Einige historische Bemerkungen

 

Schon zu Zeiten, als die Wenden die Lausitz besiedelten, wurde die Siedlungsstelle um die Spreestaustufe vor unserem Haus von einem jungen Wendenfürsten namens Wussilo bewirtschaftet. Von diesem jungen, ungestümen Mann ist eine Legende überliefert, wie sie romantischer nicht sein könnte

FÜRST WUSSILO VON SCHLEPZIG:

Vor jetzt über 1000 Jahren wurde Schlepzig erstmalig urkundlich erwähnt und ist damit eine der ältesten Siedlungen in Brandenburg überhaupt. Am 8.August 2004 konnten Schlepzig und seine Gäste dann das 1000-jährige Jubiläum feiern.

ORIGINALTEXT DER URKUNDE (in deutscher Übersetzung)

Bereits 1374 wurde unser Hof, auf dem sich die Spreewälder Privatbrauerei 1788 und der Landgasthof zum grünen Strand der Spree befinden, urkundlich erwähnt. Der damalige Lehnsmann hieß Hans Schenbub. Seine Söhn Peter und Hans übernahmen nach seinem Tod das Recht einen Eisenhammer zu betreiben.Wegen seiner Lage an einer Spreestaustufe war dort nämlich ein Eisenhammer errichtet worden, dessen weitere Geschichte sich bis in das 17. Jahrhundert verfolgen lässt. Es wurde Raseneisenerz verhüttet. Als später gehaltvolleres Erz aus Sachsen zur Verfügung stand, wurde der Hammer aufgegeben und es entwickelte sich eine Säge-, Korn- und Ölmühle daraus. 1769 brannte die Mühle wie viele andere Gebäude in Schlepzig ab und so wurde ab 1771 zusätzlich zur wiederaufgebauten Mühle auch eine Schankwirtschaft gebaut und zwar auf der Schlacke des alten Eisenhammers.

Karte von Schlepzig und Umgebung von 1758 mit dem Fließsystem des Unterspreewaldes

1788 erhielt der damalige Wirt, Johann Gottlieb Streichhan, das Brenn-, Brau- und Schankrecht. Über die Familiennamen Streichhan, Riech, Tennert und Schulz blieb die Schankwirtschaft genau 200 Jahre lang im Familienbesitz. Praktischerweise haben sogar die Brüder Tennert, Julius und Rudolf, zum Ende des letzten Jahrhunderts Mutter und Tochter Riech geheiratet.

Ob und bis wann im späteren Landgasthof zum grünen Strand der Spree je Bier gebraut worden ist, bleibt leider im Dunkel der Geschichte. Schnaps ist ausweislich einiger erhalten gebliebener Streitfallakten bis in das 19. Jahrhundert gebrannt worden.

Das "Doktorhaus" vor dem Landgasthof

HISTORISCHE BILDERGALERIE

1991 erwarben die jetzigen Eigentümer den Gasthof und bauten ihn aus. Am 1.1.1993 wurde er eröffnet.

1997 reifte der Entschluss, wieder ein Bier aus dem Spreewald für den Spreewald brauen zu lassen. Eine ehemalige Scheune wurde zum Standort für eine kupferblitzende Gasthofbrauerei mit einer Maximalkapazität von 3000 Hektolitern Bier pro Jahr. 150 bis 200 Gäste können seit dem 1.7.1998 dem Braumeister bei der Arbeit zusehen und das Ergebnis seines Könnens gleich vor Ort verkosten.

Im Sommer 2003 wurde in der "Spreewälder Feinbrand- und Spirituosenfabrik" auch wieder die Tradition des Schnapsbrennens und der Spirituosenherstellung eingeführt. 2011 endstand der Brennereihof mit "Spreewaldini".

Im Frühjahr 2004 haben wir ein Weidenhaus errichtet, das für kulturelle Veranstaltungen zur Verfügung steht.

