Rezensionen 2008/9/10

Lausitzer Rundschau 22.02.2010

Übermut und Harmonien in Schlepziger Konzert


Schlepzig Es gab vor Johann Sebastian Bach doch hörenswerte Musik. Den Beweis dafür haben zwei Musiker von Format am Samstag im Rahmen von „Klassik und Schlemmen“ in Schlepzig angetreten.


Martina Feldmann mit Blockflöten und ihr Mann Professor Rainer Feldmann mit der Laute haben am Samstag zahlreiche Musikfreunde im Schlepziger Landgasthof vergnüglich in die musikalische Zeit des Frühbarock versetzt und verzaubert. Foto: -ds
Martina und Professor Rainer Feldmann aus Berlin boten im Landgasthofes „La Follia“ an – und das heißt ins Deutsche übersetzt nichts anderes als „Übermut“.

Natürlich gingen die Konzertbesucher im gut besuchten Saal bei frühbarocken Klängen vor lauter Übermut nicht über Tisch und Bänke. Aber sie haben in etwa anderthalb Stunden guter Musik gelernt, dass die Musik von Johann Sebastian Bach, Georg Friedrich Händel und deren namhaften Nachfolgern in den Komponisten-Almanachen auf Wissen von ebensolchen Könnern in Sachen Musik aus etlichen Ländern Europas beruht. Genau dies wollten Martina Feldmann mit verschiedenen Blockflöten und Professor Rainer Feldmann an der Laute zeigen.

Überhaupt nicht verstaubt

„Glauben sie uns: Ältere Musik ist überhaupt nicht verstaubt. Sie wurde von Menschen voller Lebensfreude erdacht und gespielt. So wollen wir das heute auch für Sie tun“, versprach Rainer Feldmann gleich zum Beginn des kurzweiligen Ereignisses. Eine Sonate von Antonio Vivaldi zum Einstieg in diese Musik, die vor mehr als 300 Jahren erstmals zu hören gewesen sein mag, zeigte Optimismus mit Lauten-Klängen und hellen Flöten-Tönen. „Kein Wunder, denn Vivaldi soll auch ein fröhlicher Mensch gewesen sein“, kommentierte der Lautenist.

Arcangelo Corelli, berühmter Kirchenmusiker im Rom seiner Zeit, steuerte mit seinem Werk „La Follia“ den Namen zum Programm ebenso bei wie ein kleines Musik-Feuerwerk mit eher zarten Instrumenten. Er verwendete ein liedhaftes und seinerzeit beliebtes musikalisches Thema aus Spanien und schuf daraus 23 Variationen höchst unterschiedlicher, aber immer kunstvoller Art. Die beiden Feldmanns spielten so, dass ihren Zuhörern fast der Atem stockte. Das mündete schließlich in einen kräftigen Beifall.
Vorfreude auf den Frühling

Auch als Solisten hatten beide Kostbarkeiten parat. Flötistin Martina Feldmann brachte ihrem Publikum den niederländischen Komponisten Jacob van Eyck zunächst mit einem Soldaten-Lied und dessen raschen Umspielungen nahe. Dem folgte gewissermaßen als Vorfreude auf den Frühling das furios gespielte Lied von der „Engels-Nachtigall“. Beides ist im Spreewald so wohl sicher noch nicht zu hören gewesen.

Rainer Feldmann entführte seine Hörer mit der Laute und der d-Moll-Tanzsuite von Robert de Visee an den Hof des französischen Sonnenkönigs Ludwig XIV. „De Visee durfte dem König zum Nachtmahl aufspielen und genoss daher eine gehobene Stellung am Hofe“, gab der Lautenist Informationen für diese Klänge, die in Schlepzig sicher auch eine Premiere gewesen sind.
Die C-Dur-Sonate von Georg Philipp Telemann als einzigem deutschen Komponisten in diesem Programm der Entdeckungen in der europäischen Musikliteratur des frühen Barock sollte der fröhliche Abschluss des Konzerts werden. Das Publikum erbat sich mit herzlichem Beifall zwei Sätze aus einer Sonate des frühbarocken italienischen Komponisten Benedetto Marcello als Zugaben.
Detlef Simsch

 

Südstaatenreise mit Musik und Köstlichkeiten

 

Im Rahmen der Jazz&Buffet-Konzertreihe im Brauhaus der Schlepziger Privatbrauerei boten die Veranstalter am Samstagabend Urgesteine dieser Musikrichtung auf. Küchenchefin Sabine Stelldinger schloss sich dem ausgegebenen Motto an und hatte ihren Buffet-Part der Veranstaltung ebenfalls in die amerikanischen Südstaaten ausgerichtet.


Die Sir Gusche Band bezeichnet sich ganz selbstbewusst als „Berlins bekannteste Jazzband“. Seit 1961 besteht die Formation und ist damit nach deren Angaben auch noch die dienstälteste Jazzband der Hauptstadt. „Gusche“ ist der Spitzname ihres Gründers Klaus Beyersdorff.
Schon kurz nach ihrer Gründung nahm die Band an vielen deutschen und internationalen Jazzfestivals mit großen Erfolgen teil. 1967 erhielten drei Bandmitglieder im Geburtsort des Jazz sogar die Ehrenbürgerschaft der Stadt New Orleans. „Bis heute besuchen wir immer wieder New Orleans um uns dort musikalische Inspirationen zu holen“, berichtete Klaus Beyersdorff.
Mit "Ice Cream - live" und "STILL WALKING" hat die Band aktuell sogar zwei CD's im Verkauf, noch einmal zehn Alben in der Diskografie.
Musikalisch bewegte sich der Schlepziger Jazz&Buffet-Abend im Stil des New Orleans Revival Jazz. Um die Bourbon-Street hoch und runter zu spielen hatten die Musiker eine ganze Armada unterschiedlicher Dämpfer für Posaune und Trompete aufgefahren.
Nicht nur bei den „neueren Stücken“ aus den 40'er Jahren bekam jeder Musiker Gelegenheiten für ausgiebige Soli.
Während des mehr als dreistündigen Auftritts gönnten sich die Herren dem fortgeschrittenen Alter geschuldet mehrere kurze Pausen, entschädigten aber im Verlauf des Abends mit hör- und sichtbar steigender Spielfreude.
„Es ist ja momentan chic, sich den Frühling herbei zu sehnen“ verkündete Claudia Futter vor dem Nachhauseweg. „Wenn ich aber bedenke, dass mit dem April auch das Ende dieser bisher wunderbaren Konzertsaison in diesem Räumen bedeutet, möchte ich offen dagegen protestieren.“
Schon am 6. Februar wird in Schlepzig weiter gejazzt. Die vier Musiker von „Mo' Blow“ gehören zwar einer deutlich jüngeren Generation an, haben aber schon als Doppelsieger des Jazz&Blues Award 2008 als Spitzenband auf sich aufmerksam gemacht. „Dieser Abend könnte zum Höhepunkt unserer Jazz-Konzert avancieren“, zeigte sich Gastgeber Dr. Torsten Römer überzeugt.


Trompeter Joachim König
Bandgründer und Klarinettist Klaus "Gusche" Beyersdorff
Posaunist Sören Pehrs
Bassist Tilo Wedell
Banjo Oliver Künzel
Drummer Reiner Ahrens

Jens Golombek


Lausitzer Rundschau 14.01.2010

Ron Spielman verwandelt Brauhaus in eine Tanzfläche


Schlepzig Der Berliner Gitarrenvirtuose Ron Spielman hat bei der jüngsten Auflage von „Jazz und Buffet“ mit Unterstützung von Jan Eckelmann und Björn Werra das Schlepziger Brauhaus gerockt. „Wir haben kein festes Programm, gestalten es heute einfach frei“, entschuldigte Spielman den Stuhl voller Notenblätter an seinem Mikrofonständer.


Brauhaus Schlepzig
Ron Spielman, Jan Eckelmann und Björn Werra brachten die Tanzfläche im Brauhaus zum Beben.
Nach einem ruhigen Einstieg verwandelte sich die Empore während des dreistündigen Konzerts in eine von den Gästen regelrecht gestürmte Tanzfläche.

Der Musiker staunte, „dass so viele Menschen hier sind. Denn unsere Anreise war heftig. Die Heizung im Auto funktioniert nicht, wir hatten platte Reifen und konnten die Schneeketten nicht aufziehen.“

Dennoch sei Ron Spielman wieder gern in das Brauhaus im Spreewald gekommen. „Ich bin froh, dass er hier spielt, weil er einfach gut ist“, sagte Veranstalter Torsten Römer. „Und wenn man sich diese tanzende Meute ansieht, muss man gar nicht mehr dazu sagen.“

Musikalisch geht es in Schlepzig am Sonnabend, dem 16. Januar, weiter. Brasilianische Klänge des „Choros“, einer populären jazzigen Musik Südamerikas, werden ab 18 Uhr im Landgasthof „Zum grünen Strand der Spree“ zu hören sein. Mit diesem Konzert voller ungewöhnlicher Klänge wird die Serie „Klassik und Schlemmen“ fortgesetzt.

Der „Choro“ entstand in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts in Brasilien als Variante europäischer Tänze wie Polka, Mazurka, Walzer und Habanera mit landestypischem Flair. Das „Quarteto Ideal“ aus Berlin will diese spezielle Musik mit Gitarre, Flöten, der selten gespielten Ophicleide und Schlaginstrumenten in Schlepzig erklingen lassen. Im Brauhaus wird zwei Wochen später mit der „Sir Gusche Band“ ein Dixieland-Urgestein erwartet.
jgk/-ds

Lausitzer Rundschau 07.12.2009

Frohes-Fest-Kitsch auf die Schippe genommen

Schlepzig: Was mag dabei herauskommen, wenn vier angeblich angeheiterte Schauspieler und Musiker mit Bierseideln in der Hand darüber laut nachdenken, wieso Weihnachten eigentlich „jedes Jahr um diese Zeit“ stattfindet? Ebenso schwierig kann die Weihnachtsbescherung werden, wenn statt des einen Weihnachtsmannes gleich drei und dann noch der Erzengel Gabriel als Zugabe erscheinen.


Einen satirischen Blick auf die Weihnachtszeit vermittelten Matthias Witting, Hanna Petkoff, Eva Blum und Mirko Böttcher (v.l.) in ihrem Programm am Samstag im Schlepziger Landgasthof ihren Zuhörern. Sie konnten sich über viel Beifall freuen. Foto: Detlef Simsch


Von diesen und anderen weihnachtlichen Katastrophen haben die Schauspieler Hanna Petkoff, Eva Blum und Mirko Böttcher gemeinsam mit ihrem Pianisten Matthias Witting am Samstag im Schlepziger Landgasthof „Zum grünen Strand der Spree“ berichtet.

Diese Veranstaltung in der Reihe „Klassik und Schlemmen“ fiel vergnüglich aus dem Rahmen. Die vier Künstler aus Berlin – sie wirken alle an Theater- und Fernsehproduktionen mit und sind Zuschauern keine Unbekannten – wollten die schwülstige und kitschige Weihnachtsvorbereitung satirisch auf die Schippe nehmen. Das ist ihnen in ihrem gut 90 Minuten währenden Programm auch gelungen.

