Es gibt
noch eine weitere Quelle von diesem Wendenfürsten
(hier Wituschek) und seiner Bekehrung:
Wituschek von Schlepzig und der steinerne
Grund
Oberhalb
der Mündung der Spree in den Schwielochsee ist an
einer Stelle das Flußbett ganz mit Steinen übersät;
dieser Ort heißt der steinerne Grund.
An ihn knüpft sich die folgende Sage: Vor langer
Zeit erhob sich an der Spree bei Sabrodt eine deutsche
(1*) Burg. Bewohnt wurde sie vom Ritter Weitbrecht mit
seinen drei riesigen Söhnen, seiner Tochter Gisela
und dem zahlreichen Gesinde. Gisela war von großer
Schönheit; einer der vielen Wendenfürsten (2*)
- Wituschek von Schlepzig (3*) - war unsterblich in sie
verliebt und bat bei Weitbrecht um ihre Hand, erhielt
auch die Zusage desselben, aber nur unter der Bedingung,
dass er ein Christ würde.
Dem Glauben
seiner Väter wollte und durfte Wituschek nicht entsagen,
darum beschloß er, Gisela zu rauben. Eines Tages,
als Weitbrecht mit seinen Söhnen auf die Jagd geritten
war, überfiel Wituschek plötzlich die Burg.
Schon schien sein Handstreich geglückt zu sein, als
plötzlich Weitbrecht zurückkehrte. Die Frauen
hatten ihm einen treuen Hund nachgeschickt; mit einem
roten Tuche um den Hals. Wituschek wurde mit seinen Wenden
in ihre Kähne zurückgeschickt. Die Belagerung
begann jetzt erst richtig. Die Burg Weitbrechts wurde
mit Steinen beschossen, von denen Wituschek ganze Kahnladungen
heranschaffen ließ. Aber auch die Wenden wurden
mit einem gewltigen Steinhagel überschüttet,
so daß viele starben und mehrere Kähne mit
ihren Steinen sanken.
Im Verlaufe
des Kampfes aber wurde das Flußbett ganz mit Steinen
übersät und bekam nachher den Namen steinener
Grund. Wituschek war schwer verwundet und tat auf
dem Krankenlager das Gelübde: mache ihn der Christengott
wieder gesund, so wolle er ihm dienen. Er genas und wurde
ein Christ. Seine Taufe und seine Vermählung mit
Gisela, der ja nun nichts mehr im Wege stand, fanden an
demselben Tage statt.
aus: Sagen
und Geschichten des Kreises Beeskow-Storkow, gesammelt
und herausgegeben von Richard Paul (1925). Verlag: Günther
Knüppel & Haeseler (Beeskow i. Mark) unter dem
Titel : Sabrodt / Der steinerne Grund.