 

2011 wollen wir uns weiter vergrößern. Ein Vorhaben und Erschließungsplan ist auf den Weg gebracht, der es uns ermöglichen wird weitere 36 hochwertige Zimmer und Suiten zu errichten.

Aber erstmal müssen wir noch ein bisschen Geld verdienen. Oder wir finden einen Partner!?

Wir freuen uns, Sie in der Spreewälder Privatbrauerei 1788 und im Landgasthof zum grünen Strand der Spree begrüßen zu dürfen.

 

Am grünen Strand der Spree

Melodie - Rudolf Bial

1. Wohin ich wand're durch die Welt,
Weit über Meer und Land,
Der Ort sich frisch im Herzen hält,
Wo meine Wiege stand.
Ja, kämsBerliner Kind hinaus
Ins Glücksland ohne Weh,
|: Es kehrt zurück ins Vaterland
Am grünen Strand der Spree. :|
2. Wir haben keine Berge hoch,
Kein üppig fruchtbar Land,
Und lieben unsre Heimat doch,
Wie sie schuf unsre Hand.
Und nennt man uns auch schönheitsarm
Auf märk'schen Sand und See,
|: Die Herzen schlagen doppelt warm
Am Grünen Strand der Spree. :|

3. Pocht irgenwo des Unglücks Macht
Recht hart und grausam an,
Ist hier zu helfen Tag und Nacht
Bereit wohl jedermann.
Berlin, du leidgeprüfte Stadt,
Hast manchen Sturm gesehn,
|: Doch hob man stets das Haupt empor
Am grünen Strand der Spree. |

4. Berlin, du sollst ein Beispiel sein,
Für Fleiß und klaren Sinn,
Für nie versagend' tapfern Mut,
Du, unsre Königin.
Wir lieben dich zu jeder Stund'
In Freude Schmerz und Weh,
|: Wir preisen dich mit Herz und Mund
Am Strand der grünen Spree.

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Nachrichten über
deutsche Alterthumsfunde

Rudolf Ludwig Karl Virchow, A. V-
Gesellschaft für Anthropologie, E

Nachrichten über deutsehe Alterthumsfunde.

1897.

Mit Unterstützung
des Königlich Preussischen Ministeriums der geistlichen, Unterrichts-
und Medicinal- Angelegenheiten

herausgegeben von der

Berliner Gesellschaft für Anthropologie, Ethnologie
und Urgeschichte
unter Redactiou von R. Virchow un d A. Voss.

Ergänzungsblätter zur Zeitschrift für Ethnologie.

BERLIN.

Verlag von A. Asher&Co.
1898.
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Inhalts -Verzeichnis.

Seite

1) Brandgräber der Völkerwanderungs-Zeit von Messdorf, Kr. Osterburg 1

2) Germanische Begrabnissstätten am Niederrhein:

I. Ausgrabungen in Henmar 2

II. „ bei Duisburg 6

3) Bronze-Depotfund von Clempenow, Pommern (5 Zinkogr.) 7

4) Ein römischer Meierhof bei Ungstein in der Pfalz 11

5) Neue Fundo von der Feuerstein- Werkstatte bei Guschter-Hollander, Kr. Friedeberg 11

6) Halbfertige Steinh&mmer von der Bremsdorfer Mühle, Kr. Guben 12

7) Otterfallen von Gross-Lichterfelde, Kr. Teltow 12

8) Steingeräthe auf Kögen 13

o) Thongefäss der Völkerwanderungs-Zeit von Behle, Posen (3 Zinkogr.) 15

10) Merovingische Emailperlen von Dollgen, Kr. Prenzlau (2 Zinkogr.) 16

11) Hügelgräber auf dem Brommbarge, Wessenstedt, Kr. Uelzen (3 Situationsskizzen,