Wieso wird also Weihnachten immer im Winter um diese Zeit gefeiert? Das Quartett war sich zwar bewusst, dass das irgendwie „mit Maria und Josef“ zu tun haben müsse, aber waren die das nicht, die Ärger mit dem Paradies hatten? So richtig kamen alle vier nicht drauf. Außer, dass „der Herr Noah seine Arche für die vielen Viecher bauen musste, weil es zu Weihnachten immer so stark regnet“. Die biblischen Geschichten wurden bunt durcheinandergewürfelt – bis man sich schließlich salomonisch darauf einigte: „Das Weihnachtsfest ist eben eine Erinnerung an Weihnachten.“

Diese Geschichte aus der Feder von Robert Gernhardt machte nachdenkliches Vergnügen, ebenso die Lesung von der „Falle“. Ein gut situierter Familienvater aus Berlin-Dahlem heuert vor dem weihnachtlichen Festmahl mit Geschäftsfreunden einen studentischen Weihnachtsmann für seine Kinder an. Der wird dann zum Weihnachtsmann-Umkleiden in die Küche geschickt, entdeckt mit knurrendem Studenten-Magen das Lukullische und telefoniert mit Mitstudenten. Er bringt die elterlichen Auftraggeber mit der Weihnachtsmann-Billigung der „Sünden“ des Nachwuchses zunächst zur Verzweiflung, um dann mit ebenfalls eingetroffenem Knecht Ruprecht, dem Nikolaus und dann auch noch mit einem männlichen Erzengel Gabriel die halbe Geschäfts essen-Tafel zu plündern. Erst ein deftiges Handgeld des Hausherren verabschiedet die weihnachtlichen Persönlichkeiten vor dem Eintreffen der vermeintlich besseren Gesellschaft.

Das Quartett und Hanna Petkoff (bekannt aus den Fernsehserien „In aller Freundschaft“, dem „Tatort“ oder „Im Namen des Gesetzes“) bot in Lesungen, Liedern und Szenen zwar Weihnachtliches, aber das ohne falsches Pathos. Ihre Fassungen bekannter Weihnachtslieder erklangen gewollt schaurig-schön. Aber sie erinnerten mit Gedichten bekannter Lyriker ebenfalls daran, dass schon jene in vorweihnachtlicher Zeit den kritischen Blick nicht verloren – so Bertolt Brecht, Hoffmann von Fallersleben oder Hermann Hesse.

Ein Programm, das so sicher nicht alltäglich ist. Die Gäste der Veranstaltung genossen das zum überwiegenden Teil und dankten mit Applaus.

Detlef Simsch

 

Rezensionen 2009/10

Musikalische Sprachbereicherung erklingt in Schlepzig

Balletttänzerin, Schauspielerin, Sängerin, das alles auch noch mit ausgeprägtem flämischen Hintergrund. Katelijne Philips-Lebon präsentierte in Schlepzig am Sonnabend anrührende und emotionale flämische Lieder und französische Chansons.


In ihrem Programm „Rencontres“ (Begegnungen) erlebten die Gäste einen witzigen, realistischen, damit durch seine Aktualität auch sehr nachdenklichen Chansonabend. Mit dem interessanten und bewegenden Programm sorgte die Belgierin für einen künstlerisch wertvollen und harmonischen Wochenausklang.
„Eine lange Zeit war der Tanz die Nummer Eins in meinem Leben. Erst sehr spät wuchs mein Interesse für andere darstellerische Formen“, gestand die Künstlerin zurückblickend. „Während ich begann, an der Schauspielschule neue Ausdrücke für meinen Körper zu finden, fand ich zurück zu den Liedern der Kindheit und Jugend. Ich begann wieder zu singen. Diese wunderbaren französischen Chansons und flämischen Lieder waren plötzlich wieder da.“
Gemeinsam mit Freunden begann sie eigenen Programme zu schreiben. „Dabei bedeutet mir Gesang am meisten, wenn ich selbst und das Publikum den eigenen Ton zu spüren bekommen. Und genau dieser Ton entspringt vor allem den persönlichen Erfahrungen, den Gefühlen, den Bildern auf der Straße, also dem eigenen Leben.“
Musikalisch und stimmungsvoll geht es in Schlepzig mit Klassik & Schlemmen am 5. Dezember 2009 weiter. Hanna Petkoff, Eva Blum, Mirko Böttcher und Matthias Witting rezitieren Gedichten und Liedern in szenischer Lesung. „O schöne herrliche Weihnachtszeit, was bringst du Lust und Fröhlichkeit“ steht als Motto fest.
Der Brauhaus-Jazz pausiert dagegen über die Vorweihnachtszeit bis 2010. Erst am 9. Januar 2010 rocken Ron Spielman, Jan Eckelmann und Björn Werra das Buffet.


Foto: Jens Golombek

Matthias Baumhof, der sich bei Produktion und Komposition internationaler Festivals und Musicals wie Mamma Mia und Phantom der Oper einen Namen machte, begleitete Katelijne Philips-Lebon am Klavier.

Lausitzer Rundschau 23.11.2009

„Alte Wache“ verwandelt Schlepzig in Dixieland


Schlepzig: Mit mehr als 100 Gästen hat sich die „Alte Wache“ aus Potsdam bei ihrem Gastspiel in der Schlepziger Privatbrauerei als Publikumsmagnet erwiesen. Bei der „Jazz und Buffet“-Reihe stiegen sie mit einer Jam-Session samt Vorstellung der Musiker in eine stimmungsvolle Musiknacht ein.


Die Band „Alte Wache“ aus Potsdam be ihrem Auftritt: Jobst Illing (Klarinette), Helmuth Feibicke (Tuba), Mark Altschuller (Trompete), Detlef Czopp (Schlagzeug), Gunnar Beetz (Banjo) und Dieter Ristau (Posaune, v.l.n.r.). Fotos: Jens Golombek


Die Dixieland- und Swingband, benannt nach der alten Stadtwache in Potsdam, gibt es seit über 20 Jahren. Am Samstagabend spielten die reifen Herren mit ihrem Dixieland die legendäre Bourbon Street in New Orleans rauf und runter.

Kennern fiel sofort auf, dass Trompeter und Bandchef Erhard Pannek durch Mark Altschuller ersetzt worden war. „Unser Erhard befindet sich momentan nach einer Operation in der Reha, um ab Januar wieder voll mitspielen zu können“, berichtete Posaunist Dieter Ristau. „In unserem Alter muss auch mit Ausfällen gerechnet werden.“ Bei ihrem letzten Schlepziger Besuch im Sommer hatten die Musiker „nach einer sehr lustigen Kahnfahrt im Brauereihof unter dem großem Baum gespielt“, so Dieter Ristau. „Das vergessen wir nie.“

Da bei der Konzertreihe das Schlemmen dazu gehört, hatte Küchenchefin Sabine Stelldinger auch diesmal ein großes Buffet arrangiert. „Für so einen Abend fangen wir bereits mittags mit den Vorbereitungen an. Da werden Kartoffeln geschält, Salate vorbereitet, der Teig für den Holzbackofen angerührt“, berichtete sie. Neben Fisch, Hühnchen und Aufläufen bot das Team um Sabine Stelldinger gefüllte Schweinsrouladen und Spreewälder Hirschbraten an. Ob das Essen den Geschmack der Kundschaft trifft, erfährt die Küchenchefin sofort. „Am Buffet-Tisch geben mir viele Gäste gleich eine Rückmeldung.“

 

Neben der „Jazz und Buffet“-Reihe gibt es noch die „Klassik und Schlemmen“-Konzerte im angeschlossenen Landgasthof. Stelldinger hat keinen klaren Favoriten. „Beide Veranstaltungsreihen haben ihren eigenen Charme, jede auf ihre Art“, sagte sie. „Aber in der Brauerei ist der Kontakt mit den Gästen intensiver.“

Die Gäste zeigten sich von der Kombination aus Jazz-Musik hören und dabei Essen beim „Alte Wache“-Konzert begeistert. „Ich werde langsam süchtig nach dieser Veranstaltung“, erzählte Anne-Kathrin Rhode. „Die Karten reserviere ich immer so früh wie möglich.“

Nachdem die Musiker der „Alten Wache“ die Musiksüchtigen bereits drei Stunden lang mit Live-Musik versorgt hatten, ließen sie sich sogar noch zu einer Zugabe überreden.

Mit einem Auftritt von Katelijne Philips-Lebon geht es am kommenden Samstag in Schlepzig weiter. Sie singt ab 19 Uhr flämische Lieder und französische Chansons.

J. Golombek

Rezensionen 2009/10

 

Lausitzer Rundschau 12.11.2009

Haarsträubendes bei guter „Gurken-Musik“ in Schlepzig
Schlepzig Mozart hat gern Spreewälder Gurken gegessen. Pachelbel war mit einem Kahn im Spreewald verschollen.

Noten auf dem Bühnenboden, aber gut gelaunte Musiker des „Jupiter-Quartetts“ mit Wolfram Korr (l.), Angelika Mauruschat, Igor Budinstein und Anna Korr. Ihr musikalischer Abend „Klassik goes Gurken“ in Schlepzig war sowohl abenteuerlich wie ein bisschen chaotisch, aber musikalisch ein Vergnügen für die Zuhörer. Foto: -ds
Und der „Moon-River“ heißt in Wirklichkeit Spree. Das sind „Erkenntnisse“ eines gestandenen Musikers, der Wolfram Korr heißt. Der leitet das „Jupiter-Quartett“ und ist mit seinen Musikern zum Konzert im Landgasthof „Zum grünen Strand der Spree“ gewesen – und das hatte es in sich.

Nonsense mit Musik

„Klassik goes Gurken“ – so neudeutsch hatte Wolfram Korr auf die Programmzettel des Abends schreiben lassen. So schräg wie die Idee, dass klassische Musik auf Spreewälder Gurken treffen könnte, war der Gedanke von Korr aber nicht. Er hält in seinen Programm-Ideen und seinen Moderationen viel von dem Grundsatz: „Was wäre, wenn – und das hätte doch auch sein können, selbst wenn es nicht stimmt!“ Und das alles wird gemixt mit Musik von vier Musikern, die ihre Kunst verstehen und Sinn für fröhlichen Nonsens haben. Das Vergnügen an dieser Mixtur hatten die Gäste dieser Veranstaltung in der Schlepziger Konzertreihe „Klassik und Schlemmen“.

Wolfram Korr als musikalischer Könner an der ersten Violine hatte seine Mitstreiter mit einer seiner originellen Ideen angesteckt. Angelika Mauruschat (zweite Violine), Igor Budinstein (Bratsche) sowie Korrs Ehefrau und musikalische Partnerin Anna am Violoncello machten den Spaß mit hörbarem Vergnügen am Musizieren gern mit.

Johannes Brahms war 1870 im Spreewald, hörte die sorbische Tanzmusik und schon fielen ihm Motive für seine Ungarischen Tänze ein – so eine der abenteuerlichen Exkurse in die Musikgeschichte von Wolfram Korr. Dem folgte prompt der Ungarische Tanz Nummer 4 in Streichquartett-Fassung und so gespielt, als wären die Furien hinter den Musikern her. Und Mozart hätte morgens manchmal nach durchzechter Nacht eine Spreewälder Gurke zu schätzen gewusst, worauf ihm auch die „Kleine Nachtmusik“ eingefallen sei, „wusste“ Korr auch. Um gleich den ersten fröhlichen Satz dieses Werkes mit seinem Ensemble zu spielen.

