenheit der vollständig
schmutzig grünen und gesprenkelt oxydirten Bronze
deuten.
Das andere vereinzelte
Grab war schon arg durchwühlt, und so fanden
sich darin nur noch die Reste zweier Gefässe, der
grossen Leichenurne von grobem
90
grauschwarzem Thon, die
unten mit strahligen oder durcheinanderlaufenden
Strichen bedeckt war, und die eines dickwandigen, sehr
weit geöffneten flachen,
aussen ganz rauh gemachten Gefässes, das unter dem
stark eingezogenen und
umgelegten Halse einen perlenartig gegliederten Wulst
hat, eine bei uns selten
vorkommende und der jüngeren Zeit angehörende
Verzierung. Metallbeigaben
fehlten.
Wieder andere, auf höheres
Alter deutende Gefässe enthielt das erste der
zusammenliegenden Gräber. Ueber dem fast kugelig
gerundeten Untertheil
erhebt sich scharf abgesetzt gerade und schlicht der Hals,
so viel ich mich erinnere, an allen ohne Henkel oder Oehsen.
Zwei von diesen vier Gefässen waren ganz unverziert,
die Leichenurne und ein kleines Beigefäss hatten
schräg über die Weitung herunterlaufende, weit
von einander stehende, scharf abgestrichene Rippen.
Dazu kommen die Bruchstücke eines jedenfalls über
die Knochenurne gedeckten
Tellers mit mehrfach abgestrichenem Rande, sowie ein gehenkeltes
und zwei un-
gehenkelte flache runde Schälchen mit der bekannten
mittleren Bodenerhebung,
zusammen 8 Gelasse, eine nicht geringe Zahl. Metailbeigaben
fehlten auch in
dieser noch nicht durchwühlten Gruft. Die
immer noch scharf gebrochenen
Umrisslinien, der Mangel an Verzierungen ausser den spiralig
verlaufenden Rippen
und diese selbst, die nicht mehr dick aufgelegt, aber
auch noch nicht in der Art
der späteren Kehlstreifen dicht bei einander abgestrichen
sind, verweisen nach der Aehnlichkeit anderer Lausitzer
Urnenfelder, z. B. des bei Friedland und Skuhlen, Kr.
Lübben, Ratzdorf und Koschen, Kr. Guben und Freiwalde
und Tröbitz, Kr. Luckau, das Grab in die Uebergangszeit
zur Blüthe des Lausitzer Typus.
Dieser Blüthezeit
gehörte ohne Frage das Nachbargrab an, das am besten
hergerichtet, ausgestattet und auch erhalten war, das
zweite in der zusammen-
hangenden Reihe. Ein loser Ring aus kleineren und mittleren
Feldsteinen von etwa
1 '/* ro Durchmesser und darüber ein zweiter engerer
schlössen die in der Mitte
zusammenstehenden 4 Leichengefässe und die 15 zugehörigen
Beigefässe ein, die
in dem engen Raum zum Theil schräg über einander
standen. Dass ein Grab
mehrere Beisetzungen umschliesst, ist auf den Urnenfriedhöfen
unserer Gegend,
ganz abgesehen von den Hügelgräbern, häufig
beobachtet, so am Kietz und Raths-
vorwerk bei Lübben, bei Steinkirchen Ellerborn,
bei Starzeddel und Guben-
Chöne und namentlich bei Freiwalde. Ja, unsere Gruft
scheint von vorn herein
darauf eingerichtet gewesen zu sein, da die Leichengefässe
in der Mitte zu-
sammenstanden und so wohl für jedes mit den Beigefassen
ein Kreisausschnitt
bestimmt war. Auch war keine Störung durch die Nachbegräbnisse
wahrzunehmen,
ausser etwa dass gerade die Leichengefässe zerbrochen
waren. Drei von diesen
waren grosse Terrinen mit Oehsen und Kehlstreifen auf
der Ausbauchung, und
diese enthielten reiche Beigaben von Bronze; die Knochen
der vierten Leiche lagen
in einer tiefen Schüssel, die mit einer ebensolchen
bedeckt war, ohne Metall-
beigaben. An einer dieser Schüsseln war der Rand
schräg gekerbt, an der andern
war die strickartige Kerbung auf der Umbiegung des nach
innen umgelegten Randes
angebracht An Beigefässen standen dabei kleinere
Urnen mit Kehlstreifen
oder dem bekannten Bande ineinandergeschobener gestrichelter
Dreiecke, eine
auch damit gezierte raittelgrosse Flasche, zwei etwas
plumpe hohe und weite
Tassen, deren eine in ähnlicher Weise mit grossen
Dreiecken von rechtwinklig
zu einander gestellten Gruppen paralleler Striche bedeckt
war, eine kleine, sehr
zierliche Tasse mit ganz kleiner Stehfläche, weit
und flach ausgebaucht, unter dem
stark eingezogenen Halse mit hohem Henkel durch umlaufende
Parallelfurchen
verziert, einige gehenkelte und ungehenkelte flache, runde
Schalen mit innerer
91
Bodenerhebung und Stücke
von Decktellern mit facettirtera Bande: alles Formen,
die durchaus der Blüthezeit des Lausitzer Typus angehören.