2 Autotypien und 1 Holzschnitt) 17

12) Hügelgräber bei Schlagenthin, Kr. Tuchel (4 Situationsskizzen) 33

13) Steinkiste bei Kl. Kensau, Kr. Tuchel (1 Autogr.) 35

14) Vorgeschichtliche Funde aus der Umgegend von Graudenz (l Autogr.) 36

15) Märkische Alterthümer (8 Zinkogr.) 36

16) Kupferne Doppelaxt von Börssum (1 Zinkogr.) 41

117) Bronzefund von Lekow, Kr. Schivelbein, Pommern 42

118) Fundstelle bei Bornim, Kr. Ost-Havelland 44

*19) Zwei Bronzefunde aus Pommern (Rügen und Usedom) (12 Zinkogr.) .... 44. 96

20) Römische Fingerringe von Hammelstall bei Brüssow, Uckermark (1 Zinkogr.) . . 48

: B1) Bericht über das Provincialmuseum in Bonn 1896/97 69

J22) Bericht über das Provincialmuseum in Trier 1896/97 73

4*8) Langobardisch-sächsischer Friedhof bei Nienbüttel, Kr. Uelzen (9 Abbild.) .... 77

M) Neue Funde von S. Lucia bei Tolraein ,. • 80

15) Hügelgräber am Losenmeere bei Haarstorf, Kreis Uelzen (1 Situationsskizze und

13 Abbild.) 81

16) Urnenfeld bei Schlopzig, Kr. Lübben, Niederlausitz (6 Abbild.) 88

ft^ Ein Küstenfund bei Lietzow, Rügen 94

28) Bronzeschwert von Felchow, Kr. Angermündo 95
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Ein Urnenfeld bei Schlepzig, Kr. LUbben, in der Niederlausitz.

(Vorgelegt in der Sitzung der Berliner Anthropologischen Gesellschaft vom 16. Oct. 1897.)

Schlepzig, ein ansehnliches Dorf, liegt 12 km nördlich von Lübben am Rande
des Unterspreewaldes, auf einer in den alten See nach NO. vorspringenden Halb-
insel, mithin an einer Stelle, die für eine auf Fischfang und Viehzucht gegründete Ansiedlung in der Vorzeit sehr günstig war und dieser guten Schutz gewährte. Und so giebt denn von einer solchen auch das ausgedehnte Urnenfeld Zeugniss, das der Lehrer Hr. Seiling im letzten Frühjahr aufgedeckt und ausgenommen hat.

- 89 —

Es liegt etwa 200 Schritt nordöstlich von der Kirche am Rande der sumpfigen
Niederung. Seine Ausdehnung lässt sich nicht mehr feststellen, da es grossentheils schon zerstört war, wohl gelegentlich bei der Beackerung; denn von einer früheren Ausgrabung ist nichts bekannt, doch sollen einige Thongefässe und wohl auch Bronzesachen im Dorfe noch vorhanden sein. Was ich gehört und zum Theil gesehen habe, ist Folgendes.

Lückenlos bei einander lagen noch 6 Gräber, 4 — 5 m von einander, vom Mittel-
punkt aus gemessen, und zwar waren dies die jüngsten. Auf welchem Theile des
ausgedehnten Urnenfeldes diese aber lagen, kann ich nicht sagen. Von diesen lag
das nächste Grab wohl 30 m weit entfernt und das letzte noch aufgefundene wieder
20 m weiter, so dass dazwischen ohn fraglich viele schon zerstört waren.

Die Grüfte lagen V 2 — 1 m unter dem jetzigen Ackerboden und waren mi
Steinen nur spärlich umsetzt, namentlich fehlte gänzlich eine Steindecke; doch kann gerade diese sehr wohl beim Beackern weggeschafft sein.