„Moon River“ im Spreewald

So hangelte sich der Moderator durch das bunte Programm, in dem auch die „Barcarole“ aus Offenbachs „Hoffmanns Erzählungen“ als „Gurkarole“ nicht fehlte. Henry Mancinis „Moon River“ sei vom Meister eigentlich auf die Spree gemünzt, sagte Korr mit treuem Augenaufschlag. Und die Filmtitel-Melodie von „Lovestory“ spiele natürlich nicht in Afrika, sondern im Spreewald: „Das ist doch der Klang der gleitenden Kähne und der Spreewellen, der zu hören ist“, gab Korr seinen Zuhörern mit auf den Weg.

Nonsens in Worten, aber gekonnt gespielte Musik des Streichquartetts – das ist dieses kurzweilige Konzert gewesen. Das Vergnügen haben die Zuhörer gehabt, aber die Musiker sichtlich auch. -ds

Rezensionen 2009/10

 

Lausitzer Rundschau 2.11.2009

In Schlepzig wird wieder gejazzt


Die „Jazz & Buffet“-Konzertreihe in Schlepzig hat sich aus der Sommerpause zurückgemeldet: Die Berliner Musiker von My Flexible Friends spielten im Brauhaus sparsam arrangierten, klassischen Jazz.


Einen glänzenden Start legte die „Jazz & Buffet“-Konzertreihe im Schlepziger Brauhaus am Samstagabend hin. Rund 50 Gäste widerstanden den diversen Halloween-Partys an diesem Tag und genossen zu kulinarischen Köstlichkeiten die handgemachte Musik der Berliner Jazz-Band My Flexible Friends.

Seit zehn Jahren zusammen

Sängerin Birgit Breuer zählte den ersten Takt der neuen Saison nach der Sommerpause an. Seit zehn Jahren macht sie gemeinsam mit dem Bassisten Andreas Brzezinski Musik unter dem Namen My Flexible Friends. Schlagzeuger Peter Sandmann und Pianist Borries Schlüter ergänzten später die Formation.

Die Künstler präsentierten in Schlepzig eine Auswahl aus ihren drei bisher erschienenen Studioalben. Mit ihren sparsam arrangierten, klassischen Jazz-Songs pflegen sie einen sehr eigenen Stil.

„Heute Abend wurde, wie angekündigt, alles zwischen Jazz- und Pop-Musik geboten“, sagte Ina Henschelchen aus Schönwalde nach dem Konzert. „Die jazzfreie Zeit hat nun endlich ein Ende, und ich bin wieder regelmäßig verabredet.“

„Mir persönlich war der Gesang von Birgit Breuer zu dominierend“, kritisierte Gerd Henschelchen. „Aber vielleicht muss sich mein Gehör auch erst wieder einstellen“, scherzte er. „Dennoch war es ein sehr gemütlicher Abend, der Lust auf mehr macht.“

„Ein gelungener Start“

„Diese Veranstaltungen sind doch das Schönste an der kühlen Jahreszeit“, so Gastgeberin Anja Römer. „Ich denke mit diesem Konzert haben wir einen gelungenen Start für die Fortführung unserer Musikreihe erlebt.“

Beim nächsten „Jazz & Buffet“ im Schlepziger Brauhaus am 21. November spielen die Dixieland-Musiker von „Alte Wache“.
Von Jens Golombek

Rezensionen 2009/10

 

Lausitzer Rundschau 19.10.2009

Saitenweise Musikfreude mit Berliner Cellharmonikern


Schlepzig Einen gelungenen Frühstart in die Saison 2009/2010 von „Klassik und Schlemmen“ im Schlepziger Landgasthof „Zum grünen Strand der Spree“ hat es am Samstag gegeben – vor gut gefülltem Haus. Die Berliner Cellharmoniker haben als Magnet für viele Musikfreunde gewirkt, und ihr Programm über gute 80 Minuten brachte viele Überraschungen.


Sie sorgten in Schlepzig bei „Klassik und Schlemmen“ für Furore: die Berliner Cellharmoniker mit David Drost, Alexander Kahl, Andreas Kipp und Rouven Schirmer. Foto: PR Berliner Cellharmoniker / Schultze

„Ursprünglich sollte es am 7. November den Start in die diesjährige Saison geben, aber die Cellharmoniker hatten für uns nur diesen Termin im Oktober frei“, so Konzert-Veranstalterin Anja Römer auf RUNDSCHAU-Nachfrage. „Also haben wir früher angefangen.“ Dieses Ensemble mit inzwischen internationalem Renommee, das schon seit 1996 des öfteren in der Schlepziger Konzertreihe zu Gast gewesen war, wollten Gastgeber und das Publikum wieder erleben.

Die vier Cellisten wurden an Berliner Musikhochschulen ausgebildet, weitergebildet in den Konzertakademien des Berliner Rundfunk-Sinfonieorchesters oder der Berliner Philharmoniker und sind Gewinner namhafter Wettbewerbe der Kammermusik. Sie erinnern sich nach Worten ihres Sprechers Rouven Schirmer gern an die Begegnungen mit Musik in Schlepzig und dem Publikum in fast intimer Atmosphäre. Am Samstag lauschten etwas mehr als 30 Gäste den Cellisten David Drost, Alexander Kahl, Andreas Kipp und Rouven Schirmer. Das Programm hatte es in sich und in der Auswahl seinen Witz.

Seltenes Hörerlebnis

Bachs sechstes Brandenburgisches Konzert ist an sich schon ein „Ohrwurm“ und das einprägsame beschwingte Allegro als Abschluss-Satz ohnehin. Aber selbst ein häufiger Konzertbesucher wird in einer solch lupenrein und einfühlsamen Cello-Interpretation in ungewöhnlichem Arrangement wie selten gehört haben. Die vier jungen Musiker aber setzten dem noch eins drauf mit zwei musikalisch ganz anders als Bach zu hörenden Cello-Werken des belgischen Komponisten Joseph Jongen aus dem 20. Jahrhundert. Die waren teils elegisch, teils beschwingt und quicklebendig zu hören und für viele Zuhörer ein Wissenszuwachs, ist Jongens Musik doch heute nur noch selten im Programm.

Nicht nur Barockes

Die Berliner Cellharmoniker können Barockes, aber auch Jazz und Swing. Das wollten sie im weiteren Verlauf ihres Programms beweisen, und so spielten sie in Arrangements ihres Ensemble-Mitgliedes Andreas Kipp fröhlich und scheinbar unbekümmert Legenden wie Duke Ellingtons „It don´t mean a thing“ oder den legendären „Meple Leaf Rag“ von Scott Joplin. Und dabei wippte so mancher Fuß von Hörern im Takt mit.

„In Schlepzig zu sein, ohne einen Tango im Programm zu haben, das wäre nicht gut“, kündigte Rouven Schirmer „Oblivion“ (auf deutsch etwa „Versunkenheit“) von Astor Piazzolla an. Diesen wenig bekannten Tango spielten die vier Musiker als elegische, in sich gekehrte Melodie – so recht passend zum herbstlich-nebligen Wetter im abendlichen Unterspreewald.

Mit einem Feuerwerk in Musik setzten die Cellisten den Schlusspunkt des Konzertes: „Moment For Morricone“ heißt ein Potpourri bekannter Filmmelodien des legendären Komponisten. Doch damit gab sich das Publikum nicht zufrieden und erklatschte sich drei Zugaben, darunter die zärtlich gespielte Melodie „Moon River“ von Henry Mancini aus dem Film „Frühstück bei Tiffany“. -ds

Rezensionen 2008/9


31.3.2009 Lausitzer Rundschau

Rüstige Band macht in Schlepzig jazz-süchtig
Sieben Jazzmusiker, alle schon eine deutliche Sieben an erster Stelle im Lebensalter, haben dem Schlepziger Brauhaus am Samstagabend 30er-Jahre-Atmosphäre verschafft. Damit beendeten sie die Saison 2008/2009 der Reihe „Jazz und Buffet“.


Foto: Jens Golombek
Mit der „Jazz-Family Berlin“ hatten die Veranstalter für die mehr als 100 Gäste wieder Musiker der Extraklasse im Angebot. Das musste sich im Vorfeld herumgesprochen haben. „Mein Mann wollte mir gar nicht glauben, wie viele Anmeldungen wir für den heutigen Abend hatten“, berichtete Wirtin Anja Römer.

Sie gestand auch: „Ich war heute Abend richtig erschrocken, als ich merkte, dass ich einige der Musiker schon vor 30 Jahren in Berliner Jazzkneipen wie der ,Eierschale' erlebt hatte. Da merkt man, wie die Zeit vergangen ist.“

Im Herbst 1974 trafen sich erfahrene Musiker aus verschiedenen Berliner Jazz- und Swingbands zu einer Session. Nach einem ersten gemeinsamen Auftritt beschlossen Klaus Sörensen, Wolfgang Krüger und fünf weitere Männer, weiterhin gemeinsam zu musizieren. Wegen der guten privaten Kontakte untereinander nannte sich die Band dann „Jazz-Family Berlin“ und spielt bis heute in fast unveränderter Besetzung.

Die Kapelle bevorzugte schon immer den New-Orleans-Stil. In ihrem Repertoire finden sich Stücke von Louis Armstrong, Duke Ellington, Sam Morgan, King Oliver oder Bennie Moten. Die „Jazz Family“ wird regelmäßig zu Jazzfestivals eingeladen und ist offizieller Teilnehmer beim Dresdner Dixielandfestival.

Die rüstige „Familie“ war schon am frühen Morgen in Schlepzig erschienen und hatte vor ihrem Auftritt einen gemeinsamen Urlaubstag verbracht, um sich für das Konzert in Stimmung zu bringen. „Ich kam 1958 durch ein Louis-Armstrong-Konzert zum Jazz“, erzählte Sänger Dieter Hillbricht. „Vor meinem Einstieg in die ‚Family' spielte ich bei fünf Jazz-Bands Kornett. Heute geben wir Stücke ab 1923 bis in die 30er-Jahre zum Besten. Aber ich suche nur die sehr melodiösen Lieder aus.“ Nach dem Ausstieg aus dem Berufsmusikerleben habe die Gruppe jetzt mehr Zeit, besonders schwierige Stücke einzustudieren. „Denn wir sind alle mit Herzblut dabei, deshalb klingt das Ergebnis auch so toll, oder?“ Ans Aufhören denke keiner von ihnen. Die Ovationen nach jedem Soli, von dem jeder Musiker reichlich in Schlepzig präsentierte, tun ihr Übriges.

Klaus Sörensen leitet seit dem Jahr 1974 die „Family“. „Ich habe damals in Eigeninitiative, von dem Schlagzeuger ,Papa Ko' inspiriert, dieses Instrument gelernt. Neben Engagements in Swing- und Bigbandmusik bin ich der ,Family' bis heute treu geblieben.“

Die Verpflichtungen der rüstigen Truppe bringe sie öfter ins Berliner Umland oder bis an die Ostsee. „Unsere treuesten Fans, darunter erstaunlicherweise auch jüngere Jahrgänge, reisen fast zu jedem Termin mit“, so Dieter Hillbricht.