In den Anfang dieses
Zeitraums gehören nach Masse, Arbeit und Form auch
zwei wohl in einem Nach-
bargrabe gefundene äusserst seltene Stücke,
die aus feinem, gut gebranntem,
gelbem Thone dünnwandig und sorgfältig hergestellt
sind, erstlich ein ohne den
übrigen Gefasskörper beigelegter massig grosser
Hals einer Flasche oder eines
Kruges mit einem aus zwei übereinander geordneten
Oehsen bestehenden sogen.
B -Henkel (Fig. 1). deren bis jetzt meines Wissens erst
8 bekannt sind, in der
Niederlausitz und an deren Grenzen einer von Schlagsdorf,
Kr. Guben (Verhandl.
d. Berl. Gesellsch. f. Anthr., 1892, S. 274 f.), zwei
von Wilmersdorf bei Beeskow
(ebenda 1893, S. 456), und weiter ab je einer von Güssfeld
bei Salzwedel, von
Königswartha in der Oberlausitz und von Heidenstatt
bei Egenburg in Nieder-
Oesterreich, und auch im Königreich Sachsen soll
ein solches Gefäss gefunden
sein, und dazu nun das von Schlepzig. Das zweite ist eine
Verzierung, die, so viel ich weiss, noch nicht beobachtet
ist, nämlich an dem übertheil eines weitbauchigen
Kruges unter dem scharf abgesetzten cylindrischen Halse
ein herumlaufendes Band schmaler Parallel furchen, das,
an den beiden Oehsen unterbrochen, hier zu jeder Seite
ein Stück herunterläuft und dann mit 4
5 kurzen Querstrichen abschliesst, offenbar die Nachbildung
eines an beiden Seiten herabhangenden bequasteten Gürtels.
(Siehe nachstehende, aus dem Gedächtniss aufgezeichnete
Fig. 2.)
Fig. 1.
Fig. 2.
Fig. 3.
Fig. 4.
Ueber den angegebenen
Zeitraum herunter weisen nun noch drei, ich weiss
nicht ob diesem oder einem Nachbargrabe entnommene sehr
niedliche Gefässe,
die sich durch die dunklere Farbe wie durch die Form der
erwähnten feineren
Tasse anschliessen: ein nur 8 cm hohes und ebenso weit
ausgebauchtes, nach unten
und oben stark verjüngtes, mit reifenartigen Furchen
verziertes Fläschchen (Fig. 3), ein halbkugeliges
gehenkeltes Schälchen von 6,5 cm Durchmesser und
ein nur 5 cm hohes und etwa ebenso weit ausgebauchtes
Uernchen mit allmählich etwas ver-
engtem Halse und mehrfacher Verzierung, indem unten an
das die Oehsen verbindende Band von 6 Parallelstrichen
ein solches aus gestrichelten, in einander geschobenen
Dreiecken angefügt ist und oben solche Dreiecke einzeln
zinnen- oder treppenartig aufgesetzt sind; das ist die
Auflösung eben jenes Ornaments (Fig. 4).
Solche kleine, dunklere und weniger sorgfältig gearbeitete
Gefässe sind in grosser Menge auf Urnenfeldern, auf
denen das Eisen auch bei uns erscheint und die der Ausgangszeit
des Lausitzer Typus angehören, gefunden worden, so
in der
Nähe bei Steinkirchen-Eilerborn und weiter ab bei
Guben-Chöne, Reichersdorf,
Strega u. a., ohne Zweifel meistens nicht etwa Kinderspielzeug,
sondern verkleinerte Nachbildungen von Gebrauchsge fassen,
die zu dem Zwecke, an deren Stelle dem Todlen mitgegeben
zu werden, in einer Zeit angefertigt wurden, da bei uns
die Töpferkunst sichtbar im Rückgang begriffen
war.