Indem zuletzt bezeichneten, weit abliegenden Grabe war die Leichen-
urne, so weit sich aus den Bruchstücken erkennen lässt, ein von unten weit aus-
gebauchter, dann aber ziemlich gerade aufsteigender Topf von etwa 40 cm Höhe
und 30 cm Oeffnung, der am Boden jenes räthselhafte Loch hatte — für die Seele?
— oder zu wirtschaftlichen Zwecken, etwa zum Ablaufen des Molkens? Aus
dem Grabe ist früher schon ein diesem ganz ähnliches Beigeföss herausgekommen,
aussen rauh und oben noch mit leistenartigen Ansätzen versehen. An weiteren
Beigefässen enthielt das Grab die Bruchstücke zweier (oder nur einer?) Buckelurne mit wenig hervorstehenden Buckeln, einen kleinen, massig ausgebauchten henkellosen Topf mit breit umgeklapptem Bande und einen nach oben eingezogenen Pokal auf hohem, stark verengtem Standfuss, über dem, wie wahrscheinlich auch an dem fehlenden oberen Theile, er mit reifenartigen Parallelfurchen umzogen war;
also mit der Leichenurne 6 (oder 5) Gefässe, die durch die Form und die sehr
spärliche Verzierung in die ältere Zeit des Lausitzer Typus verweisen, aber, da
die Buckelurnen nur als Beigefässe und nur klein und mit niedrigen Buckeln er-
scheinen, an das Ende dieser Zeit, mithin ganz an den Ausgang des 7. oder eher
in den Anfang des 6. Jahrhunderts v. Chr., zumal da die Metall beigaben kein
böheres Alter verrathen.

Auf dem Leichenbrande lag nehmlich von Bronze eine leider nur zerbrochen
herausgebrachte Spirale von sehr dünnem, an beiden Enden zurückgebogenem
Draht, etwa 1 cm hoch und 2 cm weit, und eine im Feuer des Leichenbrandes am
Kopfende entstellte, etwas abgeschmolzene kleine Nadel, nur 7,7cm lang und 3 mm dick.
Muthmaasslich war das Kopfende von gleichem Durchmesser, wie die übrige Nadel,
kaum merklich abgeschnürt und lief vielleicht in eine (abgebrochene) kleine Spitze aus, eine bei uns nicht gerade seltene, in der Hallstattzeit in Deutschland und im Norden ziemlich verbreitete Art, bei der Sophus Müller auf ursprünglichen Import aus dem Süden schliesst. Auf den Urnenfeldern bei Reichersdorf, wo sie häufig und zwar mit kugelrundem Knopfe vorkommt, bei Starzeddei und Guben-Chöne ist sie bereits mit Eisen zusammen (Vcrhandl. d. Berl. Ges. f. Anthr., 1890, S. 358;
Niederl. Mitthlg., II, S. 396). Da somit diese Nadeln erst in späterer Zeit recht verbreitet waren, so ist die unsere in dieser älteren Zeit ein seltenes und kostbares Stück gewesen, und wir haben hier gewiss das Grab einer vornehmen Frau. Auf das höhere Alter mag auch die mürbe Beschaffenheit der vollständig schmutzig grünen und gesprenkelt oxydirten Bronze deuten.

Das andere vereinzelte Grab war schon arg durchwühlt, und so fanden
sich darin nur noch die Reste zweier Gefässe, der grossen Leichenurne von grobem

— 90 —

grauschwarzem Thon, die unten mit strahligen oder durcheinanderlaufenden
Strichen bedeckt war, und die eines dickwandigen, sehr weit geöffneten flachen,
aussen ganz rauh gemachten Gefässes, das unter dem stark eingezogenen und
umgelegten Halse einen perlenartig gegliederten Wulst hat, eine bei uns selten
vorkommende und der jüngeren Zeit angehörende Verzierung. — Metallbeigaben
fehlten.