„Das war doch wirklich ein würdiger Abschluss einer wahnsinnigen Jazz-Saison“, freute sich Gastgeberin Anja Römer über die Atmosphäre im Brauhaus. „Es wird nicht einfach, das im nächsten Winter zu toppen. Auf jeden Fall arbeiten wir daran.“

„Schade, dass die Saison schon vorbei ist“, ärgerte sich Alois Becker. „Natürlich beginnt von nun an die Vorfreude, aber die Zeit wird schon verdammt lang werden“, so der Lübbener. Die „Jazz-Family“ sei daran keineswegs unschuldig. „Wenn man erlebt, was sie darbietet, das ist schon unglaublich und macht süchtig.“ Die virtuosen Solodarbietungen hätten ihn genauso beeindruckt wie die gleichzeitigen kleinen Tuscheleien der Musiker während des Spielens.

Auch aus ihrer Heimat hatten die Berliner wieder Fans mitgebracht. „Ich kann gar nicht mehr zählen, wie oft ich die Jungs schon erleben durfte“, sagte Sybille Falk. „Ich hoffe, das geht ewig so weiter. Zu altern scheinen die Herren ja nicht. Und an so intimen Orten wie in einem Brauhaus klingt es noch hundertmal besser als auf einer Konzertbühne. Schade für alle, die das verpasst haben.“
Von Jens Golombek

Rezensionen 2008/9

 

4.3.2009 Lausitzer Rundschau

Schlepziger entdecken brasilianischen Choro


Schlepzig Ungewöhnlich flotte klassische Melodien sind bei „Klassik und Schlemmen“ im Schlepziger Landgasthof zu hören gewesen. „Wir nehmen heute den meteorologischen Frühlingsanfang etwas vorweg“, stimmte Veranstalterin Anja Römer auf den Abend ein. „Und ich denke, mit brasilianischem Sommer wird uns das auch gut gelingen.“


Foto: Jens Golombek
„Quarteto Ideal“ mit „De Ipanema a Copacabana“ – Musik vom Strand und den Kneipen Rios. Was sich zunächst nach einem Arrangement für die Schwesterveranstaltungsreihe „Jazz und Buffet“ anhörte, war doch eine klassische Offerte.

Das Musikerquartett bot brasilianischen Choro, wörtlich übersetzt „das Weinen“. Er ist eine der höchst entwickelten Gattungen der instrumentalen populären Musik Brasiliens. In den 1920er Jahren erreichte der Choro seinen ersten Höhepunkt und Ernesto Nazareth (1863–1934) war bestimmt der originellste Komponist dieser Zeit.

Die modischen Tänze dieser Zeit wie Polka, Walzer, Tango, Habanera oder Schottisch werden dabei mit einem eigenen brasilianischen Akzent interpretiert. „Choro ist weniger für die Massen konzipiert, als kammermusikalisch geprägt“, verriet Flötist Marcos Mesquita. „Seine Markenzeichen sind das hohe technische Können sowie die Virtuosität und heitere Gelassenheit der Musiker, die sich spontan zu einer zwanglosen Choro-Runde auf öffentlichen Plätzen oder in Lokalen zusammenfinden.“

Erhard Schwartz überraschte das Publikum im Landgasthof „Zum grünen Strand der Spree“ mit einer Ophicleide, ein aus Saxophon und Horn kombiniertes Holzblasinstrument. Katja Höllein rückte die Percussion deutlich stärker in den Vordergrund, als von europäischen Kompositionen gewöhnt.

André Bayer spielte auf einer siebensaitigen Gitarre. „In Brasilien sind die recht normal. Bei uns eine zu finden, ist nahezu unmöglich“, berichtete er. „Aber ich konnte in Bayern einen Instrumentenbauer aufspüren, der diese hier für mich angefertigt hat.“

Nach der eineinhalbstündigen musikalischen Reise, von der „Der Spatz im Maismehl“ allen Zuhörern unvergessen bleiben dürfte, knüpfte die Landgasthof-Chefköchin mit ihrem Menü an das brasilianische Reiseziel an.

„Ich wurde nicht nur von der Musik, sondern auch von diesem wunderbaren, angemessenen Ambiente überrascht“, staunte Dorothea Wolf. „Damit hatte ich hier auf den Dörfern nicht gerechnet, das überragt die ein oder andere Lübbener Lokalität bei Weitem.“

„Man hat gesehen und gehört, dass auch die Musiker an den Stücken trotz ihres Anspruchs großen Spaß hatten“, sagte Dr. Bernhard Lauge. „Da es mir auch beim Schlemmen ähnlich ging, bin ich bestimmt beim nächsten Mal wieder dabei.“
Von Jens Golombek

18.2.2009 Lausitzer Rundschau

Brauhausbesucher schlemmen auf musikalischer Südamerika-Tour
Schlepzig: Während im Erdgeschoss des Schlepziger Brauhauses das Buffet die zahlreichen Gäste erfreut hat, verwöhnte direkt darüber Lily Dahab im Rahmen der winterlichen „Jazz & Buffet“-Reihe die Musikfreunde.

Die Jazzmusikerin spielte schon gemeinsam mit Yvonne Catterfeld, Phil Collins, Freundeskreis sowie Udo Lindenberg.


Lily Dahab bei ihrem Auftritt im Schlepziger Brauhaus im Rahmen der Reihe „Jazz & Buffet“. Die Musikerin spielte schon gemeinsam mit Yvonne Catterfeld, Phil Collins sowie Udo Lindenberg. Foto: jgk


Bei ihrem zweiten Auftritt im Schlepziger Brauhaus, unterstützt von ihrer eigenen Band, ließ sie ihre Stimme strahlen. Die Südamerikanerin nahm ihr Publikum mit auf eine Reise zwischen Tango, Bolero und Bossa nova, abgerundet durch eine erlesene Auswahl an Perlen des „Great American Songbook“.

Lily Dahab wurde in Buenos Aires geboren. Während ihres Studiums der Musik und des Gesangs erweiterte sie ihr künstlerisches Repertoire um Bossa nova, Bolero und Tango.

An der Seite von Madonna fand Lily Dahab mit dem Kinofilm „Evita“ den Weg aus Südamerika heraus. Es folgten Hauptrollen in Broadway-Musicals. Seit 2007 lebt die Südamerikanerin in Berlin.

Hier kehrte Dahab zu ihren Wurzeln zurück. Zusammen mit ihrer Band, relaxt und energiegeladen zugleich, vermag die Sängerin auf unvergleichliche Weise der Musik ihrer Heimat den ihr zustehenden Raum zu geben.

Die Verständigung mit dem Pianisten Bene Aperdannier, Bassist Andreas Henze und Schlagzeuger Topo Gioia klappt dank Sprachkurs und gemeinsamen Hauptstadtleben offensichtlich hervorragend. Das Konzert von Lily Dahab empfand Veranstalterin Anja Römer „wie drei Stunden Urlaub“. Ihre Begeisterung über die Sängerin teilte sie mit dem Schlepziger Publikum im Brauhaus.

„Irgendwie hat mich der Abend total mitgerissen“, berichtete Dietmar Leithäuser. „Nach dieser Vorstellung möchte man am liebsten mit Lily Dahab bis nach Südamerika tanzen.“ Brauereibesitzer Torsten Römer schwärmte von Stimme und Ausstrahlung der Sängerin.

Südamerikanisch geht es am 28. Februar 2009 mit „Quarteto Ideal“ im Brauhaus weiter. „De Ipanema a Copacabana“ spielen dann Musik aus Rio.

Jens Golombek

2.2.2009 Lausitzer Rundschau

Romantischer Liederabend in Schlepzig gefiel


Schlepzig „Da muss man erst nach Schlepzig in den Unterspreewald fahren, um so was Schönes zu hören!“ Edwin Roggener aus Berlin ist nach dem Konzert der Romantik in der Reihe „Klassik und Schlemmen“ förmlich aus dem Häuschen gewesen. Berliner Künstler haben dafür gesorgt.


Romantische Lieder mit Gefühl, aber ohne falsches Pathos haben sie am Samstag beim Konzert in der Reihe „Klassik und Schlemmen“ in Schlepzig geboten: die Mezzosopranistin Maria-Elisabeth Weiler, ihre Sopran-Kollegin Konstanze Löwe und ihr Pianist Robert Heimann.

Foto: -ds
Die sind in Berlin eher selten solistisch, dafür aber in Chören an der Staatsoper Unter den Linden, im Kammerchor „Apollini et Musis“ dieses Opernhauses oder aber als Chor-Direktor der Komischen Oper Berlin aktiv: die Mezzosopranistin Maria-Elisabeth Weiler, die Sopranistin Konstanze Löwe und ihr Begleiter Robert Heimann am gut gestimmten Flügel im Landgasthof „Zum grünen Strand der Spree“. In der Oper zu Hause „Sie werden ein Konzert mit Werken erleben, deren Komponisten einen großen Namen haben. Und Interpreten mit schönen Stimmen und großer Virtuosität“, hatte Konzert-Veranstalterin Anja Römer ihrem kleinen, aber interessierten Publikum versprochen. Überraschungen seien aber vorgesehen, konterte Robert Heimann als begleitender Pianist des Abends. „Wir drei sind im Berliner Opernbetrieb zu Hause. In unserer raren Freizeit machen wir gern Musik, die eben nicht Oper ist, und haben dabei viel Spaß“, versicherte er. Das war hör- und sichtbar in diesem fast zweistündigen Konzert. Vielen im Publikum blieb erst einmal fast der Atem weg, als der Programmzettel aufgeschlagen wurde: 25 Duette in einem Konzert – das hatte Seltenheitswert. Die Sängerinnen, gut aufgelegt wie ihr Pianist, nahmen aber gleich die Angst vor einem „Herz-Schmerz-Konzert mit viel gesungenem Schmalz“. Natürlich hat die romantische Zeit, in der die Hausmusik gepflegt und viele Geschichten erzählt wurden, vor allem zwei Themen – die Liebe und die Natur. Weil das aber zeitlos ist und das Konzert außerdem in einer der reizvollsten Gegenden des Spreewaldes stattgefand, habe das aktuellen Bezug, befand ein Gast aus Cottbus. Felix Mendelssohn Bartholdy, dessen 200. Geburtstages die Musik-Welt gedenkt, war im Programm gleich mit sechs Stücken vertreten. Seine Lieder vertonten Texte namhafter Lyriker einfach, elegisch und fröhlich – wie es die Texte erforderten. Und so wurde das auch vom Trio interpretiert. Louis Spohr, der in Kassel hoch Geehrte, aber in anderen deutschen Breiten selten aufgeführte Komponist, wurde mit drei Duetten gekonnt in Erinnerung gerufen. „Es sehnt sich das Herz nach Lust und nach Schmerz – das haben nicht wir uns ausgedacht. Das Motto unseres Konzertes stammt von einem unbekannten Poeten, dessen Gedicht Spohr anno 1838 im Lied ,Das Herz' in Töne gesetzt hat“, informierte Maria-Elisabeth Weiler ihre Gäste. Wanderers Nachtlied Rubinstein – nicht der legendäre Pianist neuerer Zeit, sondern der Mitbegründer des Petersburger Konservatoriums und seinerzeit berühmte Komponist Anton Rubinstein – steuerte sieben Lieder im russischen Volkston, aber in deutscher Sprache bei. Darunter „Wanderers Nachtlied“ von Goethe, aber auf Umwegen: erst der Goethe in Lermontows russischer Übertragung, dann in Rubinsteins Rückübersetzung auf deutsch. Mit im kurzweiligen Konzert waren drei Duette von Benjamin Britten in englischer Sprache, vom musikalischen Duktus ganz anders als das zuvor Gehörte. Vorzüglich beherrschte das Trio auch dies. Mit sechs Liedern der „Klänge aus Böhmen“ von Antonin Dvorak setzten die Künstler den vergnüglichen Schlusspunkt unter ein besonderes Konzert. ds

Ron Spielman rockt Schlepziger Brauhaus

Die Jazz & Buffet-Reihe in der „Spreewälder Privatbrauerei 1877“ ist am Sonnabend mit Ron Spielmann in das Jahr 2009 gestartet. Auf der kulinarischen Seite des Angebotes hatten die Gastgeber für den Jahresauftakt neben dem Buffetangebot Wildschweinbraten aus dem Holzbackofen aufgefahren.