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In Masse und Arbeit sind
sonst die meisten aus feinerem Thone mit Geschick
und Geschmack hergestellten, leidlich bis scharf gebrannten,
ziemlich dünnwandigen, lederfarbigen bis chokoladenbraunen
oder schiefer- und bläulich-grauen Thongefässe
ganz von der Art der rühmlichst bekannten Lausitzer
Gefasse. Derart werden auch die 5 gewesen sein, die in
einem der drei noch übrigen Gräber standen,
von denen ich sonst nichts weiter habe erfahren können.
An Metall und zwar an Bronze enthielten die drei grossen
Leichenurnen der zuletzt beschriebenen Familiengruft folgende
Beigaben:
1. Zwei sehr gut erhaltene,
dunkel oxydirte, fast noch glänzende Nadeln
von etwas mehr als 1 2 cm Länge und 3 4 mm
Dicke, die 8 9 mm unter der
kleinen flachen und unverzierten Knopfscheibe eine doppelkegelförmige
Verdickung
des Schaftes haben, übrigens mit stark hervorstehender
Gussnaht und auch sonst
nicht sauber abgeputzt, eine wohl als Entartung der Vasen-
oder Mohnkopfnadel
zu bezeichnende Form, die auch sonst in unserer Gegend
bis in die beginnende
Eisenzeit hinein nicht allzu selten ist, z. B. bei Steinkirchen,
Freiwalde und Haass.
2. Die Reste zweier nicht
sehr breiter Armbänder, die aus drei platten,
3 4 mm breiten Bandstreifen bestanden und wohl
spiralig gewunden waren.
3. Die Bruchstücke
eines kleinen Fingerreifs, der aus dünnstem Bronze-
draht schleifenartig umgebogen war, wie deren viele auf
Gräberfeldern dieser
Zeit gefunden sind; ein wohl erhaltener, dunkel patinirter
Spiralring von 1,9 2 cm
Durchmesser aus starkem, 34 mm breitem Bronzestreifen
anderthalbmal herum-
gewunden und an den Enden schräg abgeschnitten (Fig.
5); ein kleinerer, aus
dickem rundem Draht zusammengebogener, aber an der Berührungsstelle
offener
Fingerring.
Fig. 6. Vi
Fig. 5.
4. Ein strickartig gewundener
Hals ring aus 3 4 mm dickem rundem Bronze-
draht mit vierkantigen, zu Oehsen zurückgebogenen
Enden, nach Tisch ler' s Be-
zeichnung ein Bügelring" (Fig. 6), ursprünglich
zwischen den Oehsen einige Centimeter weit geöffnet
und, wenn kreisförmig gebogen, mit etwa 9 ewi, wenn
mehr oval, mit 8 und 10 cm Durchmesser, da der Draht gestreckt
28 cm lang ist, jetzt aber zu einem Langoval in sich zusammengebogen,
übrigens in mehrere Stücke zerbrochen, mit schmutzig
grüner, weiss gesprenkelter Patina. Es ist einer
von den dünnen Wendelringen, die mit Oehsen oder
mit petschaftartigen Enden an mehreren anderen Orten der
Lausitz, vornehmlich nach dem Südosten hin (Straupitz,
Zauchel, Strega, Sorge, Alt-Rehfeld; Frstl.-Drehna) und
öfter mit Eisen zusammengefunden sind und hier wie
an der unteren Havel (Voss und Stimming, Alterth. d. Mark
Brdbrg., Abth. II, Taf. I) und in Ost-Holstein (Freund,
Die präh. Abthlg. d. Mus. z. Lübeck, S. 11)
der jüngeren und jüngsten Bronzezeit angehören,
übrigens meist Depot-Funde sind und nicht aus Gräbern
herrühren.
5. Mehrere nicht bestimmbare
Brocken von Schmucksachen.
93
6. Endlich wieder
eine grosse Seltenheit in einer Leichenurne 91
sehr
gut erhaltene, ring- oder tönnchenförmige Bronzeperlen
von 1,5 5 mm Höhe
und 3 G mm Durchmesser, an denen man noch recht
deutlich sehen kann, wie
das zusammengebogene Stück des etwas gerundeten Bronzestreifens
zugeschweisst
ist, ehedem zu einer kostbaren Halskette wohl mit verbrannten
Zwischenstückchen
von Holz oder einem anderen vergänglichen Stoff verbunden.