Wieder andere, auf höheres Alter deutende Gefässe enthielt das erste der
zusammenliegenden Gräber. Ueber dem fast kugelig gerundeten Untertheil
erhebt sich scharf abgesetzt gerade und schlicht der Hals, so viel ich mich erinnere, an allen ohne Henkel oder Oehsen. Zwei von diesen vier Gefässen waren ganz unverziert, die Leichenurne und ein kleines Beigefäss hatten schräg über die Weitung herunterlaufende, weit von einander stehende, scharf abgestrichene Rippen.
Dazu kommen die Bruchstücke eines jedenfalls über die Knochenurne gedeckten
Tellers mit mehrfach abgestrichenem Rande, sowie ein gehenkeltes und zwei un-
gehenkelte flache runde Schälchen mit der bekannten mittleren Bodenerhebung,
zusammen 8 Gelasse, eine nicht geringe Zahl. — Metailbeigaben fehlten auch in
dieser noch nicht durchwühlten Gruft. — Die immer noch scharf gebrochenen
Umrisslinien, der Mangel an Verzierungen ausser den spiralig verlaufenden Rippen
und diese selbst, die nicht mehr dick aufgelegt, aber auch noch nicht in der Art
der späteren Kehlstreifen dicht bei einander abgestrichen sind, verweisen nach der Aehnlichkeit anderer Lausitzer Urnenfelder, z. B. des bei Friedland und Skuhlen, Kr. Lübben, Ratzdorf und Koschen, Kr. Guben und Freiwalde und Tröbitz, Kr. Luckau, das Grab in die Uebergangszeit zur Blüthe des Lausitzer Typus.

Dieser Blüthezeit gehörte ohne Frage das Nachbargrab an, das am besten
hergerichtet, ausgestattet und auch erhalten war, das zweite in der zusammen-
hangenden Reihe. Ein loser Ring aus kleineren und mittleren Feldsteinen von etwa
1 '/* ro Durchmesser und darüber ein zweiter engerer schlössen die in der Mitte
zusammenstehenden 4 Leichengefässe und die 15 zugehörigen Beigefässe ein, die
in dem engen Raum zum Theil schräg über einander standen. Dass ein Grab
mehrere Beisetzungen umschliesst, ist auf den Urnenfriedhöfen unserer Gegend,
ganz abgesehen von den Hügelgräbern, häufig beobachtet, so am Kietz und Raths-
vorwerk bei Lübben, bei Steinkirchen — Ellerborn, bei Starzeddel und Guben-
Chöne und namentlich bei Freiwalde. Ja, unsere Gruft scheint von vorn herein
darauf eingerichtet gewesen zu sein, da die Leichengefässe in der Mitte zu-
sammenstanden und so wohl für jedes mit den Beigefassen ein Kreisausschnitt
bestimmt war. Auch war keine Störung durch die Nachbegräbnisse wahrzunehmen,
ausser etwa dass gerade die Leichengefässe zerbrochen waren. Drei von diesen
waren grosse Terrinen mit Oehsen und Kehlstreifen auf der Ausbauchung, und
diese enthielten reiche Beigaben von Bronze; die Knochen der vierten Leiche lagen
in einer tiefen Schüssel, die mit einer ebensolchen bedeckt war, ohne Metall-
beigaben. An einer dieser Schüsseln war der Rand schräg gekerbt, an der andern
war die strickartige Kerbung auf der Umbiegung des nach innen umgelegten Randes
angebracht — An Beigefässen standen dabei kleinere Urnen mit Kehlstreifen
oder dem bekannten Bande ineinandergeschobener gestrichelter Dreiecke, eine
auch damit gezierte raittelgrosse Flasche, zwei etwas plumpe hohe und weite
Tassen, deren eine in ähnlicher Weise mit grossen Dreiecken von rechtwinklig
zu einander gestellten Gruppen paralleler Striche bedeckt war, eine kleine, sehr
zierliche Tasse mit ganz kleiner Stehfläche, weit und flach ausgebaucht, unter dem
stark eingezogenen Halse mit hohem Henkel durch umlaufende Parallelfurchen
verziert, einige gehenkelte und ungehenkelte flache, runde Schalen mit innerer