Ron Spielman aus Berlin, unterstützt von Jan Peter Eckelmann und Björn Werra an Schlagzeug beziehungsweise Bassgitarre, zog die Besucher schon zum zweiten Mal musikalisch in seinen Bann.
Sänger, Komponist und Gitarrist Ron Spielman gehört seit Jahren zu den interessantesten Köpfen in der deutschen Rock-Szene. Er versteht es, Soul, Funk, Jazz und Blues-Rock zu einer ganz eigenen spritzigen und tanzbaren Musik zusammenzufügen. Ron’s eindringliche Stimme und besessenes Gitarrenspiel verliehen seiner Musik die nötige Eigenständigkeit.
Nach 9 Alben hat er momentan ein Live-Album am Start. Dieses Album zeigt Ron Spielman nach Expertenmeinung von seiner einzigartigen Seite, als einen der besten und innovativsten Gitarristen und Sänger, die derzeit in Deutschland zu hören sind.
Unüberhörbar waren die musikalischen Vorlieben Ron Spielmans, Blues von Motown bis zum Misissipidelta, der Gitarrenstil von Jimi Hendrix, der Jazz von Miles Davis, John Coltrane und Charlie Mingus zu erkennen.
Der Einfluss des „Schlepziger Hammers“, mit dem das Gastro-Team von Rene Tschersich die Band versorgte, auf die instrumentalen Fähigkeiten wird nicht mehr auszuwerten sein, die Stimme Ron Spielmans erschien jedoch besonders gut geölt.
„Bei all den kleinen Ausflügen in unterschiedlichste Musikstile, die fast wie Jam-Sessions klangen, konnte man kaum glauben, dass die Instrumentalbetonten Interpretationen der gespielten Songs alles niedergeschriebene Kompositionen seien sollen“, staunte Manuel Wambach. „Ich glaube es hat niemand geschafft, dabei die Füße unter den Tischen stillzuhalten.“
„Wir haben hier zwar keinen Blickkontakt“, nannte Leonore Geßner den einzigen Nachteil ihrer eingeschränkten Sitzplatzwahl, „aber die Plätze hier unten haben sich wieder einmal als Geheimtipp erwiesen. Nicht nur weil dichter an der Theke, sondern das Brauhaus gibt der Musik hier eine ganz eigene Note, ja fast ein Aroma mit.“
„Sie werden hier Keinen finden, der den Abend nicht genossen hat“, unterbrach Jörg Geßner die Nachfrage nach Kritikpunkten. Spielmann sei zwar etwas rockiger als erwartet herüber gekommen, „aber ich war von Künstler, Brauhaus und Gebräu durchaus positiv überrascht“.
Die Wartezeit bis zum Valentinstag, an dem Lily Dahab und Bene Aperdannier im Brauhaus mit Tango, Bolero und Bossa Nova aufwarten verkürzen am 31. Januar 2009 Romantische Duette für Sopran, Mezzosopran und Klavier. Konstanze Löwe, Maria Elisabeth Weiler und Robert Heimann werden dann unter dem Motto „Es sehnt sich das Herz nach Lust und nach Schmerz" im Schlepziger Landgasthof zu „Klassik & Schlemmen“ erwartet.


Ron Spielman, Gesang und Gitarre
Jan Peter Eckelmann Schlagzeug
Björn Werra Bassgitarre

 

Musikalisches Kontrastprogramm in Schlepziger Vorweihnachtszeit
Posaunen und Trompeten – und doch keine Weihnachtsklänge

Bei der letzten Ausgabe der Jazz & Buffet-Reihe im Schlepziger Brauhaus hatten am Samstag die Veranstalter mit einer Neuheit im Programm wieder ihr gutes Gespür bewiesen.


Die Potsdamer Dixieland- und Swingband "Alte Wache", benannt nach der alten Stadtwache in Potsdam, vertritt seit 25 Jahren Dixieland und Swing im traditionellen Stil und in Originalbesetzung.
Elektrisch verstärkt, umso präsenter und dynamischer im angenehm vollen Brauhaus, präsentierten die sechs reifen Herren einen Mix aus klassischen Titeln und fröhlichem Swing. Auch Welthits und Stück aus der brandenburgischen Heimat der „alten Wache“ sowie schöne alte Gassenhauer und natürlich die Klassiker des Dixieland wurden zu einem sehr unterhaltsamen Musikprogramm kombiniert.
Durch die sechs Bandmitglieder und ihre Instrumente zum Tanzen nur die Brauhaustreppe geblieben währe, machte es sich nicht nur die weiße Brennereikatze im warmen Brauhaus gemütlich.

Jobst Illing
Klarinette, Saxophon, Gesang

Erhard Pannek
Trompete, Gesang

Dieter Ristau
Posaune

Detlef Czopp
Schlagzeug

Gunnar Beetz
Banjo, Gesang

Helmuth Feibicke
Tuba

10.11.2008 Lausitzer Rundschau

Lebensweisheiten mit Schalk im Nacken

Schlepzig "Das Gute ist, und das steht fest, stets das Böse, was man lässt!" Mehr als 40 Leute haben am Samstag das Gute gewollt und sich Vergnügen gegönnt.

Mit einem, der vor 176 Jahren im niedersächsischen Wiedensahl geboren wurde und auch dort seine Streiche gemacht hat. Wilhelm Busch ist sein Name.

Und dessen Ansichten, Lebensweisheiten und kleine Boshaftigkeiten haben die erste Veranstaltung von "Klassik und Schlemmen" im Schlepziger Landgasthof "Zum grünen Strand der Spree" ausgemacht.

"Was Wilhelm Busch in vielen seiner Bildergeschichten gezeigt hat, das hat er oft selber erlebt oder zumindest gehört", versicherte Hanna Petkoff als Erzählerin in diesem Abendprogramm. Das ist in keiner der mehr als 90 Minuten langweilig geworden. Petkoff hatte fünf Weggefährten – das waren die Sopranistinnen Eleanor Forbes und Karen Buck, die Violinistin Eva Högel sowie die Pianisten Stewart Emerson und Matthias Baumhof. Sie führten durch das Programm auf der kleinen Bühne im Saal und sorgten mit ihrem szenischen Gewusel bei den mehr als 30 Programm-Punkten "in Sachen Wilhelm Busch" für fröhliche Abwechslung.

Max und Moritz – wer kennt sie nicht? Hanna Petkoff las aus einer Autobiografie des Multitalents, der neben dem kurz-knappen Verseschmieden voller Hintersinn auch noch Malen und Zeichnen konnte. "Von ihm ist überliefert: dass sein Freund und Küster-Junge einen ,Schlüssel mit Loch so groß wie Petrus seiner´ gehabt hätte. Blei auch. Aber kein Schießpulver", zitierte Hanna Petkoff aus einer Autobiografie.

Vater Busch hatte auf dem Speicher eine besondere Kruke, und beide Jungen ließen es auf einer Weide bald kräftig donnern, war weiter zu hören. Vater Busch, sonst ein liebevoller Mann, ließ das seinen Sohn umgehend auf dem Allerwertesten spüren – aus solchen Erinnerungen schöpfte Busch viele Episoden seiner Geschichten.

Wie kann man nun mit Wilhelm Busch die Bekanntschaft mit Johannes Brahms, Richard Strauss, Hugo Wolf, Felix Mendelssohn Bartholdy, Gioacchino Rossini, Charles Gounod und dann noch mit den zeitgenössischen Komponisten Joachim Raff und Robert Köbler machen? Mit Wilhelm Busch geht vieles, sagten sich die Künstler. Auch wenn er schrieb: "Musik ist angenehm zu hören, doch muss sie ja nicht ewig währen!" Mit diesen Interpreten konnte man es "aushalten". Weil sie Lieder ins Programm nahmen, die Bezug auf das Leben des Mannes nehmen, der heute als Urvater des Humors und des späteren Comics gilt.

Hanna Petkoff gab mit ihren ausgewählten Texten und den darin eingebetteten Versen – so aus der "Frommen Helene", dem "Geigen-Seppel", "Der verliebte Schmetterling" und eben aus "Max und Moritz" – ein Spektrum des wechselvollen, erfüllten Lebens eines Künstlers, der 76 Jahre alt werden durfte. 1908 ist er in einem Stadtteil in Seesen am Harz gestorben, aber das will heute dank seiner Bildgeschichten und lebensnahen Verse keiner so recht glauben.

Las Hanna Petkoff einfühlsam und ohne jedes "Schmalz", so sangen Karen Buck und Eleanor Forbes, begleitet von Matthias Baumhof und Steward Emerson, Heiteres und Nachdenkliches mit Freude und Können. Besondere Freude machten sie mit Hintersinn auf die Attitüden mancher Sängerinnen mit ihrer Interpretation von Rossinis „Miau-Duett“ und spielten auf den fröhlichen Sarkasmus von Wilhelm Busch in seinen Arbeiten an. Das Publikum kringelte sich vor Vergnügen.

"Die Zeit, sie orgelt ewig weiter", zitierte Hanna Petkoff aus Buschs "Wanderlust". Diesen Titel hatten sich die Künstler gewählt und so auch von einem bewegten Leben erzählt. Ein schöner Auftakt für die Serie von "Klassik und Schlemmen" im Schlepziger Landgasthof. Bis in den März hinein gibt es noch weitere vier Veranstaltungen in dieser Konzertreihe. -ds

27.10.2008 Lausitzer Rundschau

Jazz zum Hören und Sehen im Schlepziger Brauhaus

Schlepzig Die Berliner Band "Perido" hat am Samstagabend im Schlepziger Brauhaus amerikanischen Jazz von Horace Silver gespielt.

Dabei gab es nicht nur etwas zu hören, sondern auch zu sehen.

„Perido“ ist der Name unter dem die Berliner Sängerin, Schauspielerin und Stepptänzerin Angela-Luise Bohrmann ihre künstlerische Arbeit definiert.

2005 gründete sie das gleichnamige Jazz-Quartett mit Martin Zentner am Piano, Klaus Janek am Bass und Robert Michler an den Drums. Ausgefallene Standards boten das erste Experimentierfeld der Band. 2007 folgte eine intensive Auseinandersetzung mit der Musik Horace Silvers. Der hatte inspiriert von Blues, Gospel, Swing, Klassik und Broadwaymelodien mit dem von ihm entwickelten "Funky Style" Musikgeschichte geschrieben. Rob Cummings übernahm den Schlagzeug- und Percussionpart bei "Perido". Klassiker wurden neu arrangiert, einige selbst geschriebene Songtexte kamen ins Programm der Berliner Band.