Darauf deutet auch
der Umstand, dass öfter 3 5 Perlen auf einem
feinen, mitunter sogar hohlen
Bronzedraht aufgereiht und nun durch Feuer oder Oxyd zusammengebacken
sind.
So mögen sie vielleicht alle erst in solchen Gruppen
und dann erst mit jenen
Zwischenstücken zur Kette aufgereiht gewesen sein.
Alle diese Beigaben sind
Schmuckstücke; Waffen oder auch nur Messer fehlen
gänzlich. Demnach sind auch in diesen drei Leichenurnen
Frauen begraben.
Sollten die in dem vierten Behältniss, in der bedeckten
Schüssel ohne Beigaben
beigesetzten Gebeine etwa die des zugehörigen Mannes
sein, zumal da in dieser Zeit, wenigstens in der Lausitz,
die Mitgabe bronzener Waffen nicht bräuchlich gewesen
zu sein scheint? Dann hätten wir, nach dem reichen
Schmuck und der besonders sorgfaltigen Herrichtung der
Grabstätte zu schliessen, hier die Gruft eines sehr
vornehmen Mannes mit seinen Frauen, etwa auch einer Tochter,
vielleicht die des Häuptlings der Ansiedler, die
hier ihre Todten bestattet haben.
Sämmtliche Bronzen
gehören, wie schon angedeutet, der Hallstattzeit
und
zwar meist der jüngsten an, in der auch in der etwas
abgelegenen Lausitz das
Eisen auftritt, obgleich hier auf unserem Urnenfelde sich
keins gefunden hat.
Zu dieser Zeitbestimmung
passt auch, was uns die Gefässe schon genauer
gezeigt haben; das Gräberfeld reicht vom Ausgang
der älteren Lausitzer
Periode bis zum Ausgang der Lausitzer Blüthezeit,
also etwa vom Anfang
des 6. vorchristlichen Jahrhunderts bis in das 4. hinein,
und ist auch darin den
15 km westsüdwestlich entfernten 3 bei Freiwalde
gelegenen, von Degner in den
Verhandl. d. Berl. Ges. f. Anthr., Jahrg. 1890, S. 623635
treflTlich beschriebenen Gräberfeldern besonders
ähnlich. Und diese lange Zeit der Belegung beweist
auch wieder, dass leider! die meisten Grüfte schon
länger zerstört sein müssen.
Steht so das Urnenfeld
mit allen seinen Einschlüssen in dem Lausitzer Formen-
kreis, so weisen seine Besonderheiten wie auch
die der Freiwalder Felder
nach Osten und Südosten über die Lausitz hinaus.
Die am Untertheil ge-
musterten Urnen, die schrägen Rippen, der fein profilirte
Trinkbecher mit hohem
Standfu8S, die Dreiecksverzierung der plumpen Tasse, auch
das verhältnissmässige
Vorwiegen der Tassen unter den Beigefässen, selbst
der B-Henkel (vgl. die 2 bei
Wilmersdoif b. Beeskow gefundenen), namentlich aber die
mehrfache Verzierung
und das sogenannte Treppenornament an dem kleinen Uernchen
verknüpfen es mit
den Gräberfeldern von Wittmannsdorf, Skuhlen, Friedland
und Giesensdorf und
von Grunow und Ossig, Kr. Guben und durch diese weiter
mit denen des Aurither
Formenkreises und des benachbarten Posens, von wo mithin
die Einflüsse hier
am weitesten nach Westen vorgedrungen sind Das habe ich
in der eingehenderen
Beschreibung des Urnenfeldes im 5. Bande unserer Niederlausitzer
Mittheilungen
genauer nachgewiesen.
Lübben. Weineck.
--------------------------
Schlepzig, Kr. Lübben.,
Juederlaus. Uruenfeld.
Urnen u. Beigefässe a versch. Perioden d.
Lausitzer Typus (G.- 4. Jahrh. v Chr.),
Bronzeschmucksachen der Hallstattzeit.
Weineck: Nachr. H. 6, S. 88-93. Abbn.
Niederlaus Mitth. S 95-111. Abbn.
Leibchel, Kr. Lübben, Brand. Feuersteinaxt
Weineck: Niederlaus. Mitth. S. 111-112.