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Bodenerhebung und Stücke von Decktellern mit facettirtera Bande: alles Formen,
die durchaus der Blüthezeit des Lausitzer Typus angehören. In den Anfang dieses
Zeitraums gehören nach Masse, Arbeit und Form auch zwei wohl in einem Nach-
bargrabe gefundene äusserst seltene Stücke, die aus feinem, gut gebranntem,
gelbem Thone dünnwandig und sorgfältig hergestellt sind, erstlich ein ohne den
übrigen Gefasskörper beigelegter massig grosser Hals einer Flasche oder eines
Kruges mit einem aus zwei übereinander geordneten Oehsen bestehenden sogen.
B -Henkel (Fig. 1). deren bis jetzt meines Wissens erst 8 bekannt sind, in der
Niederlausitz und an deren Grenzen einer von Schlagsdorf, Kr. Guben (Verhandl.
d. Berl. Gesellsch. f. Anthr., 1892, S. 274 f.), zwei von Wilmersdorf bei Beeskow
(ebenda 1893, S. 456), und weiter ab je einer von Güssfeld bei Salzwedel, von
Königswartha in der Oberlausitz und von Heidenstatt bei Egenburg in Nieder-
Oesterreich, und auch im Königreich Sachsen soll ein solches Gefäss gefunden
sein, und dazu nun das von Schlepzig. Das zweite ist eine Verzierung, die, so viel ich weiss, noch nicht beobachtet ist, nämlich an dem übertheil eines weitbauchigen Kruges unter dem scharf abgesetzten cylindrischen Halse ein herumlaufendes Band schmaler Parallel furchen, das, an den beiden Oehsen unterbrochen, hier zu jeder Seite ein Stück herunterläuft und dann mit 4 — 5 kurzen Querstrichen abschliesst, offenbar die Nachbildung eines an beiden Seiten herabhangenden bequasteten Gürtels. (Siehe nachstehende, aus dem Gedächtniss aufgezeichnete
Fig. 2.)

Fig. 1.

Fig. 2.

Fig. 3.

Fig. 4.

Ueber den angegebenen Zeitraum herunter weisen nun noch drei, ich weiss
nicht ob diesem oder einem Nachbargrabe entnommene sehr niedliche Gefässe,
die sich durch die dunklere Farbe wie durch die Form der erwähnten feineren
Tasse anschliessen: ein nur 8 cm hohes und ebenso weit ausgebauchtes, nach unten
und oben stark verjüngtes, mit reifenartigen Furchen verziertes Fläschchen (Fig. 3), ein halbkugeliges gehenkeltes Schälchen von 6,5 cm Durchmesser und ein nur 5 cm hohes und etwa ebenso weit ausgebauchtes Uernchen mit allmählich etwas ver-
engtem Halse und mehrfacher Verzierung, indem unten an das die Oehsen verbindende Band von 6 Parallelstrichen ein solches aus gestrichelten, in einander geschobenen Dreiecken angefügt ist und oben solche Dreiecke einzeln zinnen- oder treppenartig aufgesetzt sind; das ist die Auflösung eben jenes Ornaments (Fig. 4).
Solche kleine, dunklere und weniger sorgfältig gearbeitete Gefässe sind in grosser Menge auf Urnenfeldern, auf denen das Eisen auch bei uns erscheint und die der Ausgangszeit des Lausitzer Typus angehören, gefunden worden, so in der
Nähe bei Steinkirchen-Eilerborn und weiter ab bei Guben-Chöne, Reichersdorf,
Strega u. a., ohne Zweifel meistens nicht etwa Kinderspielzeug, sondern verkleinerte Nachbildungen von Gebrauchsge fassen, die zu dem Zwecke, an deren Stelle dem Todlen mitgegeben zu werden, in einer Zeit angefertigt wurden, da bei uns die Töpferkunst sichtbar im Rückgang begriffen war.