Die typischen Bläserarrangements von Horace Silver wichen bei "Perido" nach der selbst komponierten Eröffnungsnummer der warmen und facettenreichen Stimme der Sängerin Angela Bohrmann und dem „Jazz Tap“. So zogen die grazilen Beine der Sängerin die größte Aufmerksamkeit der Konzertbesucher auf sich. Bewegten sie sich doch bildschön im schwungvollen „Jazz-Tap“. So bezeichnet man eine Form des Stepptanzes, die früher fester Bestandteil von Konzerten war

„Horace Silver hat seine Inspirationen stets wie in einem Eintopf verwendet“, so Angela-Luise Bohrmann. „Und so haben wir heute auch dieses Konzertprogramm zusammengestellt.“

„Ich bin sehr überrascht, so machen Neuentdeckungen Spaß“, freute sich Jazz-Freundin Anja Römer, Veranstalterin der Reihe "Jazz & Buffet", für deren neue Saison "Perido" den Auftakt gab. „So kann es im kommenden Winter gerne weiter gehen.

“ „Und Martin Zentner hat unser frisch gestimmtes Piano erstaunlich gut bearbeitet“, sagte Brauereibesitzer Torsten Römer. „Der Junge ist richtig gut.“

"Ich fand es erstaunlich, wie füllig die Stimme einer so zierlichen jungen Frau sein kann", wunderte sich Joe Mierbach. „Trotzdem war sie beim Tanzen nett anzuschauen. Welchen Beitrag das hier gebraute Bier bei meiner Einschätzung hat, kann ich nicht genau sagen, aber die Musik war in jedem Falle spitzenmäßig.“

„Einzig schade an dem Abend fand ich, dass man zu der uramerikanischen Musik leider keinen einzigen Tropfen des Schlepziger Hauswhiskeys mehr ergattern konnte“, sagte Ilona Graf.

Das nächste Schlepziger Kulturhäppchen wird am 8. November im Landgasthof „Zum grünen Strand der Spree“ bei „Klassik und Schlemmen“ serviert. Hanna Petkoff wird Wilhelm Busch rezitieren. "Die Zeit, sie orgelt emsig weiter" heißt es dann mit musikalischer Begleitung von Eva Högel, Matthias Baumhof und Stewart Emerson.

Weitere Informationen zu den nächsten Terminen gibt es im Internet unter www.spreewaldbrauerei.de. jgk

Lausitzer Rundschau 7.4.2008

Schlepziger Veranstaltungsreihe findet würdigen Saisonabschluss im Brauhaus

Jessica Gall mit samtiger Stimme und voller Emotionen

Schlepzig. Zum letzten Mal für dieses Winterhalbjahr hat es am Sonnabend im Brauhaus der „Schlepziger Privatbrauerei 1788“ kombinierten Jazz- und Gaumengenuss gegeben.


Sängerin Jessica Gall und Pianist Robert Matt wurden bei „Jazz & Buffet“ von Marko Jovanowic und seinen 15 silbernen Mundharmonikas mit verschiedenen Tonlagen und Klangfarben unterstützt.
Die Poetin Jessica Gall stammt aus einer Berliner Musikerfamilie. Im Alter von sieben Jahren stand sie das erste Mal auf der Bühne. Mit ihrer ersten Band «Solid Groove» gewann sie mit einer Mischung aus Funk und Soul im Jahr 1996 den Studiopreis des Senats von Berlin. Den Jazz entdeckte Jessica Gall 1995 bei der Zusammenarbeit mit verschiedenen Berliner Big Bands, unter anderem der Rias Big Band unter der Leitung von Jiggs Wigham, der sie damals ermutigte, Sängerin zu werden. Später fing die Künstlerin an der Hanns-Eisler-Hochschule für Musik in Berlin ihr Studium an, wo bereits ihre Großmutter Klavier studiert hatte.
„Seitdem ich die Hochschule 2006 abgeschlossen habe, mache ich mit meiner Band nur noch das, was ich seit meinem sechsten Lebensjahr schon immer wollte: Einfach gute Songs singen“, erzählte Jessica Gall in Schlepzig. „Just Like You“ heißt ihre aktuelle CD. „Wenn man so will, ist diese eine Art Tagebuch der letzten Jahre. Ich singe über den Tod meines geliebten Schäferhundes, über die Wichtigkeit, Gemeinsamkeiten wahrzunehmen und Freundschaften zu genießen. Die Worte des Klassikers ,Imagine’ werden für mich immer das Bekenntnis zum Frieden sein.“
Mehrmals wurde das Schlepziger Publikum zum Mitwirken animiert. Galls Stimme umgarnte die Klänge des omnipräsenten Pianos nicht nur bei den größten Hits der Popgeschichte. Mit Zwischenapplaus für Harmonika-Soli und außergewöhnlich jazzlastige Interpretationen wurde nicht gespart.
„Einfach heiß und begabt. Denn sie trifft mit ihrer dynamischen Stimme immer jeden Ton“, lobte Veranstalter Dr. Torsten Römer die Sangeskünste der 28-jährigen Berlinerin. „Da sie schwanger ist, wirkt sie besonders sinnlich. Schon bei ihrem ersten Auftritt hier in der Brauerei war dies der Fall und ihre vierjährige Tochter wirbelt nun heute Abend hier herum.“ „Jessica Gall hat sich mit ihrer samtigen Stimme mittlerweile so schön entwickelt, die kann man einfach immer hören“, ergänzte Gattin Anja Römer. „Es ist schon unglaublich, sobald ein Lied verklungen ist, wartet man mit Spannung auf das nächste“, zeigte sich Karl-Heinz Baumeister begeistert. „Die perfekte Harmonie von Gesang und instrumentaler Begleitung – eine Sinfonie voller Emotionen.“
„Die Grenzen zwischen Jazz und Pop scheinen zu verschwimmen, wenn man Jessica Gall zuhört“, resümierte Gina Puhler. „Mir ist dieser Jazz persönlich etwas zu jung, da stehe ich viel mehr auf die richtig klassischen Sachen. Leider haben wir erst jetzt von dieser Veranstaltungsreihe erfahren. Ich bin dennoch begeistert und freue mich auf die Fortsetzung Ende Oktober, denn da ist bestimmt für jeden Geschmack wieder etwas dabei.“ (jgk)

Jens Golombek

Fotos: Jens Golombek
Die Sängerin Jessica Gall und Robert Matt am Piano wurden beim Saisonabschlusskonzert in Schlepzig von Marko Jovanowic mit seinen 15 Mundharmonikas unterstützt.

31.03.2008 Lausitzer Rundschau

Schlepziger Podium als kleine Opernbühne

Berliner Quartett begeisterte

Schlepzig Im beginnenden Frühling ist fast alles möglich. Sogar die kleine Bühne im Schlepziger Gasthof „Zum grünen Strand der Spree“ wurde am Sonnabend zu einer beschwingten Opernbühne. Möglich machten das Sängerinnen und Pianisten mit gutem Ruf und Können.

Foto: -ds
Ein Konzert vom Barock bis zur Romantik, das begeisterte, gestalteten Berliner Künstler bei „Klassik und Schlemmen“ in Schlepzig: die Sopranistinnen Karen Buck (Kanada), Eleanor Forbes (Schottland), Matthias Baumhof (Deutschland) und Professor Stewart Emerson (England, v.r.n.l.)

Zum abschließenden Konzert der Reihe „Klassik und Schlemmen“ in der Saison 2007/08 hatte Veranstalterin Anja Römer die Sopranistinnen Eleanor Forbes und Karen Buck sowie die Begleiter am Flügel Professor Stewart Emerson und Matthias Baumhof aus Berlin gebeten. Sie machten den musikalischen Frühlingsabend für ihr Publikum zum abwechslungsreichen Genuss.
Eleanor Forbes ist bei Konzerten in der Schlepziger Veranstaltungsreihe seit der ersten Auflage vor mehr als einem Jahrzehnt dabei. Sie bringt fast alljährlich neue Partner von Rang mit. Der Pianist Stewart Emerson bewies seinen guten Namen als einfühlsamer Lied-Begleiter in Schlepzig.
Beide brachten mit der Sopranistin Karen Buck und dem Pianisten Matthias Baumhof ebenbürtige Kollegen auf die Bühne. Es war für das Publikum ein Vergnügen zu sehen und vor allem zu hören, wie sich die vier Interpreten musikalisch die Bälle zuspielten.
Die beiden Sopranistinnen harmonierten während der 75 Konzert-Minuten stets. Ob es Duette des englischen Barock-Großmeisters Henry Purcell waren, romantische Kunstlieder von Robert Schumann, Antonin Dvorak, Felix Mendelssohn Bartholdy oder Johannes Brahms – immer kam einfühlsam nachempfundene Musik in der Symbiose von Gesang und Begleitung am Flügel vom Podium. Forbes und Buck waren sich künstlerisch so einig, dass man ihnen das Brahms-Lied „Wir Schwestern zwei, wir Schönen“ fast wörtlich abnahm.
Aus der Oper „Lakme“ des romantischen französischen Komponisten Leo Delibes sangen sie das „Dome epais“. Der Titel sagte den wenigsten Zuhörern etwas, aber als die Musik mit ihren Schwierigkeiten in makelloser Interpretation erklang, wurden viele an den „Ohrwurm“ erinnert. Mit einem heiteren Duett aus Mozarts „Cosi fan tutte“ und dem „Brief-Duett“ aus „Figaros Hochzeit“ als Zugabe setzten die Künstler das Tüpfelchen aufs i eines gelungenen Konzerts.
Veranstalterin Anja Römer war zufrieden mit den vier Konzerten der nun beendeten Wintersaison von „Klassik und Schlemmen“. Die Reihe wird im Winter 2008/2009 fortgesetzt, informierte sie. Ein Wilhelm-Busch-Abend am 8. November soll der Auftakt werden.
Bis zum Konzert mit der Berliner Gruppe „Tango amortal“ am 14. März 2009 soll es in dieser Reihe voraussichtlich fünf Veranstaltungen geben. „Das Interesse, bei uns aufzutreten, ist bei den Künstlern erstaunlich groß. Vielleicht gibt es Zusatz-Konzerte“, sagte Anja Römer. (-ds)

03.03.2008 Lausitzer Rundschau

Deutsch-polnisches Dudelsacktreffen begeisterte in Schlepzig

Verliebt in ein ganz altes Instrument

Während der Sturm «Emma» draußen um die Hausecken pfiff und Fensterläden zum Wackeln brachte, tauchte die Schlepziger Brauerei am Samstagabend während des ersten deutsch-polnischen Dudelsacktreffens in einen Orkan der hohen Töne ein. Dort war zu einem «Oidche Ghàidhlig» – einem Gälischen Abend – im Rahmen der Konzertreihe «Jazz und Buffet» der Privatbrauerei eingeladen worden. Die „Dresden Pipes&Drums“, die mecklenburgischen „Pipes&Drums of Clan MacLanborough“ und die polnischen „Zbaszyniacy“ schickten ihre Sammelrufe bis in die letzten Ecken des Gebäudes.