— 92 —

In Masse und Arbeit sind sonst die meisten aus feinerem Thone mit Geschick
und Geschmack hergestellten, leidlich bis scharf gebrannten, ziemlich dünnwandigen, lederfarbigen bis chokoladenbraunen oder schiefer- und bläulich-grauen Thongefässe ganz von der Art der rühmlichst bekannten Lausitzer Gefasse. Derart werden auch die 5 gewesen sein, die in einem der drei noch übrigen Gräber standen, von denen ich sonst nichts weiter habe erfahren können. An Metall und zwar an Bronze enthielten die drei grossen Leichenurnen der zuletzt beschriebenen Familiengruft folgende Beigaben:

1. Zwei sehr gut erhaltene, dunkel oxydirte, fast noch glänzende Nadeln
von etwas mehr als 1 2 cm Länge und 3 — 4 mm Dicke, die 8 — 9 mm unter der
kleinen flachen und unverzierten Knopfscheibe eine doppelkegelförmige Verdickung
des Schaftes haben, übrigens mit stark hervorstehender Gussnaht und auch sonst
nicht sauber abgeputzt, eine wohl als Entartung der Vasen- oder Mohnkopfnadel
zu bezeichnende Form, die auch sonst in unserer Gegend bis in die beginnende
Eisenzeit hinein nicht allzu selten ist, z. B. bei Steinkirchen, Freiwalde und Haass.

2. Die Reste zweier nicht sehr breiter Armbänder, die aus drei platten,
3 — 4 mm breiten Bandstreifen bestanden und wohl spiralig gewunden waren.

3. Die Bruchstücke eines kleinen Fingerreifs, der aus dünnstem Bronze-
draht schleifenartig umgebogen war, wie deren viele auf Gräberfeldern dieser
Zeit gefunden sind; ein wohl erhaltener, dunkel patinirter Spiralring von 1,9 — 2 cm
Durchmesser aus starkem, 3—4 mm breitem Bronzestreifen anderthalbmal herum-
gewunden und an den Enden schräg abgeschnitten (Fig. 5); ein kleinerer, aus
dickem rundem Draht zusammengebogener, aber an der Berührungsstelle offener
Fingerring.

Fig. 6. Vi

Fig. 5.

4. Ein strickartig gewundener Hals ring aus 3— 4 mm dickem rundem Bronze-
draht mit vierkantigen, zu Oehsen zurückgebogenen Enden, nach Tisch ler' s Be-
zeichnung ein „Bügelring" (Fig. 6), ursprünglich zwischen den Oehsen einige Centimeter weit geöffnet und, wenn kreisförmig gebogen, mit etwa 9 ewi, wenn mehr oval, mit 8 und 10 cm Durchmesser, da der Draht gestreckt 28 cm lang ist, jetzt aber zu einem Langoval in sich zusammengebogen, übrigens in mehrere Stücke zerbrochen, mit schmutzig grüner, weiss gesprenkelter Patina. Es ist einer von den dünnen Wendelringen, die mit Oehsen oder mit petschaftartigen Enden an mehreren anderen Orten der Lausitz, vornehmlich nach dem Südosten hin (Straupitz, Zauchel, Strega, Sorge, Alt-Rehfeld; Frstl.-Drehna) und öfter mit Eisen zusammengefunden sind und hier wie an der unteren Havel (Voss und Stimming, Alterth. d. Mark Brdbrg., Abth. II, Taf. I) und in Ost-Holstein (Freund, Die präh. Abthlg. d. Mus. z. Lübeck, S. 11) der jüngeren und jüngsten Bronzezeit angehören, übrigens meist Depot-Funde sind und nicht aus Gräbern herrühren.

5. Mehrere nicht bestimmbare Brocken von Schmucksachen.

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6. Endlich — wieder eine grosse Seltenheit — in einer Leichenurne 91 sehr
gut erhaltene, ring- oder tönnchenförmige Bronzeperlen von 1,5 — 5 mm Höhe
und 3 — G mm Durchmesser, an denen man noch recht deutlich sehen kann, wie
das zusammengebogene Stück des etwas gerundeten Bronzestreifens zugeschweisst
ist, ehedem zu einer kostbaren Halskette wohl mit verbrannten Zwischenstückchen
von Holz oder einem anderen vergänglichen Stoff verbunden. Darauf deutet auch
der Umstand, dass öfter 3 — 5 Perlen auf einem feinen, mitunter sogar hohlen
Bronzedraht aufgereiht und nun durch Feuer oder Oxyd zusammengebacken sind.
So mögen sie vielleicht alle erst in solchen Gruppen und dann erst mit jenen
Zwischenstücken zur Kette aufgereiht gewesen sein.

Alle diese Beigaben sind Schmuckstücke; Waffen oder auch nur Messer fehlen
gänzlich. Demnach sind auch in diesen drei Leichenurnen Frauen begraben.
Sollten die in dem vierten Behältniss, in der bedeckten Schüssel ohne Beigaben
beigesetzten Gebeine etwa die des zugehörigen Mannes sein, zumal da in dieser Zeit, wenigstens in der Lausitz, die Mitgabe bronzener Waffen nicht bräuchlich gewesen zu sein scheint? Dann hätten wir, nach dem reichen Schmuck und der besonders sorgfaltigen Herrichtung der Grabstätte zu schliessen, hier die Gruft eines sehr vornehmen Mannes mit seinen Frauen, etwa auch einer Tochter, vielleicht die des Häuptlings der Ansiedler, die hier ihre Todten bestattet haben.

Sämmtliche Bronzen gehören, wie schon angedeutet, der Hallstattzeit und
zwar meist der jüngsten an, in der auch in der etwas abgelegenen Lausitz das
Eisen auftritt, obgleich hier auf unserem Urnenfelde sich keins gefunden hat.

Zu dieser Zeitbestimmung passt auch, was uns die Gefässe schon genauer
gezeigt haben; das Gräberfeld reicht vom Ausgang der älteren Lausitzer
Periode bis zum Ausgang der Lausitzer Blüthezeit, also etwa vom Anfang
des 6. vorchristlichen Jahrhunderts bis in das 4. hinein, und ist auch darin den
15 km westsüdwestlich entfernten 3 bei Freiwalde gelegenen, von Degner in den
Verhandl. d. Berl. Ges. f. Anthr., Jahrg. 1890, S. 623—635 treflTlich beschriebenen Gräberfeldern besonders ähnlich. Und diese lange Zeit der Belegung beweist auch wieder, dass leider! die meisten Grüfte schon länger zerstört sein müssen.

Steht so das Urnenfeld mit allen seinen Einschlüssen in dem Lausitzer Formen-
kreis, so weisen seine Besonderheiten — wie auch die der Freiwalder Felder —
nach Osten und Südosten über die Lausitz hinaus. Die am Untertheil ge-
musterten Urnen, die schrägen Rippen, der fein profilirte Trinkbecher mit hohem
Standfu8S, die Dreiecksverzierung der plumpen Tasse, auch das verhältnissmässige
Vorwiegen der Tassen unter den Beigefässen, selbst der B-Henkel (vgl. die 2 bei
Wilmersdoif b. Beeskow gefundenen), namentlich aber die mehrfache Verzierung
und das sogenannte Treppenornament an dem kleinen Uernchen verknüpfen es mit
den Gräberfeldern von Wittmannsdorf, Skuhlen, Friedland und Giesensdorf und
von Grunow und Ossig, Kr. Guben und durch diese weiter mit denen des Aurither
Formenkreises und des benachbarten Posens, von wo mithin die Einflüsse hier
am weitesten nach Westen vorgedrungen sind Das habe ich in der eingehenderen
Beschreibung des Urnenfeldes im 5. Bande unserer Niederlausitzer Mittheilungen
genauer nachgewiesen.

Lübben. Weineck.

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Schlepzig, Kr. Lübben., Juederlaus. Uruenfeld.
Urnen u. Beigefässe a versch. Perioden d.
Lausitzer Typus (G.- 4. Jahrh. v Chr.),
Bronzeschmucksachen der Hallstattzeit.
Weineck: Nachr. H. 6, S. 88-93. Abbn.
Niederlaus Mitth. S 95-111. Abbn.
Leibchel, Kr. Lübben, Brand. Feuersteinaxt
Weineck: Niederlaus. Mitth. S. 111-112.