Gespielt wurde auf der Brauhaus galerie. Zusätzlich wurde der Platz zwischen den Sudkesseln kurzerhand zur Bühne umfunktioniert, wobei dann der Rest zur Tribüne avancierte. Immerhin mussten drei Musikergruppen im Gebäude untergebracht werden. „Das ist der totale Wahnsinn“, kommentierte Veranstalterin Anja Römer die drei ganz besonderen Kapellen im Schlepziger Brauhaus.

Gefunden durch Mundpropaganda
„Ich bin vor acht Jahren nach Dresden gekommen, hatte schon vorher Pipes gespielt“, berichtete Pipe-Major Ulrich Frey von den Anfängen seiner „Pipes &Drums“. „Und da es dort vorher keine Band gab, haben sich irgendwann durch Mundpropaganda und das Internet die ersten drei Dudelsackspieler gefunden. Mittlerweile sind wir 20, aber darunter auch Anfänger, die sich noch keine Auftritte zutrauen.“
Er selbst sei durch Zufall in eine Dudelsack-Übungsstunde geraten und nach einer halben Stunde infiziert gewesen.

„Die Hälfte der Leute lieben sie, die anderen hassen diese Musik“, so Ulrich Freys Erfahrungen. „Ich denke, heute überwiegen hier eindeutig die Liebenden, denn das ganze Event ist einfach Superklasse. Auch wenn das Zusammenspielen mit den anderen Gruppen toll aussieht, so ist es doch für uns sehr schwer.“
Schon an den Vortagen hatte in Schlepzig ein Workshop stattgefunden. „Denn bei den Pipes muss man jedes Stück mehrfach lernen. Einmal auf der Flöte, dann mit dem Dudelsack, und abschließend das Zusammenspiel in der Band.“
Neben den sächselnden Hobbymusikern waren auch Spieler aus den nördlichen Gefilden vertreten. In der Band um den Schotten George Getty fand sich mit der Schwerinerin Anna Kummerlöw eine Frau, die wie ihre Kollegen keinen Rock, sondern einen Quilt trug, der bei dem von ihr aufgeführten keltischen Tanz erst richtig zur Geltung kam.

„Ich wurde durch meine Eltern erheblich vorbelastet“, erklärte die 18-jährige Tochter des mecklenburgischen Pipe-Majors ihr ungewöhnliches Hobby. „Aber ich habe erst mit elf Jahren begonnen, Dudelsack zu spielen, obwohl ich nach dem ersten bewussten Hören verliebt in das Instrument war.“
Mittlerweile darf sie sich als erfolgreiche Spielerin bezeichnen. Ein Wettbewerb im Januar brachte ihr zwei Deutsche Meisterschaftstitel. „Es ist halt voll und ganz meine Musik, mein Leben.“
Die Herren von „Zbaszyniacy“ hatten keine Quilts, sondern ihre großpolnische Trachten angelegt. „Wir sind eine Folkloregruppe, die fast nur Volkslieder aus unserer westpolnischen Region ,Bock’ spielt“, erklärte Christoph Olszenski. „Es ist einfach super, hier mit den Anderen zu spielen. Deshalb freuen wir uns alle sehr, dass dieses Treffen geklappt hat.

Bier, Brauhaus und Verpflegung sind auch einfach super.“
Auffällig waren die weißen Dudelsäcke der Polen, die dort „Böcke“ heißen. Der stilisierte Kopf eines Ziegenbocks verbirgt die Melodiepfeife und ist, je nach Anlass vorgegeben in Weiß oder Schwarz, nur eine von fünf Varianten. „Die Dudelsackkunst in Polen geht mehr als 700 Jahre weit zurück. Neben den Geigen sind das bis heute die populärsten Instrumente“, so Christoph Olszenski.

Seltene Geigen waren dabei
Neben der ‚abgebundenen Geige’, erst durch die um eine Quinte erhöhten Töne zusammen mit Dudelsäcken spielbar, hatten die „Zbaszyniacy“ auch eine berühmte Dreisaitengeige im Gepäck, ein kleines, aus einem Stück Holz gefertigtes einfaches Instrument.
„Ich freue mich, dass so viele Leute aus der näheren Umgebung den Weg durch den Sturm zu uns gefunden haben“, zeigte sich Dr. Torsten Römer von der Zuhörerresonanz begeistert.

„Da spielen wir bestimmt bis in die Puppen, auch wenn die Fenster wackeln. Dabei hätte ich es niemals für möglich gehalten, dass ich eines Tages mal einen deutsch-polnischen Dudelsackabend veranstalten würde.“
„Spreewälder Whiskey und dunkles Bier im Ausschank, stürmisches Hochlandwetter vor der Tür, das Brauhaus durchflutet von Dudelsackmusik“, schwärmte Marko Lehmann. „Käme die Rechnung in britischen Pfund, die Illusion wäre perfekt.“
Auch für Beate Gessner hatten sich die Erwartungen erfüllt. „Ich finde es toll, dass nicht nur ein Haufen Dudel säcke spielen, sondern die Musik mit Trommeln und Pauken, Geigen und Klarinetten oder der Gitarre immer wundervolle klangliche Abwechslung bietet.“ Ihr Mann kritisierte augenzwinkernd die fellbesetzten Instrumente: „Ich finde es voll gemein, dass die Polen die ganze Zeit die kleinen, weißen, wolligen Knuts unter den Armen zerdrücken.“
Am 5.April findet die Schlepziger Jazz-Saison im Brauhaus mit Jessica Galle ein vorläufiges Ende. „Aber Ende Oktober geht es dann wieder los mit Neuentdeckungen und Bewährtem“, versprach Anja Römer.

 


die Herren in Rot: die polnischen "Zbaszyniacy"


Anna Kummerlöw


und die "Dresden Pipes & Drums"

Text und Fotos: Jens Golombek


18.02.2008 Lausitzer Rundschau

Volles Haus beim Auftritt der gestandenen «Jazz Family» aus Berlin / Treff von Dudelsackspielern im März

Jazz-Musiker der Extraklasse in Schlepzig

Schlepzig. Sieben Jazzmusiker, alle schon eine Sieben an erster Stelle im Lebensalter, haben dem Schlepziger Brauhaus am Samstagabend 30er-Jahre-Atmosphäre verschafft.

Foto: Jens Golombek
Die Berliner «Jazz-Family» und damit geballte Erfahrung als Jazz-Musiker erlebte das Publikum im Schlepziger Brauhaus.
Mit der „Berliner Jazz-Family“ hatten die «Jazz & Buffet» -Veranstalter wieder Musiker der Extraklasse im Angebot. Das musste sich im Vorfeld herumgesprochen haben. „Mein Mann wollte mir gar nicht glauben, wie viele Anmeldungen wir für den heutigen Abend hatten“, berichtete Wirtin Anja Römer. Torsten Römer fügt prompt an: «Deshalb kommt die ‚Jazz Family’ ganz bestimmt im Sommer wieder zu uns.»
Anja Römer gestand: „Ich war heute Abend richtig erschrocken, als ich merkte, dass ich einige der Musiker schon vor 30 Jahren in Berliner Jazzkneipen wie der ,Eierschale’ erlebt hatte. Da merkt man, wie die Zeit vergangen ist.“
Im Herbst 1974 trafen sich erfahrene Musiker aus verschiedenen Berliner Jazz- und Swingbands zu einer Session. Nach einem ersten gemeinsamen Auftritt beschlossen Klaus Sörensen, Wolfgang Krüger und fünf weitere Männer, weiterhin gemeinsam zu musizieren. Wegen der guten privaten Kontakte untereinander nannte sich die Band dann «Jazz-Family Berlin» und spielt bis heute in fast unveränderter Besetzung. Die Band bevorzugt den New Orleans Stil. In ihrem Repertoire finden sich Stücke von Louis Armstrong, Duke Ellington, Sam Morgan, King Oliver oder Bennie Moten.
Die «Jazz Family» wird noch heute regelmäßig zu Jazzfestivals eingeladen und auch offizieller Teilnehmer beim Internationalen Dixielandfestival in Dresden. Und es gibt mit ihr an jedem ersten Sonntag im Monat einen Frühschoppen in einem Berliner Hotel.
«Ich kam 1958 durch ein Louis-Armstrong-Konzert zum Jazz» , erzählte Sänger Dieter Hillbricht. „Vor meinem Einstieg in die ‚Family’ spielte ich bei fünf Jazz-Bands Kornett. Heute geben wir Stücke ab 1923 bis in die 30er-Jahre zum Besten. Aber ich suche nur die sehr melodiösen Lieder aus.“ Nach dem Ausstieg aus dem Berufsmusikerleben habe die Gruppe jetzt mehr Zeit, besonders schwierige Stücke einzustudieren. „Denn wir sind alle mit Herzblut dabei, deshalb klingt das Ergebnis auch so toll, oder?“ Ans Aufhören denke keiner von ihnen.
Klaus Sörensen leitet seit dem Jahr 1974 die „Jazz Family Berlin“. „Ich habe damals in Eigeninitiative, von dem Schlagzeuger ,Papa Ko’ inspiriert, dieses Instrument gelernt. Neben verschiedenen Engagements in Swing- und Bigbandmusik bin ich der ,Family’ bis heute treu geblieben.“ Die Verpflichtungen der rüstigen Truppe bringe sie auch öfter ins Berliner Umland oder bis an die Ostsee. „Unsere treuesten Fans, darunter erstaunlicherweise auch jüngere Jahrgänge, reisen fast zu jedem Termin mit“, so Dieter Hillbricht.
„Die Jazz-Reihe in Schlepzig hat sich zu einem richtigen Kulturtreffen gemausert“, sagte Margret Richter-Span. „Viele Bekannte kommen ja nicht mehr nur wegen der phantastischen Künstler her, sondern um sich bei dem ein oder anderen Bier regelmäßig niveauvoll auszutauschen.“
„Ich war schon ein bisschen enttäuscht, dass wir ausgerechnet an diesem Abend auf der Galerie keinen Platz mehr bekommen haben“, berichtete Bernd Sueben. «Aber hier unten am offenen Feuer von dem Sound durchdrungen zu werden, hat auch seinen Reiz.» Aber zum von Torsten Römer angekündigten Dudelsackspielertreffen am 1. März wolle er «überpünktlich sein, denn da will man ja auch richtig was sehen» . „Für den ersten März haben sich außer 20 Pipes und Drums nachträglich noch einmal acht weitere Spieler aus der Republik Polen zum 1. Dudelsackspielertreffen im Spreewald angesagt“, berichtete Torsten Römer stolz. „Die werden unsere Brauerei mit Ihren Instrumenten mit Sicherheit zum Kochen bringen.“ (jgk)

Jens Golombek


 

12.02.2008 Lausitzer Rundschau

Gitarrist Rainer Feldmann im Konzert in Schlepzig

Gehauchte Klänge mit Fingerspitzen-Gefühl

SCHLEPZIG. Einen Abend mit leisen, anrührenden Tönen haben mehr als 40 Musikfreunde im Landgasthof „Zum grünen Strand der Spree“ erlebt.

Foto: -ds
Mit zarten Gitarrenklängen und virtuoser Interpretation hat er sein Publikum im Konzert bei „Klassik und Schlemmen“ begeistert: Rainer Feldmann.
Professor Rainer Feldmann, der in den großen Konzertsälen der Welt zu Hause ist und als Lehrer an der Universität der Künste Berlin und anderen namhaften Bildungseinrichtungen in Deutschland Meisterkurse gibt, genoss sichtlich die familiäre Atmosphäre der kleinen Konzertreihe „Klassik und Schlemmen“. Die Hörer lauschten im Kerzenschein dem Spiel auf der Gitarre. „Sonate kommt von ,sonare’, was soviel wie sinnliches Klingen bedeutet. So soll auch unser Abend heute werden“, hatte Rainer Feldmann die Wahl der Stücke für das Programm in Schlepzig begründet. Langweilig war das in keiner Sekunde.
Feldmann hat eine Vorliebe für Musik mit spanischen Wurzeln. Das machte er in Schlepzig deutlich. Eine Gitarren-Sonate des Andalusiers Joaquin Turina, der im Jahr 1949 verstarb, gab dem Musiker gleich zu Anfang alle Möglichkeiten, um künstlerische Meisterschaft mit musikalischem Witz zu paaren. Feldmann gab im Lento-Satz melancholische Klänge, um gleich danach Ton-Kaskaden über dem Publikum niederprasseln zu lassen. Im quicklebendig gespielten Allegro vivo schließlich erahnten die Hörer Ausbrüche spanischer Leidenschaft in Musik, die immer wieder mit lyrischen Stimmungen wechselte – virtuoses Spiel machte dieses Wechselbad der Gefühle möglich.

Nur für Könner
In die Musik-Welt von Johann Sebastian Bach aus dessen glücklicher Köthener Zeit entführte der Interpret das Publikum ebenfalls. Die a-Moll- Sonate des Großmeisters war ursprünglich für die Violine geschaffen worden. An der nicht weniger kunstvollen Adaption für Gitarre dürfen sich nur Könner versuchen, doch für Feldmann war die Interpretation hörbares Vergnügen. Dem ruhigen Grave mit kunstvollen tonalen Verzierungen folgten eine verästelte Fuge und ein innig-zart gespieltes Andante sowie das fröhlich-beschwingte Allegro. Das Publikum war entzückt.
Ganz andere Töne ließ Feldmann mit der Gitarren-Suite des zeitgenössischen kubanischen Komponisten Leo Brouwer erklingen. Brouwer zitiert in musikalischen Karikaturen gekonnt andere Komponisten. So waren Anleihen von Beethoven, Alexander Skrjabin und Tonkaskaden im Stil des barocken Cembalo-Komponisten Pasquini zu hören. Das gab Rainer Feldmann mit dem nötigen hintergründigem Humor.

Paganini als «Kompott»
Als „Sahnehäubchen“ erklang eine Sonate des Italieners Mauro Giuliani, einem Zeitgenossen der Klassik. Heiteres in Musik in seiner harmonischen Liedhaftigkeit machte dem Publikum großen Spaß. So kam Rainer Feldmann nicht ohne Zugaben vom Podium. Eine heitere einsätzige Sonate von Paganini, die erneut Virtuosität verlangte, erfreute als „konzertantes Kompott“.
Wie kommt ein Künstler von Weltrang darauf, in Schlepzig zu gastieren? Er habe von Kollegen, die im Rahmen der Konzertreihe aufgetreten waren, von dem besonderen Fluidum erfahren und sei neugierig geworden, sagte Feldmann gegenüber der RUNDSCHAU. Das Gastspiel am Sonnabend habe ihn angenehm überrascht. Er könne sich vorstellen, in Schlepzig wieder ein Konzert zu geben. (-ds)

-ds

 

22.01.2008 Lausitzer Rundschau

Matti Klein und Björn Missal bieten im Schlepziger Brauhaus den Jazz zum Buffet

Musik auf Empfehlung

Schlepzig. Obwohl diesmal noch unbekannte Künstler an den Start gegangen sind, wurde bei „Jazz und Buffet“ im Schlepziger Brauhaus Schlepzig wieder Live-Musik der Extra klasse präsentiert.

 

Foto: Jens Golombek
Matti Klein und Björn Missal bei ihrem Auftritt im Schlepziger Brauhaus.


Matti Klein am Klavier und Sänger Björn Missal versetzten die Zuhörer mehr als zwei Stunden in Verzückung.
„Jeder fängt mal an und sollte eine Chance gekommen“, begründete Veranstalterin Anja Römer die Entscheidung, mit dem Engagement der beiden jungen Herren einer Empfehlung zu folgen. „Natürlich waren beide sehr ehrfürchtig, als sie hörten, wer hier im Brauhaus schon alles gespielt hat“, so Anja Römer.
Nicht nur mit Stücken aus der ersten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts, sondern auch mit Kompositionen von den Beatles, Eric Clapton, Sting, Whitney Houston und Phil Collins ernteten Klein und Missal viel Zwischenapplaus.
„Diese Musik ist zeitlos, wird aber immer wieder neu interpretiert. Da muss man einfach Gänsehaut bekommen“, sagte Anja Römer. «Jazz und Buffet» sei zunehmend eine Veranstaltungsreihe für Generationen. „Ich erstelle gerade den Plan für unser nächstes Jazz-Jahr, Matti Klein und Björn Missal laden wir auf jeden Fall wieder ein.“
„Ich hätte die ganze Nacht dieser Mischung aus ruhigen und flotten Melodien lauschen können“, sagte Anna Kopp. Die Zusammenstellung der Lieder sei sensationell.
„An solche Stücke muss man sich erst einmal heranwagen“, erklärte Frank Packer. „Das hätte ich den jungen Herren auf den ersten Blick nicht unbedingt zugetraut.“
„Die Auswahl ist sicher nicht einfach gefallen“, so Björn Missal. „So gut auch manche aktuellen Songs klingen, in diese Brauhausatmosphäre hätten sie nicht gepasst. Die Stücke müssen freundlich und ausgereift sein und eine gute Jazzharmonik zeigen.“
Die besondere Ästhetik liege sowieso in den Stücken sehr früher Jahrgänge“, ergänzte Pianist Matti Klein. „Man merkt den Stücken einfach an, dass die Jazz-Komponisten wahnsinnig von der Klassik inspiriert wurden. Die Möglichkeiten für Improvisationen sind da ungleich größer.“ Etwa 70 Prozent der Stücke seien nicht einstudiert, sondern würden aus dem Moment heraus entstehen, sich aus dem Zusammenspiel der beiden Musiker entwickeln, so der Künstler. Dass beide in Schlepzig erst zum vierten Mal gemeinsam spielten, habe die Sache besonders spannend gemacht.
Björn Missal ist Jahrgang 1983 und wuchs in der Nähe von Stralsund auf. Als Kind erhielt er zehn Jahre lang klassischen Gitarrenunterricht. Es folgten klassischer Gesangsunterricht und mit 17 die erste eigene Band. Seit fast fünf Jahren singt er in Berlin in den unterschiedlichsten Jazzchören und -Bands.
Jazzpianist Matti Klein (23) erhielt er auf dem Musikgymnasium Demmin eine klassische Klavierausbildung. Seit Oktober 2004 studiert er am «Jazz Institut Berlin» . Er hat sich zu einem gefragten Musiker der Berliner Jazzszene entwickelt. Mit zahlreichen Projekten gastierte er auf nationalen und internationalen Jazzfestivals unter anderem in Kaliningrad und Los Angeles.

Jens Golombek

 

7.01.2008 Lausitzer Rundschau

Argentinierin verwöhnt mit Gesang und Ausstrahlung Konzertgäste und -veranstalter

Lily Dahab begeistert Schlepziger Publikum

Schlepzig. Während im Erdgeschoss des Schlepziger Brauhauses das Buffet die Gaumen erfreute, verwöhnte direkt darüber Lily Dahab im Rahmen der winterlichen „Jazz & Buffet“-Reihe Ohren und Seele zahlreicher Musikfreunde.

 

Foto: Jens Golombek
Das Konzert von Lily Dahab empfand Veranstalterin Anja Römer «wie zwei Stunden Urlaub» . Ihre Begeisterung über die Sängerin teilte sie mit dem Schlepziger Publikum im Brauhaus.
Die Jazzmusikerin spielte schon gemeinsam mit Yvonne Catterfeld, Phil Collins, Freundeskreis, Udo Lindenberg. Am Sonnabend ließ sie im Schlepziger Brauhaus, unterstützt von ihrer neuen eigenen Band, ihre Stimme strahlen.
Lily Dahab wurde in Argentinien in Buenos Aires geboren. Neben Jazz und Pop hat sie spätestens nach dem Studium von Musik und Gesang auch noch Bossa Nova, Bolero und Tango im künstlerischen Repertoire. An der Seite von Madonna fand Lily Dahab mit dem Kinofilm «Evita» den Weg aus Südamerika heraus. Hauptrollen in Broadway-Musicals brachten sie ebenso wie Engagements auf Kreuzfahrtschiffen nach Europa.
Seit November lebt die Südamerikanerin in Berlin. Obwohl ihr Sprachkurs erst im Februar beginnt, klappt die Verständigung mit dem Pianisten Bene Aperdannier, Bassist Andreas Henze und Topo Gioia (Percussion) offensichtlich hervorragend. Stücke mit veränderter Tempi sorgten wie Instrumentalsoli für im Schlepziger Brauhaus ungewöhnlich kräftigen Applaus.
Inhaber Dr. Torsten Römer schwärmte von Stimmorgan und Ausstrahlung der Sängerin. „Und das vor allem nahezu unplugged, wir sind ja schließlich kein Elektroschuppen“, war er begeistert.
„Ich bin wunschlos glücklich“, sagte strahlend Ernst Lamping. „Erst anständig und geschmackvoll satt geworden, jetzt diese unglaubliche Vorstellung.“ Obwohl dann für die Kulturreihe ein Stammgast verloren ginge, könne er sich durchaus vorstellen, „mit Lily Dahab bis nach Südamerika zu tanzen“.
„Ich bin sehr stolz, diese phantastischen Musiker zu haben“, bedankte sich Lily Dahab bei ihren Künstlern. „Wir haben gestern zum allerersten Mal geprobt. Dass es heute schon so gut geklappt hat, ist ein göttliches Zeichen.“
„Die Anfahrt aus Lübben hat sich auf jeden Fall gelohnt“, sagte Simone Reusch. „Früher sind die Leute ja immer für die Kultur in die Stadt gekommen. Aber diese Klassik- und Jazz-Geschichten hier in Schlepzig dürften dies langsam aber sicher umkehren.“ „Das war wie zwei Stunden Urlaub“, fügte Anja Römer schwärmend an.
Den Höhepunkt der Saison sehen die Römers im Abend mit New Orleans und Dixieland von der „Jazz Family“ am 16. Februar. „Da kommen 400 Jahre geballte Jazz-Kompetenz auf uns zu“, freut sich Gastwirt Römer schon seit langem. „Aber auch die 20 Dudelsackspieler und Trommler von ,Pipes & Drums’ sind Anfang März auf jeden Fall einen Besuch wert.“ Bereits am 19. Januar wartet erstklassiger Jazz von und mit Björn Missal auf die Spreewälder. (jgk)

Jens Golombek

Rezensionen 2007